19.12.2021 / Die Zeit der Veränderung: Wie viel schlimmer muss es werden, bevor es besser wird?
Dezember 19, 2021
Anscheinend versprechen die Zeiten aktuell nichts gutes, leider … Menschen, die durch die Einhaltung aller Hygieneregeln, die Akzeptanz anderer Ansichten und den Respekt der Souveränität eines jeden Wesens über seinen eigenen Körper sowie die eigene Rücksicht und Solidarität mit allen anderen Wesen, gesund sind und auch so bleiben wollen, werden in der heutigen Zeit undifferenziert diffamiert, diskreditiert, diskriminiert, zum Feind erklärt und, mit der schweigenden Zustimmung einer selbstgerechten und bequemen „Mehrheit“, aus „der Gesellschaft“ ausgeschlossen … das passiert heute, hier, jetzt … und das obwohl nachweislich diese ausgeschlossene Menschen in ihrer Mehrheit definitiv niemals und für niemand ein Risiko waren oder sein werden …
Es ist eine Zeit in der für alle Menschen die Prüfung deren spirituellen Reife ansteht und in der diese Reife für alle, die Sehen können, durch die jeweilige tatsächliche Haltung gegenüber alle, die anders empfinden und wahrnehmen, offenkundig wird … es ist eine Zeit in der wir Menschen uns von Debatte zum Dialog weiterentwickeln sollten, sogar müssten, wenn wir als Spezies überleben wollen …
Es ist eine sehr spannende Zeit, diese Zeit … eine Zeit in der es wichtig wäre, dass die Menschen erkennen, was wirklich wichtig ist und z.B. aufhören würden sich mit Nichtigkeiten zu beschäftigen und das Leben wie eine Anreihung von Geld-Geschäften zu betrachten … Gemeinschaften von Menschen, die wirklich anders leben würden, sind und werden sehr wichtig …. Gemeinschaften von Menschen, die nur für sich eine Möglichkeit suchen, ein „gutes Leben“ zu führen und dafür, unter anderen, auch die Spiritualität als esoterisches Geschäftsmodell missbrauchen, wirken in dieser Zeit noch destruktiver als die neoliberalen Auswüchsen des globalen und als „alternativlos“ gepriesenen Weltwirtschaftssystem, denn sie untergraben jede Möglichkeit einer nachhaltigen Veränderung, zu der sie eigentlich, durch die Befähigung ihrer Mitglieder, sich verpflichtet fühlen müssten …
Es ist eine Zeit der Veränderung … nur nicht eine schöne … aber auch diese Veränderung werden die, die bereits bewusst wahrnehmen können, als positiv empfinden … denn, aus der Perspektive der menschlichen Spezies im globalen Kontext unseres Planeten, muss es für die Menschen wahrscheinlich erst viel schlimmer werden, bevor es besser werden kann …
23.12.2016 / Weitere „gute Absichten“, die unsere Entwicklung erschweren …
Dezember 23, 2016
Am 11. November 2016, auf dem sogenannten „Vision Summit 2016“, haben Franz Alt und Peter Spiegel, als Werbebroschüre zu dem neu geplanten Buch „Gerechtigkeit – Zukunft für alle /Die Grundsatzerklärung“, das in 2017 erscheinen soll, eine verkürzte Diskussionsausgabe (Future for all – The Power of Social Inclusion) zur Verfügung gestellt. Ich zweifele nicht daran, dass die Absicht, die die Autoren zum Schreiben dieses Buchs (bzw. der verkürzten Diskussionsausgabe) bewegt hat, aus ihrer persönlichen Sicht eine „gute Absicht“ ist und, dass sie sich ernsthaft damit erhoffen, die Menschen zur längst fälligen Veränderung unserer Lebensweise bewegen zu können – dafür senden einige Aussagen in der Broschüre ganz klare Signale aus. Noch weniger möchte ich mit diesem Text die Aufrichtigkeit der Autoren in Abrede stellen. Allerdings halte ich persönlich einige der vorgestellten und gepriesenen „Lösungsvorschläge“ als in sich widersprüchlich und sogar zielgefährdend im Sinne der Entwicklung der Menschheit in Richtung einer „gerechteren Gesellschaft“. Aus diesem Grund und weil die Broschüre als eine „Diskussionsausgabe“ zur Verfügung gestellt wurde, werde ich im Folgenden einige der verwendeten Formulierungen, auf ihre möglichen Auswirkungen hin, kritisch-konstruktiv betrachten wollen. Damit möchte ich, aus meiner Sicht, einen Beitrag zu der eröffneten Diskussion und implizit zur Klärung der Sachlage leisten.
Im ersten Artikel der Broschüre, „Nachhaltige Gerechtigkeit“, schreibt Franz Alt:
Seite 11: „In einer gerechten Gesellschaft gibt es keine Reichen und keine Armen – zumindest keine Superreichen und keine Bettelarmen. In einer gerechten Gesellschaft müssen auf diesem reichen Planeten alle [Anm.: Hervorhebung im Originaltext] Mitglieder ihre materiellen Grundbedürfnisse befriedigen können: Nahrung, Kleidung, Wohnung, Arbeit, Bildung, Sicherheit, Gesundheit in einer intakten Umwelt.“
Fragen: Warum soll es „in einer gerechten Gesellschaft“, in der keine Reichen und keine Armen geben soll, doch Reiche und Arme geben dürfen, wenn sie nicht superreich bzw. bettelarm sind? Welche tatsächliche Berechtigung gibt es dafür, dass einige Menschen reicher sein dürfen als andere? Oder, mit anderen Worten, wie wird hier eine „gerechte Gesellschaft“ genau definiert?
Meine Ansicht: In einer gerechten Gesellschaft (wenn sie nicht auf der neoliberalen Ideologie „the winner takes it all“ basierend und aufgebaut sein soll – oder wie in der „Animal Farm“ wo es „gerecht“ deklariert wird, dass die einen „gleicher“ als die anderen sein dürfen) kann es prinzipiell keine Berechtigung dafür geben, dass einige Mitglieder über mehr Ressourcen verfügen als sie tatsächlich und objektiv für ihr Leben brauchen, egal was für eine soziale Abstammung oder besondere Fähigkeiten diese Mitglieder charakterisieren würden. Wenn das nicht der Fall sein soll, dann ist die verwendete Definition der „Gerechtigkeit“ nur eine subjektive Anpassung an die Bedürfnisse und Absichten einer herrschenden Klasse, die sich diesen Status durch Machtmissbrauch selbst zuweist und dadurch sich als „selbstverständlich“ berechtigt ansieht für alle anderen Mitglieder der Gesellschaft entscheiden zu dürfen.
Fragen: Wer sind die „Mitglieder der Gesellschaft“, die ihre „Grundbedürfnisse“ befriedigt haben müssen? Werden hier nur die Menschen betrachtet? Und wenn ja, wie es offensichtlich zu sein scheint, warum? Was ist mit allen anderen Spezies auf diesem „reichen Planeten“ – sind sie nur da, um von Menschen ausgebeutet und ausgerottet zu werden? Wie kann das mit dem Titel „Nachhaltige Gerechtigkeit“ im Einklang sein?
Meine Ansicht: Eine nachhaltige Gerechtigkeit auf dem Planeten Erde kann m. E. nicht existieren, wenn nicht alle Wesen dieses Planeten daran teilhaben dürfen und somit als gleichwertig begriffen und respektiert werden. Alle Wesen, die auf der Erde leben, tragen implizit dazu bei, zum Teil unter Verlust ihres Lebens, dass wir Menschen unsere egoistischen Bedürfnisse befriedigt bekommen. Wir Menschen dagegen verhalten uns arrogant und destruktiv gegenüber unserer Umwelt. Wie soll, im Umkehrschluss, diese Umwelt intakt bleiben und uns Sicherheit und Gesundheit geben, wenn wir nicht mal bereit sind ihr das Recht zum Leben anzuerkennen?
Seite 12: „Die Ungleichheit bei Einkommen, Vermögen und Bildungschancen wird immer größer. Herkunft und Erbe sind weit wichtiger als Leistung“
(Anm.: Die Aussage an sich wird von Franz Alt zu Recht im Kontext kritisiert, jedoch nach meinem Empfinden nicht ausreichend.)
Fragen: Dass, wenn es eine Chancengleichheit überhaupt geben soll, Herkunft und Erbe gar keine Wichtigkeit besitzen dürfen, ist mittlerweile, für alle die sich für eine Veränderung einsetzen, eine Binsenweisheit – aber, auf der anderen Seite, wie wichtig soll die „Leistung“ in einer gerechten Gesellschaft sein? Wie wird die „Leistung“ definiert und was soll mit den Menschen passieren, die dieser einseitigen Definition nicht entsprechen können oder gar wollen? Sollen sie per se zum Arm-Sein und dadurch zu Menschen 2. Klasse verurteilt werden?
Meine Ansicht: In einer tatsächlich gerechten Gesellschaft darf „Leistung“, so wie sie aktuell im marktwirtschaftlichen Kapitalismus definiert wird, definitiv keine Rolle mehr spielen. Jeder Mensch hat seine einzigartigen Fähigkeiten, die mit den Fähigkeiten eines anderen Menschen weder direkt verglichen werden können, noch dürfen. Die meisten dieser Fähigkeiten haben allerdings mit „Leistung“, wie im aktuellen marktwirtschaftlichen Sinne definiert, nichts oder sehr wenig zu tun – bedenken wir, als einfachstes Beispiel, nur die unbezahlbare Zuwendungen die Kinder und Alte benötigen, die bestimmt nicht unter dem Begriff „Leistung“ kategorisiert werden dürfen. Diese Fähigkeiten können der Gemeinschaft nur dann entsprechend Nutzen bringen, wenn sie grundsätzlich anerkannt, wertgeschätzt und gefördert werden.
Seite 12-13: „Deshalb fragen wir in dieser ‚Grundsatzerklärung‘: Wie können wir eine Wirtschaft organisieren, […], die nicht unseren Lebensgrundlagen zerstört, sondern die alle bereichert?“
Fragen: Wer ist hier alle – mal wieder nur die Menschen? Und was bedeutet wenn alle bereichert werden? Wie wird dieser Reichtum definiert, auf wessen Kosten und mit welchen Auswirkung wird er generiert und wo sind seine Grenzen? Der Formulierung ist leider wieder nur der Mensch als begünstigter allen Reichtums zu entnehmen, zum Nachteil allem anderen Leben auf diesem Planeten.
Meine Ansicht: Die Lebensgrundlagen an sich repräsentieren nach meinem Empfinden unseren ganzen Planeten, mit allen Wesen die darauf leben. Ein Leben aller Wesen im natürlichen Gleichgewicht wäre demnach die höchste Bereicherung, die auch tatsächlich allen Wesen zu Gute kommen könnte. In einer gerechten Gesellschaft darf daher die Wirtschaftsweise des Menschen nicht die Bereicherung der Menschen als Ziel haben, sondern sollte NUR der Abdeckung des tatsächlichen Bedarfs des Menschen-Lebens im Einklang mit der Natur dienen.
Seite 15: „Gerechtigkeit heißt, dass jeder Mensch zu seinem Recht kommen soll. Biologen haben festgestellt, dass dieses Grundgesetz auch unter vielen Tierarten gibt […]“
Fragen: Warum soll nur „[je]der Mensch zu seinem Recht kommen“? Was ist mit den Rechten aller anderen Wesen auf der Erde? Sollen sie nicht zu ihrem Recht kommen können? Nicht mal jetzt, wenn wir über eine gerechtere Gesellschaft sinnieren, können wir anerkennen, dass der Mensch zwar ein wundersames Wesen ist, jedoch lange nicht die Krönung der Schöpfung?
Meine Ansicht: Alle anderen Wesensarten, die wir Menschen, in unserer unermesslichen Arroganz, als uns unterordnet ansehen, leben die ganze Zeit im Einklang miteinander und bilden, mit uns Menschen gemeinsam, den großen Organismus unseres Planeten. Nur die Menschen maßen sich an, sich selbst als die Krönung der Schöpfung zu bezeichnen und alle andere Wesen des Planeten nach Gutdünken auszunutzen und rücksichtslos zu zerstören. Dabei sind alle andere Wesen des Planeten für das Überleben der Spezies Mensch unabdingbar. Wie soll eine gerechtere Gesellschaft aussehen, wenn wir nicht mal im Stande sind diesen lebenswichtigen Aspekt sprachlich zu erfassen?
Seite 23: „– schließlich ein globaler Mindestlohn von einem Dollar pro Stunde in den armen Ländern.“
Seite 25: „Konkret und praktisch: Die Ein-Dollar-Revolution als globaler Mindestlohn gegen Ausbeutung und Armut, […]“
Fragen: Warum ein „globaler Mindestlohn“ für die „armen Ländern“ und nicht eine globale Lohngleichheit für alle Menschen? Was ist die Berechtigung in einer „gerechten Gesellschaft“, dass die Menschen „in den armen Ländern“ weniger für ihre Arbeit bekommen sollen, als die Menschen in den „reichen Ländern“? Sind die armen Länder nicht deswegen arm, weil die reichen Länder auf deren Kosten reich geworden sind? Warum soll es überhaupt arme Länder geben dürfen, in einer „gerechten Gesellschaft“? Wer und wie entscheidet welche Länder arm und welche reich sein dürfen?
Fragen: Warum auf Seite 25, im gleichen Absatz, nach der inspirierenden Aufforderung „Macht Euch der Erde untertan“, dann die Dystopie vorstellen, dass ein Mindestlohn „gegen“ Ausbeutung und Armut wäre? Wie kann sich der Mensch der Erde untertan machen, d.h. sie respektieren und achten und im Einklang mit ihr leben, wenn er es für „richtig“ empfindet, dass er selbst, der Mensch, sein Leben „verdienen“ muss?
Meine Ansicht: Solche Aussagen sind nach meinem Empfinden die reine Verhöhnung des Begriffs „Gerechtigkeit“ und zeigen ganz klar wie fragile unser sogenannten „Rechtsempfinden“ ist bzw. wie systemblind auch die eifrigsten Aktivisten sein können. Ich persönlich sehe keine Zukunft in einem globalen Mindestlohn, denn die Idee des Lohns an sich gerade die Ursache des ganzen Übels ist. Bedenken wir den heutigen Status quo: Der Mensch darf nicht leben, wenn sein Lohn nicht fürs Leben ausreicht. Menschen entscheiden über das Leben anderer Menschen in dem sie mit Lohnvorgaben nach den neoliberalen Prinzipien der kapitalistischen Markwirtschaft ihr „Recht“ auf Profit und Gewinnmaximierung erzwingen. Ein Mindestlohn bedeutet diesen Missbrauch weiterhin zu legitimieren: Es ist nach dieser Definition rechtens, als Bedingung für das Leben, einen „Arbeitsplatz“ zu brauchen. Ein globaler Mindestlohn kann keine Lösung sein, denn er unterstützt gerade die Ursache dieser Ungerechtigkeit, die m. E. beseitigt werden soll. Die Lösung ist, aus meiner Sicht, dass Menschen überhaupt keinen Lohn mehr brauchen sollen, um Leben zu dürfen und zu können. Das kann jedoch in keine, wie auch immer gearteten Marktwirtschaft erreicht werden, da diese immer Gewinner und Verlierer vorsieht und darauf aufbaut – dafür ist eine andere Art des Wirtschaftens notwendig, die auf Solidarität und Kooperation basiert und auf Gleichwertigkeit und Respekt gegenüber allem was ist. Ein mögliches Beispiel dafür wäre die Bedarfswirtschaft.
Seite 25: „- Banken für Arme mit Minikrediten, wie es Muhamad Yunus in Bangladesch als Pionier beispielhaft vorgemacht hat.“
Und dazu weiter, im zweiten Artikel der Broschüre, „Menschliche Gerechtigkeit“, schreibt Peter Spiegel:
Seite 52: „Mit seiner sozialen Innovation von Genossenschaftsbanken für die Ärmsten, die ausschließlich Kredite an die Ärmsten geben, schuf Muhammad Yunus mit seinem Grameen-Team nicht nur rund einer Milliarde Menschen den Zugang zu ‚Menschenrecht auf Kredite‘, der ihnen zuvor verwehrt war.„
Fragen: Warum „Minikrediten“? Warum muss sich der Mensch unbedingt als „Unternehmer“ in einer Marktwirtschaft verdingen? Warum ist es noch nicht klar, dass es dem Wachstum der Wirtschaft, der unsere Lebensgrundlage vernichtet, keinen Einhalt geboten werden kann indem noch mehr „Unternehmen“, die implizit und unbedingt etwas produzieren und verkaufen müssen um zu überleben, ins Leben gerufen werden?
Fragen: Und wieder „Banken für Arme“ – bei allem Respekt für Muhamad Yunus als menschliches Wesen, warum darf es bitte „arme Menschen“ geben? Warum nichts dafür tun, dass es überhaupt nicht mehr dazu kommen kann, dass es arme Menschen gibt? Warum stattdessen die Ursache der Armut durch die Zwangsverschuldung in einem bereits ungerechten System verstärken?
Fragen: Und – für mich die höchste Unverschämtheit gegenüber allen Menschen – was soll bitte das „Menschenrecht auf Kredite“ sein? Das Recht mich anonym für ein etwaiges Profitgeschäft zu verschulden und Zinsen zu zahlen, statt mit meinen Nachbarn solidarisch für die Abdeckung unseres tatsächlichen Bedarfs zu kooperieren? Das Recht Dinge und Leistungen auf Pump zu kaufen und zu konsumieren, die ich sehr wahrscheinlich nicht brauchen würde, wäre ich frei so zu leben wie ich gerne möchte?
Meine Ansicht: Hier wird im klassisch kapitalistischen Stil mit der Illusion des Reichwerdens für Jedermann gespielt und somit das ausbeuterische System der kapitalistischen Marktwirtschaft verstärkt. Die wahre Geschichte in einigen Worte ist allerdings: Viele Menschen, die bis vor kurzer Zeit auf dem Land ihrer Ahnen aus ihrer glücklichen Subsistenzwirtschaft leben konnten, wurden von „Investoren“ sowie multinationalen Konzernen mit Hilfe des Staates im Namen der „Zivilisation“ enteignet oder vertrieben und dadurch gezwungen sich die benötigte Nahrung mit Geld zu kaufen – so wurden sie plötzlich zu Arbeitslosen und Armen, wo sie vorher keine Ahnung hatten, dass sie einen Arbeitsplatz oder Geld brauchen könnten. Bedenken wir die abstrusen Nachrichten, dass Menschen in Nepal, die Jahrtausende in den Hochebenen zwar sehr rustikal, jedoch glücklich gelebt haben, plötzlich nichts mehr zu essen haben, weil sie kein Geld haben und auch keinen Arbeitsplatz finden! Darüber, dass die fruchtbaren Tälern und Hochebenen, in den diese Menschen solange leben, durch die Klimaveränderung, die von dem maßlosen Raubbau an der Natur verursacht wurde, unfruchtbar wurden, oder dass diese Menschen von ihren Wasserquellen abgeschnitten wurden, sagen die Nachrichten nichts. Nur über die „Arbeitslosigkeit“ von Menschen wird berichtet – von Menschen, die vorher keinen „Arbeitsplatz“ gebraucht haben.
Für die kapitalistische Marktwirtschaft ist diese die ganz normale Vorgehensweise sich neue Ressourcen und neue Arbeitskräfte einzuverleiben und neue Märkte zu erschließen.
Selbstverständlich können Menschen, die kein Geld haben, auch nicht kaufen und konsumieren und somit nicht an der hochgelobten Marktwirtschaft teilnehmen. Dass sie nichts mehr haben und ihnen stets eingeredet wird, dass Reichwerden etwas ist was, eine „gute Geschäftsidee“ und das Anfangskapital vorausgesetzt, jedem Menschen gelingen könnte, träumen die verarmten Arbeitslosen der Welt fortan von der „Chance“ auch mal „aus sich etwas zu machen“. Kein Wunder, dass sich dann, in diesem Zusammenhang als Variante für die „Armen“, auch die Idee des „sozialen Unternehmertums“ entwickelt: Wie tue ich „gutes“ und werde auch „reich“ dabei – denn „Reichwerden“ ist nach wie vor das Ziel eines jeden Unternehmens in der kapitalistischen Marktwirtschaft. Die Leitparole ist: Reichsein ist nichts Schlimmes – Jeder, der sich entsprechend anstrengt, kann reich werden, oder es mindestens zu einem Leben in Wohlstand bringen. Notwendig ist allerdings ein Startkapital von einer Bank, die sich auf sehr arme Kunden spezialisiert und damit ein Welterfolg erlangt hat. Was kann denn erfüllender sein, als den ärmsten die „Chance auf Wohlstand“ zu ermöglichen – „tue Gutes und verdiene gut dabei“ ist eine faszinierende Rechtfertigung für die Fortsetzung einer dem Leben an sich schädigenden Wirtschaftsweise.
Gegen den Teil „tue Gutes“ gibt es nichts zu sagen. Was für mich nicht stimmt ist es warum es dies nur mit einem „Geschäft“ passieren darf, bei dem „der, der Gutes tut“ entsprechend „verdienen“ kann – warum nicht bedingungslos, geldlos? Warum nicht in lokaler solidarischer Kooperation, bei der niemand etwas „verdient“, jedoch sich alle ein Leben im Einklang miteinander und mit der Natur verschaffen können?
Warum braucht ein Mensch ein „Recht auf [Geld-]Kredit“ um überhaupt überleben zu dürfen? Und woher kommt eigentlich das Geld, was den armen Menschen als Kredit angeboten wird? Vielleicht auch aus deren vorherige Enteignung und Vertreibung? Oder aus den Geschäften anderer Menschen, die damit ein Profit erzielt haben und jetzt das Geld für sich „arbeiten“ lassen? Oder aus „philanthropischen Spenden“ der multinationalen Konzerne, die gerade diese Menschen in die Armut getrieben haben und sich ein „gutes Gewissen“ absichern wollen? Wie ist dann das „tue Gutes“ zu verstehen? Wer tut wem tatsächlich was Gutes? Und wer zahlt tatsächlich den Preis dafür?
Warum nicht den Menschen, die unter der Einwirkung der globalen Markwirtschaft ihrer Lebensgrundlagen beraubt worden sind und in die Armut getrieben wurden, die Möglichkeit geben für sich ein gesundes Leben aufzubauen und die benötigte Mittel dafür ihnen einfach ZURÜCKGEBEN? Und dazu noch die Hilfe, die eventuell benötigt wird? Und das bedingungslos, nur weil sie lebende Wesen sind, die ein Geburtsrecht zu LEBEN haben?
Was und wer spricht tatsächlich dagegen bzw. wer „verdient“ dabei, wenn diese Option als „nicht möglich“ abgetan wird?
Was bei dem Konzept der Mikrokredite offensichtlich nicht bedacht wurde ist, nach meiner Ansicht, dass die Armut und die Hoffnungslosigkeit der Menschen, den jetzt mit Kredite „geholfen“ werden soll, eine Folge von Geschäften anderer Menschen ist und, dass auch die neuen, kleinen „Unternehmer“ sich auf das Profiterzielen konzentrieren müssen, wenn ihr Unternehmen überleben soll. Damit neue Unternehmer überleben können, müssen implizit andere „arme Menschen“ darunter leiden, denn sie müssen sich diesen unterordnen und somit unfrei leben– das wird allzu oft „vergessen“, wenn die „Kreditwürdigkeit“ der Menschen als „Allheilmittel“ gepriesen wird. Es wird vergessen, dass in der Marktwirtschaft, sei sie auch als „ethisch“ oder „sozial“ definiert, niemals alle Menschen die gleiche Chancen haben können, denn der „Markt“, im aktuellen Sinne, allein aus dem Wettbewerb und dem damit erzeugten Leistungsdruck lebt. Die Konsequenzen kennen wir bereits.
Die Gründe, warum nicht alle Menschen so eine „Kredit-Chance“ bekommen können, können vielfältig sein. Die einfachste Beispiele: Z. B. finden sie keine passable Geschäftsidee mehr, weil der „Markt“ bereits gesättigt ist, d.h. alles was produziert und verkauft werden könnte, bereits von anderen in der unmittelbaren Gemeinschaft produziert und verkauft wird, oder sie haben schlichtweg die Fähigkeiten nicht, die benötigt werden um etwas mit Gewinn zu produzieren, zu vermarkten und zu verkaufen. Alle diese Menschen sind dann gezwungen unfreiwillig für andere zu arbeiten, wenn sie überleben wollen, da ihre Fähigkeiten auf dem Markt keinen Verkaufs-Wert haben. Sind diese Menschen dann Menschen 2. Klasse? Bestimmt nicht! Was hier überholt ist, ist die Art zu wirtschaften, die es nicht zulässt, dass das ganze menschliche Potential aller Menschen sich entfalten kann. Die Marktwirtschaft kann hier allerdings nicht helfen, denn sie ist nämlich die Ursache des Problems.
Ich erhoffe mir, dass das alles von den beiden Autoren nur übersehen wurde. Denn, wenn es, im Sinne des kapitalistischen Marktwirtschaftssystems, einfach im Kauf genommen wurde, dass es nach wie vor in einer „gerechten Gesellschaft“ trotzdem Verlierer geben darf, dann wäre es für uns alle sehr traurig. Es beunruhigt mich zutiefst, dass es, auf der eine Seite, davor gewarnt wird, dass die Grenzen des Wachstums schon erreicht wurden und dass eine grundlegende Veränderung notwendig sei, auf der anderen Seite, jedoch, weiterhin die Marktwirtschaft als Lösung angeboten wird.
Das Problem unserer Zeit ist nach meinem Empfinden nicht, dass nicht alle Menschen „Kreditwürdig“ sind bzw. dass sie das „Menschenrecht auf Kredit“ für sich nicht in Anspruch nehmen könnten, sondern dass die Menschen überhaupt „Kreditwürdig“ sein müssen, ja, dass sie gezwungen werden Kredite aufzunehmen, um überleben zu können, und dass diese „Alternative“ auch als ihre einzige Überlebenschance dargestellt wird.
Es ist mir bewusst, dass so eine Veränderung, wie sie mir im Sinn schwebt, nicht von heute auf sofort auf dem ganzen Planeten Erde implementiert werden kann und, dass es notwendige Zwischenschritten geben muss, um uns überhaupt von der aktuellen, unheilsamen Stelle bewegen zu können. Ein globaler Mindestlohn und sogar die Mikrokredite für die ärmsten unter uns wären, aus diesem Blickwinkel vorsichtig betrachtet, vielleicht die jetzt schnellst möglichen Hilfe-Ansätze. Sie sind jedoch, nach meinem Empfinden, definitiv nicht als Lösung anzusehen. Ein globaler Mindestlohn und die Mikrokredite müssen klaren Geistes als genau das was sie sind betrachtet werden: geprobte Werkzeuge eines alten, ungesunden Wirtschaftssystems, das es zu ändern gilt, wenn es eine Entwicklung und ein Überleben der menschlichen Spezies geben soll.
Das gleiche gilt auch für das Konzept des „sozialen Unternehmertums“, solange dieses auf die aktuelle Definition des Unternehmertums basiert: Unternehmer ist der, der ein Wirtschaftsunternehmen gründet und führt, dessen Ziel die Gewinnmaximierung um jedem Preis und explizit das Erzielen von Profit ist. Deswegen auch die Notwendigkeit des Präfixes „sozial“, der die Gewinnmaximierung und Profitorientierung in der Definition relativieren soll. Es mag sein, dass z. B. die Grameen-Bank, oder andere soziale Unternehmen, nicht die Gewinnmaximierung und den Profit im Vordergrund stellen. Jedoch, als marktwirtschaftliche Unternehmen, müssen auch die sozialen Unternehmen trotzdem Profit generieren, wenn sie auf dem kapitalistischen Markt überleben wollen. Ein wahres soziales Unternehmen würde keinen Gewinn bzw. Profit benötigen, denn es würde sich aus der Gemeinschaft für die Abdeckung des Eigenbedarfs begründen und versorgen. Auch gut gemeinte Absichten können nicht wirklich etwas bewirken, wenn sie sich immer noch in einem alten Denken begründen – es ist eine andere Art zu denken und zu wirtschaften notwendig, wenn die Gesellschaft gerechter sein soll, und zwar überall auf dem Planeten. Eine Möglichkeit wäre z. B. die Bedarfswirtschaft.
07.02.2016 / Die Reform des „Geldsystems“ fängt im Denken des Menschen an
Februar 7, 2016
>Mit ihrem Doomsday Clock (die Weltende Uhr) stellen die Atom-Wissenschaftler sehr eindrücklich dar, dass wir Menschen uns nur 3 „Minuten“ vor einem totalen Kollaps unserer bisherigen Lebensweise befinden. 2014 waren es 5 „Minuten“ und so nah der „Mitternacht“ unserer Geschichte waren wir seit 1984 nicht mehr, als der „kalte Krieg“ sein damaligen Zenit erreicht hatte. Auch ohne dieser Warnung erscheint es mittlerweile immer mehr Menschen als offensichtlich, dass das, was wir „normalerweise“ tagtäglich tun, nicht unbedingt gesund für unser Leben ist und einige wenige unter uns verspüren auch den Drang etwas zu verändern. Leider bestehen diese gut gemeinten Pioniere der Veränderung, die im Vergleich mit „uns allen“ wirklich noch sehr, sehr wenige sind, weiterhin nur darauf die Symptomen die wir erleben zu untersuchen und blenden, ob bewusst oder unbewusst, die tatsächlichen Ursachen immer noch einfach aus.
>Das meist auffällige Symptom unserer Zeit, in der Tat aller Zeiten unserer Geschichte der menschlichen Zivilisation, ist die mittlerweile offensichtliche Ungerechtigkeit bei der Verteilung und Abdeckung des Lebensbedarf der Menschen – kurz gesagt, dass wenige sehr „reiche“ Menschen, durch die akkumulierte materielle Macht, das Schicksal der sehr vielen „armen“ Menschen willkürlich bestimmen können. Die Verantwortung für diesen Zustand wird wiederrum von vielen der „armen“ Menschen, die mit ihrer Situation nicht zufrieden sind, dem aktuell verwendeten „Geldsystem“ zugeschrieben. Deren Meinung nach ist das aktuelle „Geldsystem“ ungerecht, da es zu einer zwangläufigen Umverteilung des „Geldes“ führt (und somit der Entscheidungsmacht), von den vielen, die arbeiten müssen, zu den immer wenigen, die nicht mehr arbeiten müssen und nur davon profitieren. Das „Geldsystem“ (so die meist verbreiteten Meinungen) muss daher so geändert werden, dass es „automatisch“ dafür sorgt, dass es eine „gerechte“ Verteilung des „Geldes“ und somit des „Wohlstandes“ entsteht.
>Auf dem ersten Blick scheint es in der Tat einleuchtend, nicht wahr? Aber lasst uns bitte mal darüber wirklich ehrlich nachdenken – und mit „ehrlich“ meine ich, dass jeder von uns für sich in sich hinein schaut und sich gegenüber wirklich vollkommen ehrlich ist. Lasst uns folgenden Fragen stellen:
>– Werden die wenigen von uns so reich und die vielen so arm, nur weil es das „Geldsystem“ diese Möglichkeit gibt?
>– Oder wurde das „Geldsystem“ von uns Menschen gerade deswegen so entwickelt, weil wir dadurch explizit eine Möglichkeit gesucht haben „reich“ zu werden?
>– Haben wir Menschen das „Geld“ entwickelt, weil es ermöglichen sollte miteinander solidarisch zu leben?
>– Oder haben wir das „Geld“ absichtlich (auch wenn bestimmt noch unbewusst) deswegen entwickelt, um uns von einander leichter trennen zu können, somit „unabhängiger“ und „freier“ sein zu können, von den Menschen denen wir nicht vertrauen konnten?
>– Ist „reich“ sein, vielleicht, nicht letztendlich nur der verzweifelte Versuch der Unsicherheit des morgigen Tages zu entgehen und unsere „Zukunft“, eine „Zukunft“ der wir nicht vertrauen können, mit der „Macht“ des materiellen „Reichtums“ zu kontrollieren?
>Wenn wir uns gegenüber, in unserem Inneren, tatsächlich ehrlich sind und in unsere Geschichte zurückblicken, dann werden wir (vielleicht) erkennen können, dass wir das Geld an sich allein deswegen entwickelt haben, weil wir Angst vor einander haben und weil wir uns einfach gegenseitig nicht vertrauen können. Wir haben ein Mittel gesucht, dass uns von der Loyalität gegenüber unserer Sippe, Clan, Volk befreien kann, denn wir, damals wie heute, immer noch zurecht davon ausgehen, dass dann, wenn es hart auf hart kommt, jeder für sich sehen muss, wie er überlebt. Kein Wunder, dass wir so denken, denn dies ist ein Gesetz der Natur – die natürliche Auslese sorgt dafür, dass nur die stärkeren, die schlaueren, die sich am besten an ihrem Lebenskontext anpassen können, dass nur die „Besten“ unter uns auch überleben werden und ihre Genen vererben dürfen. Was wir allerdings noch lernen müssen ist, dass es auch ein Gesetz der Natur ist, dass für ein Wesen das sich bewusst werden kann, auch die Möglichkeit besteht sich selbstbestimmt weiterzuentwickeln und diesen Zwischenzustand des Misstrauens zu überwinden.
>Für das Geld an sich gibt es eine typische Berechtigung, wenn seine Existenz, auch nur als Tauschmittel, von einigen wenigen Menschen in Frage gestellt wird. Das Geld, sagen die meisten Menschen, hat uns die Zivilisation ermöglicht, da nur durch das Geld ein weitreichender Tausch von Waren und das Handeln damit entstehen konnten. Vorher, so die gern erzählte Geschichte, musste beispielsweise ein Korbmacher, der neue Schuhe brauchte, erst einen Schuhmacher finden, der gerade einen Korb benötigte um mit ihm einen Tauschhandel eingehen zu können. Mit Geld wird diese Suche unnötig, denn der Korbmacher seine Körbe für Geld irgendeinem Menschen „verkaufen“ kann, der sie braucht, und dann, mit dem so „verdienten“ Geld, sich „alles“ „kaufen“ könnte, was er braucht, oder meint zu brauchen, Schuhe vom Schuhmacher inklusive.
>Das alles ist richtig, wenn das vorherrschende Denken ist, dass der Mensch nur als Individuum zu betrachten ist und die Überlebensfähigkeit eines Individuum davon abhängt, ob der Mensch im Stande ist etwas zu „produzieren“ was andere Menschen brauchen würden, oder einfach gerne hätten. Es ist auch richtig, wenn ein Mensch nicht davon ausgehen kann, dass in Zeiten der Not, persönlichen wie gemeinschaftlichen, die Gemeinschaft in der er lebt ihn abfangen und unterstützen würde. Es ist richtig wenn es zwischen Menschen keine tiefe persönlichen Verbindungen, die auf Respekt und Vertrauen basieren, entstehen sollen, sondern nur oberflächliche „Geschäftsbeziehungen“, die auf einem Regelwerk des Wettbewerbs begründet sind, die sogar in der eigenen Familie gültig sein müssen. In Rumänien gibt es dafür sogar ein sehr klares Sprichwort: „Wir sind Geschwister, aber den Käse gibt es nur für Geld“ (ungefähre Übersetzung aus dem rumänischen „Frate, frate, dar branza e pe bani“).
>Das alles ist weiterhin richtig, wenn der Mensch in seiner Evolution nur sein materielles Überleben anstrebt und seiner spirituelle Entwicklung, auch wenn er im Stande dazu wäre, bewusst oder unbewusst nur wenig oder gar keine Aufmerksamkeit schenkt. Wohin wir in dieser Weise uns als Spezies hinbewegen könnten (ein mögliches Szenario, das zumindest einigen von uns bereits bewusst ist), das hat der Film „Independence Day“ sehr klar gezeigt – allerdings nur für diejenigen unter uns sichtbar, die bereit sind in den zerstörerischen Aliens uns Menschen zu erkennen.
>Die Geschichte der berechtigten Existenz des Geldes und eines „Geldsystems“ verliert allerdings zunehmend ihre Glaubwürdigkeit, wenn der Mensch sich als das Wesen erkennt, das auch die Möglichkeit hat sich bewusst zu werden und sich spirituell weiterzuentwickeln. In einer Gemeinschaft von Menschen, die sich deren unzertrennlichen Co-Abhängigkeit unter sich und mit dem Lebenskontext bewusst sind, erscheint die Geschichte des Korbmachers in einem vollkommen andern Licht. Stellen Sie sich vor, dass der Korbmacher in seiner Gemeinschaft wirklich eingebettet lebt. Er und seine Mitbürger sehen sich nicht als Einzelkämpfer in einem erbarmungslosen Wirtschaftskrieg, sonder als solidarische Gemeinschaft, eingebettet in dem ökologischen Kontext ihres Lebensraumes. Es wird gemeinsam gewirtschaftet und zwar nur das, was die Gemeinschaft als Summe seiner Mitglieder tatsächlich braucht, und jeder Mensch tut das, was er am besten kann, nicht für Geld, sondern für alle in der Gemeinschaft, die sein Können brauchen. In dieser neuen Geschichte macht der Schuster Schuhe und der Korbmacher Körbe für alle, jedoch nur wenn diese gebraucht werden. In der restlichen Zeit, wenn keine Schuhe oder Körbe notwendig sind, beteiligen sich beide (wie alle andere auch) an den Aktivitäten, die allen Gemeinschaftsmitgliedern das Essen, Kleidung, Obdach und was sonst gebraucht wird, sichern. Und manchmal, wenn alles benötigte mal da ist, was gebraucht wird, dann tun die Menschen mal gar nichts, oder feiern statt dessen und freuen sich einfach des Lebens, gemeinsam oder einzeln, so wie es ihre Seele es braucht. Später, wenn die Zeit reif ist, setzen sich einfach wieder zusammen und besprechen die Zeit die noch kommen wird.
>Es ist ein anderes Denken, das in meinem Empfinden notwendig ist, um die Ursachen einer als ungerecht empfundenen Verteilung von „Reichtum“ auszumerzen. Und dieses andere, neue Denken bedarf eine Weiterentwicklung in der Art und Weise wie ein Mensch sich selbst betrachtet – als Individuum und als Teil eines größeren Ganzen. Es ist ein evolutiver Weg zur Entdeckung und Entfaltung unseres Potential als Spezies. Unsere bisherige Geschichte zeigt deutlich, dass wir für diesen Quantensprung (wortwörtlich für den Übergang zu einer anderen/höheren Energieebene) „soweit“ wären.
>Das „Geldsystem“ wurde von Menschen erfunden und entwickelt so wie es ist, weil die Menschen „reicher“ als andere sein wollen. Denn „reich sein“ gibt es ihnen eine vermeintliche „Sicherheit“ und ein „Gefühl der Kontrolle“ über das eigene Leben. Die Menschen haben das „Geld“ genau für den Zweck erfunden, den das „Geld“ heute erfüllt. Das gleiche gilt auch für das „Geldsystem“ – es funktioniert genauso wie von den Menschen vorgesehen: Es erlaubt den Wenigen Macht über die Vielen auszuüben. Das „Geld“ und das „Geldsystem“ werden so lange bestehen bleiben, wie lange im Denken der Menschen der Gedanke der Angst besteht, der zu ihrer Einführung geführt hat. Keine Reform kann das „Geldsystem“ besser und gerechter als die Menschen machen, die das „Geldsystem“ erfunden haben, es für nötig halten und darauf bestehen es verwenden zu müssen.
>Ein jeglicher Versuch das „Geldsystem“ zu reformieren bleibt im meinem Empfinden sinnlos, wenn das Denken der Menschen, die es erfunden haben und ihn tagtäglich verwenden – das sind wir alle -, immer noch in der Steinzeit stehen geblieben ist. Ein Beispiel: Viel Wirbel wird um das Regionalgeld gemacht, das als eine „stabilisierende Alternative der lokalen Wirtschaft in den Krisenzeiten“ angesehen wird. Jedoch, kaum einer der Befürworter sieht es ein, dass die Haupttugend des Regionalgeldes, „die lokale Wirtschaft anzukurbeln“, das Hauptproblem des Überlebens durch „Produzieren und Verkaufen“ nicht nur nicht löst, sondern sogar auf lokaler Ebene noch verschärft. Durch die gezwungene Abwertung der Alternativwährung (das als Mittel gegen das Horten des Geldes eingesetzt wird) wird sogar der übermäßige Konsum, als Bedingung für den Wohlstand noch angeregt. So bleibt in der lokalen Gemeinschaft die „Schere zwischen arm und reich“ bestehen, denn auch mit Regionalgeld kann ein Jeder nur dann überleben, wenn er einen Arbeitsplatz hat beziehungsweise wenn er etwas zu „verkaufen“ hat, was lokal auch „gekauft“ wird. Die so entstandene Gemeinschaft basiert nicht wirklich auf Solidarität, sondern nach wie vor auf das Recht des Stärkeren und die Unterstützung wird nur im Zuge der Wirtschaftsabläufe angesehen und geleistet. Die Menschen sind nicht als bedingungslos gleichwertig betrachtet, sondern nach wie vor auf die erbrachte Leistung reduziert und somit in Klassen unterteilt. Auf lange Zeit gesehen hat sich das „Geldsystem“ nicht wirklich verändert, sondern, trotz der „guten Absichten“, verstärkt es sogar seine Wirkung auf lokaler Ebene und hält somit die Gemeinschaft von der Weiterentwicklung ab.
>Das „Geld“ und das „Geldsystem“ sind in meiner Wahrnehmung Überbleibsel unserer bisherigen Entwicklung und stellen, auf dem Weg zur Entfaltung unseres wahren Potential, eine harte Prüfung unserer Reife dar. Wenn wir unseren Platz auf unserem Planeten und im Universum nicht erkennen und annehmen wollen, wenn wir Respekt und Demut gegenüber der Schöpfung und dem Leben nicht lernen werden, dann werden wir womöglich diese Prüfung nicht bestehen. Es besteht heute, 3 Minuten vor Mitternacht, die Gefahr, dass wir Menschen als Spezies, ohne das erreicht zu haben, wofür wir das Potential hätten, einfach in die Unendlichkeit unbemerkt vergehen. Es ist und bleibt unsere Wahl, unsere Entscheidung und unsere Verantwortung, ob wir als Spezies überleben werden oder nicht, denn die Naturgesetze sind in der Tat unbeugsam: Die Wesen, die fähig sind sich bewusst zu werden, überleben nur dann, wenn sie sich auch wirklich bewusst werden.
21.05.2015 / Auf dem Weg der Bewusstwerdung – vom „Kundenleben“ zum Mensch-Sein
Mai 21, 2015
Anfang des Jahres bin ich im Internet auf ein Video gestoßen, das, im Kontext der Notwendigkeit einer umfassenden Veränderung des menschlichen Denkens, die Vorteile eines technischen Produkts präsentierte, das bei der Steigerung des Bewusstseinszustand der Menschen implizit fördernd wirken soll. Ich werde in diesem Beitrag den Namen des Produktes sowie des Unternehmens, das das Produkt herstellt und verkauft, mit Absicht nicht preisgeben. Mir geht es nur darum, durch das anonyme Beispiel auf ein Verhalten aufmerksam zu machen, das, nach meinem Gefühl, uns allen immer noch unbewusst ist: das Konsumverhalten. Mein Blogbeitrag soll den Herstellern dieses Produkts keine schlechte Absichten unterstellen, sondern nur aus meiner Sicht die Gefahr anzeigen, dass ein Verhalten, das aktuell im sozialen und wirtschaftlichen Gefüge als „normal“ empfunden wird und das Denken aller Menschen maßgebend beeinflusst, auch die Wirkung einer spirituell sauberen Absicht bis zu ihrer Annullierung oder sogar Umkehrung verfälschen kann.
Worum geht es? Hier Teile des anonymisierten Verkaufstext des Produkts (folgend einfach „Produkt X“ benannt), einem öffentlichen Verkaufsprospekt sowie der Webseite des Vertreibers entnommen:
„Das Produkt X ist von Natur aus ein Harmonisierungsgerät – gewissermassen ein Energieoptimierer für Mensch, Tier und Umfeld. Die Funktions- und Wirkungsweise beruht auf den neuesten Erkenntnissen der modernen Quantenphysik, die vorwiegend mit einer Informationsübertragung in bestehende Energie- oder Informationsfelder zu tun haben. Die örtlichen Gegebenheiten, aber auch das individuelle Bewusstsein des Kunden spielen eine wichtige Rolle dafür, welche Ergebnisse im Endeffekt erzielt werden. „
[…]
„Dem Produkt X werden folgende Eigenschaften zugeschrieben:
- Optimiert den natürlichen Energiefluss in Gebäuden
- Harmonisiert niederfrequenten Elektrosmog
- Harmonisiert hochfrequenten Elektrosmog im Umkreis von 13 m
- Steigert das persönliche Wohlempfinden und erhöht die Lebensqualität
- Steigert die Effizienz der Elektrizität und erhöht den Wirkungsgrad
- Repolarisiert Wasseradern und andere geopathische Störfelder weitestgehend (individuelle Austestung notwendig)“
Ein wundersames Schutz- und Heilmittel gegen fast alles, was auf die Gesundheit des Menschen unmerkbar (und dadurch unbewusst) besonders schädlich wirkt. Eine tolle Erfindung, nicht wahr? Was soll daran nicht in Ordnung sein? Wir sollen uns alle doch glücklich schätzen, dass sowas „erfunden“ und für „jeden“ Menschen greifbar gemacht wurde. Jeder kann sich so ein Teil doch kaufen und so dafür sorgen, dass sein Wohlbefinden sich so verbessert. Noch mehr: je „bewusster“ ein Mensch das kauft und einsetzt, desto mehr „Wohlbefinden“ und sogar „Kostenersparnisse“ (durch mehr Effizienz der Elektrizität) werden diesem Menschen zuteil.
Ist doch eigentlich eine super Sache, oder? Meinem Gefühl nach ein klares JAIN!
– JA, weil die Wirkung des Gerätes tatsächlich so sein mag wie beschrieben – das Gerät kann wahrscheinlich eine Verbesserung des Wohlempfindens und dadurch auch die Erhöhung der Lebensqualität bewirken – das stelle ich hier nicht in Frage.
– NEIN, weil das Gerät VERKAUFT werden soll und das VERKAUFEN an sich gerade das bedient und unbewusst verstärkt, dem seine „Erfinder“ meinen implizit mit dem Gerät entgegen wirken zu wollen: das Gerät soll die Bewusstwerdung des Menschen „erleichtern“ und so auch das (Konsum)Verhalten des Menschen nachhaltig verändern.
Warum ich das Wort „Erfinder“ in Anführungszeichen setze?
Ein kleiner Exkurs als Antwort: Nach meinem Empfinden hat kein Mensch einen Anspruch darauf etwas alleine „erfunden“ zu haben. Wir alle, jeder von uns Menschen, haben dazu beigetragen und tragen weiterhin stets dazu bei, auch wenn im unterschiedlich wahrnehmbaren Maß, dass etwas irgendwann „erfunden“ wurde und noch wird. Für mich persönlich ist der Beitrag des Menschen, der für die Sauberkeit des Forschungslabor sorgt, genau so wichtig wie die Arbeit des Physikers, der die Teilchen untersucht und Theorien aufstellt. Warum? Weil die Syntheseleistung des Physikers von seinem (ihm meist unbewussten) Wohlgefühl am Schreibtisch abhängt. Jeder von uns ist gleich wichtig in diesem unendlichen Prozess der Weiterentwicklung. Die einzelne Menschen unter uns, die bis heute in der Geschichte den Ruhm einstreichen durften, sind nur die Menschen, die, zur passenden Zeit und durch ihnen nicht bewusste Bedingungen, sich an der Spitze der jeweiligen Informationspyramide befunden haben. Diese Menschen sind nach meinem Empfinden die Auserwählten, die das Glück UND die Verpflichtung haben, für die ganze Menschheit eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: das, bis zu deren Zeit, von verschiedensten Menschen gesammelte Wissen zu synthetisieren und das benötigte ZWISCHENergebniss bedingungslos zu veröffentlichen – zum Wohl des Lebens auf diesem Planeten. Die meisten diesen Menschen (zum Glück nicht alle) haben jedoch diese Aufgabe bis jetzt nicht erkannt und eigennützig und rücksichtslos die wirtschaftliche Vorteile der „eigenen“ Erfindungen ausgebeutet. Sie sind diejenige, die sich stets für das sogenannte „geistiges Eigentum“ stark machen und alles patentieren und mit Markenschutz versehen lassen, was nur möglich ist. Aus diesem Denken konnte auch soweit kommen, dass Nestlé uns sogar das Wasser und Monsanto die Heilpflanzen patentieren und verkaufen wollen.
Und, um den Exkurs zu beenden, die Nestlés, Monsantos und andere TTIPs-Befürwörter dieser Welt haben zurzeit „Recht“, denn aus Sicht des heutigen (Globalen)Wirtschaftssystem ist der „normale“ Bürger dieser Welt kein Mensch mehr, sondern ist zum „Konsumenten“ und zum „Verbraucher“ degeneriert. Er ist nur ein „Kunde“ der alles „kaufen“ soll, ob er will oder nicht – sogar sein Wohlbefinden, seine Lebensqualität und schließlich, so wie die „Erfinder“ des Produkt X, auch wenn unbeabsichtigt, bewirken, sogar seine Bewusstwerdung.
Nun, dass die Bewusstwerdung eines menschlichen Wesens durch das Kaufen von „Weg-Erleichterungsmittel“ gefördert wird ist (nach meinem Empfinden) definitiv nicht möglich – auf diesem Weg gibt es glücklicherweise keine Abkürzung, auch wenn viele Menschen sie sich wünschen und mittlerweile das „Geschäft mit der Spiritualität“ sich zu einen eigenständigen (Markt)Wirtschaftszweig entwickelt.
Allein die Formulierung im obig erwähnten Verkaufstext sollte jeden zum Nachsinnen anregen: sowas wie „das individuelle Bewusstsein des Kunden“ kann es gar nicht geben. Denn wäre sich ein Mensch wirklich bewusst was er tut und was sein Tun auf sich und seine Umwelt für eine Auswirkung hat, dann könnte er per Definition kein „Kunde“ mehr sein!
Der im kapitalistischen Wirtschaftsbild so gepriesene „Kunde“ ist und MUSS ein Mensch sein, der nicht mal die leiseste Ahnung haben darf, über das, was er tut und was sein Tun in seiner/unserer Umwelt bewirkt. Er muss einfach dem Marktprinzip bedingungslos gehorchen, der besagt: „Kauf so viel du kannst, egal ob du es brauchst, oder nicht – dein Wohlbefinden ist davon abhängig wie viel materielles du dir leisten kannst! Man gönnt sich ja sonst nichts … du bist doch nicht blöd!“ Für den „Kunden“ gibt es nur eine alternativlose Welt, in der er für Geld arbeiten muss (das bedeutet: so viel und sinnloses „produzieren“, wie es nur geht), um sich mit dem so „verdientes“ Geld seinen Lebensunterhalt und dazu noch „Sachen“ kaufen zu können und somit „den wirtschaftlichen (Wahn)Wachstum anzukurbeln“. Von diesem allerdings nicht er selbst profitieren soll, sondern diejenige, die das Bild des „Kunden“ erschaffen und in Schulen lehren lassen haben und sich diesem für das eigene Wohlbefinden bedienen.
Diese Profiteure sind allerdings (Überraschung!) auch Menschen, die sich ihrerseits gegenseitig auch als „Kunden“ betrachten und behandeln – so ergibt sich ein in sich geschlossener Kreis, eine positive Feedback-Schleife, die uns alle in einer Schein-Welt gefangen hält, die sich mit allen Mitteln gegen einer Bewusstwerdung des Menschen wehrt. WIR ALLE haben diese Welt erschaffen und folglich sind auch wir diejenige, die sich gegen unsere Bewusstwerdung bisher mit Erfolg wehren. Wir wissen nicht was wir wollen und was wir überhaupt sollen und halten leider und fälschlicherweise unsere Ignoranz für Alternativlos.
Dagegen soll das Produkt X helfen, wenn der Mensch ihn „kauft“. In Wirklichkeit kann es jedoch so nicht funktionieren, weil das Produkt X gerade deswegen dagegen nicht wirken kann, weil der Mensch ihn „kaufen“ muss. Das bewirkte Wohlbefinden wird dadurch nur die bessere Mahlzeit, die dem Gefangenen in seinem gut ausgebauten, goldenen Käfig zur Verfügung gestellt wird und nicht das Wohlbefinden der wirklichen Freiheit des Bewusst-Seins, nach dem die „Erfinder“ anscheinend doch streben.
Ich habe dem Menschen, der im Video dieses Produkt als Unterstützung zur Bewusstwerdung vorgestellt hat, folgende Frage gestellt:
„Warum genau _verkaufen_ Sie ein „Produkt“ zur Unterstützung der Bewusstwerdung, statt es den Menschen (auch wenn nur denjenigen die von Ihnen als „weit genug“ beurteilt werden) frei zur Verfügung zu stellen und so einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Menschheit beizutragen? Sie wissen es doch, dass diese Veränderung sich dann entsprechend harmonisierend verbreiten wird und auch denjenigen, die „noch nicht so weit sind“, in ihrer Entwicklung implizit helfen wird, nicht wahr? Warum denn diese, in dem aktuellen System verhaftete Gedankenbremse? Warum mit der Bewusstwerdung und das Wohlbefinden ein „Geschäft“ machen? Ist diese Verhaltensweise für die Entwicklung der Menschen zu bewussten Wesen wirklich förderlich?“
Die (hier auf das Wesentliche gekürzte) Antwort dazu war:
„Dies soll hier keine Rechtfertigung sein über unser Tun bzw. Nicht-Tun sondern ich möchte völlig frei von Bewertungen und Vorurteilen die Situation beschreiben. Eines ist absolut sicher. Wir machen mit dem Verkauf des Produkt X zur Unterstützung des Wohlbefindens und Bewusstwerdung „kein“ Geschäft.
Nichts ist mir lieber als das Geldsystem abzuschaffen und wie unsere Freunde und Brüder in der inneren Welt oder auf anderen Planeten auf Tauschhandelbasis, gemäß dem Gesetz des Energieausgleichs, zu agieren.
Wir in der Firma kennen bis dato noch keinen Weg wie wir das Produkt X den Menschen kostenfrei zur Verfügung stellen können.
– Wer bezahlt das Material ( welches von Jahr zu Jahr teurer wird )?
– Wer bezahlt die Zertifizierungs- und Prüfungskosten ( fünfstelliger Bereich )?
– Woher kommt das Geld für die Arbeitsleistung der Physiker und Mediziner für Forschung und Tests?
– Wer bezahlt die Weiterentwicklungen?
– Wie sollen die Partner draußen bezahlt werden welche das Produkt X, unter schwierigsten Bedingungen, publik machen?
– Lager, Rechnungswesen etc.
– Fahrtkosten, Miete, Lebenshaltung etc.
Ich denke Sie müssen für sich und Ihrer Familie auch noch mit diesen bunten Läppchen, Euros genannt, bezahlen.
Meine Arbeitsleistungen und die der meisten Kollegen in der Firma sind zu über 80% Ehrenamtlich.
Ich bekomme für Schulungen und Vorträge keinen Euro.
Niemand arbeitet 6 Tage die Woche bis zu 14 Stunden wo er im Prinzip nur für maximal 3 Stunden bezahlt wird.
Wir tun es aus Liebe und Überzeugung.
Auch gibt es noch Gruppierungen in der 3D-Welt welche solche Arbeiten wie wir es tun brachial stoppen wollen weil wir mit dieser Technologie schon zu vielen Menschen helfen.“
Eine Antwort die ich erwartet hatte, die jedoch deswegen nicht weniger beeindruckend ist. Diese Menschen wollen mit voller Absicht helfen, dass es uns allen besser geht und ich habe vollen Respekt dafür, dass sie es tun.
Was mich beunruhigt ist die Art und Weise wie sie dies tun, Art und Weise die ich allerdings für das aktuelle soziale und wirtschaftliche Gefüge für symptomatisch erachte. Nach meinem Empfinden ist gerade die starke Absicht, die hinter diesem Vorhaben steckt und es antreibt, diesen Menschen nicht bewusst und klar genug, um die wirkliche Auswirkungen des Tuns wahrnehmen zu können. Das führt auch zu der Verzweiflung und Ohnmacht die in der Antwort zu verspüren sind.
Ich habe versucht diesem Menschen meine Ansicht der Situation darzustellen – hier meine Antwort (Namen und Produktbezeichnung entfernt bzw. anonymisiert, Du-Form ist gewünscht worden):
„Ich stelle diese Frage jedem Mensch, der sich selbst als bewusstes Wesen empfindet und es auch als seine Aufgabe ansieht, einen Beitrag zur gemeinsamen Bewusstwerdung der Menschen zu leisten. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich Deine Antwort überrascht. Im Gegenteil: ich habe diese Antwort von jedem der gefragten Menschen bekommen und auch jeder von den gefragten Menschen hat in verschiedenster Weise auf das „Gesetz des Energieausgleichs“ hingewiesen.
Um es von Anfang an sehr klar zu stellen: ich habe Dich nicht angeschrieben, weil ich mir von Dir eine Rechtfertigung wünschte – ich klage Dich und Deine Kollegen in keinem Fall an, noch erlaube ich mir Eure Arbeit zu kritisieren. Desto mehr erfreut mich Deine Offenheit und ich kann alles was Du als Erklärung eures Tuns anführst sehr wohl nachvollziehen – ja, wir befinden uns in dieser, wie Du es nennst, 3-D Welt, auch nach meinem Empfinden, _alle_ in einem Dilemma: wie überleben und doch bewusst sein? Alle Fragen die Du stellst sind in dieser 3-D Welt vollkommen berechtigt und werden in dieser 3-D Welt auch keine Lösung oder gar eine Antwort bekommen können, denn _wir_ sind diejenige, die diese 3-D Welt erschaffen haben und immer noch fest, ganz fest in der Angst verhaftet sind, sie bloß nicht zu „verlieren“, denn die notwendige Veränderung ist uns wohl unbewusst „bewusst“. Und mit „wir“ meine ich uns, alle Menschen, die Menschheit als Ganzes.
Du kennst bestimmt den berühmten Einsteinschen Satz im Bezug auf die Lösungsfindung: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Und doch bestehen wir stets darauf, dies immer wieder zu versuchen … Diese 3-D Welt basiert auf dem Denken über das Überleben des vermeintlich „stärkeren“ und davon ist leider auch die Interpretation des viel zitiertes „Gesetz des Energieausgleichs“ betroffen: der „Ausgleich“ wird durch unmittelbaren „Tausch“ erwartet, was hauptsächlich bi-dimensionale Beziehungen voraussetzt – ich gebe Dir, _wenn und weil_ Du mir (von mir als „gleichwertiges“ bewertetes) gibst – inklusive des impliziten, meist nur unbewussten Zusatzes „sonst nicht“.
Das Dilemma in dem wir uns befinden ist in der Tat in diesem Denken nicht lösbar. Wir _müssen_ einfach anfangen anders zu denken, wenn wir eine Lösung dafür finden wollen. Und ich sage bewusst „wir“, denn ich maße mir nicht an alleine Lösungen für das, was uns allen betrifft, vorzuschlagen. Ich hätte gar nicht die Kapazität dafür. Es reicht nämlich nicht, dass Du und ich uns einig sind und dass unsere Wahrnehmung uns gleichermaßen mit den gleichen Informationen versorgt, wenn wir nicht im Stande sind auch _gemeinsam mit anderen_ eine Kohärenz zu schaffen, die das Schwarmeffekt auslösen kann. Dafür müssen wir allerdings, nach meinem Empfinden natürlich, erst mal uns darüber bewusst werden, dass das „Gesetz des Energieausgleichs“ multidimensionale, netzartige Beziehungen zwischen Wesen voraussetzt – das bedeutet, so weit wie ich dieses Wissen in der Armut der geschriebenen Worte übersetzen kann, dass es keinen direkten „Tauschhandel“ geben kann, sondern viel mehr kreis- oder sogar spiralartigen Ketten der Energieweitergabe: Ich gebe Dir das, was ich bin, sodass Du ihm das geben können, was Du bist, sodass er ihr das geben kann, was er ist, uswusf … sodass irgendwann (wann, kann ich nicht bestimmen, ich weiß jedoch, dass es genau dann sein wird, wann ich es wirklich brauche) sie _mir_ das geben kann, was sie ist, sodass ich Dir erneut das geben kann, was ich bin …
Und das tust auch Du bereits, in dem Du 6 Tage die Woche je 14 Stunden arbeitest, indem Du dich für die Vorträge und Schulungen dich nicht bezahlen lässt … Und doch musst auch Du leben und dafür musst Du in dieser 3-D Welt die läppischen Euros „verdienen“, um sie dann fürs Essen, Bekleidung, Miete, Transport, Kommunikation ausgeben zu können. Wie ich auch.
Das passiert weil wir alle denken, dass es so „normal“ ist, dass es „nichts umsonst gibt“, dass alles etwas „kostet“ und dass das „Geld“ auch eine Form von Energie ist – und das Geld ist in der Tat eine Form von Energie: die Energie die wir in es mit unseren Gedanken in einem jeden Augenblick transformieren, sie unserer Lebensgrundlage entziehend. Du weißt es doch – je mehr Aufmerksamkeit Du etwas schenkst (interessant, nicht wahr: Aufmerksamkeit kann nur verschenkt werden …), desto mehr Raum und Zeit und Energie in Anspruch wird dieses Etwas einnehmen … bis es uns beherrscht und uns glauben lässt, dass es die unverrückbare Wirklichkeit ist … Und es passiert uns zu recht, denn wir „wollen“ es so, da jegliche Veränderung, auch oder gerade weil sie erst in den Gedanken passieren muss, eine Bedrohung des Status Quo ist und den Status Quo verwechseln wir mit der Sicherheit nach der wir uns implizit als sterbliche Wesen von Geburt an sehnen.
Warum stelle ich die Frage überhaupt?
Weil es mir ein Anliegen und eine Aufgabe ist, diesen Zustand bewusst zu machen: wir müssen uns bewusst werden wie wir über uns denken und über das was wir tun und warum genau wir es tun. Die Bewusstwerdung ist, in meinem Empfinden, kein „Produkt“, das verkauft oder gegen etwas anderen getauscht werden kann und soll und auch kein Marketingmittel sein, um „Produkte“ zu verkaufen. Gleichsam ist das, wie ich als Mensch einen anderen Mensch unterstützen kann, dass er sich bewusst werden kann, auch nicht zu verkaufen, denn es gehört gar nicht mir und es gibt keinen Augenblick in dem ich nur Unterstützer bin, sonder in jeder Hinsicht bin ich stets auch der Unterstützte und der Lehrling.
Ich persönlich finde, dass bis zu dem Zeitpunkt, wo die 3-D Welt zu einer Multidimensionale Welt des Herzens sich entwickeln kann, wir, diejenige die bereits etwas mehr von dem bekommen, was um und in uns tatsächlich ist, die Pflicht haben anzufangen anders zu denken. Es funktioniert ähnlich dem Produkt X: es wirkt ausgleichend, entstörend, harmonisierend, denn so erhöhen wir, allein durch unser Anders-Denken, die Möglichkeit, dass die benötigten Informationen auch die Menschen erreichen, die diese 3-D Welt noch für unveränderbar halten. Aber das hängt direkt mit unserer inneren Absicht zusammen, wenn wir Anders-Denken – Du hast es in dem Gespräch im Video klar ausgedrückt: die „Effizienz“ des Produkt X ist desto größer, je unwichtiger der finanzielle Aspekt für den Anwender ist. Auch noch sagtest Du, dass das Gerät nicht für jeden Menschen sei.
Jetzt stell Dir mal vor, dass dieses Gerät, seine Verbreitung unter den Menschen und auch seine Wirkung, neben der Absicht die Bewusstwerdung zu unterstützen, _auch_ mit der Absicht eng verbunden und verwoben ist, Dich/Euch mit Hilfe des Geldes aus seinem Verkauf am Leben zu erhalten … Dieser Gedanke allein ist, nach meinem Empfinden, die Geheimwaffe der Kräfte die es nicht zulassen, dass eine wirkliche Veränderung passieren kann. Nur der ist auch nicht allein da. Es gibt auch die Frequenz, die vermittelt, dass es durch das Gerät „leichter“ wird, dass der Bewusstseinszustand sich dadurch „verbessern“ wird, dass die Wahrnehmungsfähigkeit „erweitert“ wird – und das alles ist wahr. Genau so wahr, wie der Zauberbesen in den Händen des Zauberlehrlings … Du weißt es doch: die Bewusstwerdung bedarf einer Entscheidung zur Übernahme der Verantwortung für das eigene Leben und zu dieser Entscheidung hin führt definitiv keine Abkürzung. Insofern sind viele von uns für so ein Gerät gewiss noch nicht „so weit“, die meisten von uns sind jedoch für Abkürzungen wohl zu haben.
Mal ganz ernsthaft darüber sinniert: zu was können einem Menschen in dieser 3-D Welt, in diesem sozial-wirtschaftlichen Gefüge des Geldes, mehr Vitalität und viele Ideen verhelfen, die ihm von einem _gekauften_ Gerät ermöglicht werden, das _auch_ mit der Absicht „Geld zu verdienen“ in die Welt gesetzt wird?
_Ich_ habe natürlich für Dich und das Vorhaben an sich – vor dem übrigens großen Respekt und Anerkennung hiermit ausdrücke (ich tue es, nicht nur „möchte“ ! ) – keine Lösung parat und bin mir gleichzeitig auch sicher, dass es mehreren Menschen bedarf, um dieses Thema so zu beleuchten, dass es einen praktikablen, umsetzbaren Weg gefunden werden kann, der Euch ermöglichen kann diese Arbeit zu tun und in dieser Welt wirtschaftlich zu überleben. Wenn Du es magst, bin ich bereit mich diesem Kreis _ohne jeglichen Ansprüche meinerseits_ anzuschließen und meine Ansichten in den gemeinsamen Topf zu werfen – mal sehen was dabei raus kommt.
Ich kann nur von mir berichten: ich habe einen Job, der nicht direkt mit der Bewusstwerdung zu tun hat – damit „verdiene“ ich im Moment meine Brötchen. So bin ich wirklich frei mit Menschen zu arbeiten, denn die spirituelle Arbeit die ich leiste ist völlig Geld-frei – ich verschenke diese Gabe an die Menschen bei den ich spüre, dass sie meine Unterstützung brauchen um weiter zu gehen. So tue ich meine wirkliche Arbeit immer mit den Menschen die mir auf meinem Weg begegnen – so wie Sie mir und ich Ihnen jetzt uns begegnet sind. Stets mit sehr guten Ergebnisse, auch wenn diese Ergebnisse nicht in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Und ich habe am eigenen Leib erlebt wie sich dieser Kreis, diese Spirale des Energieausgleichs immer wieder bei mir, genau in dem Moment, wo und wie ich es tatsächlich für meine Entwicklung gebraucht habe, sich geschlossen haben. Dafür bin ich dankbar.
Ich habe keine Lösung, einige Ideen hätte ich allerdings schon, auch wenn sie den Geschmack der meisten bisher gefragten Menschen nicht getroffen haben. Allererstes könnte das Handwerkliche von der Verbreitung des Gerätes abgekoppelt werden. Ich persönlich würde das Prinzip und die Bauweise öffentlich machen (so was ähnliches wie creative commons) und jedem anbieten, der sich nicht selbst zutraut so ein Gerät zu bauen, mit Expertenkenntnisse und Handwerkgeschick zu unterstützen.
Die spirituelle Beratung, die unbedingt mit so einem Vorhaben einhergehen muss, würde ich allerdings in keiner Weise zu diesen Expertenleistungen hinzurechnen – die ist für mich nicht verkäuflich, genauso wie das Gerät an sich auch nicht verkäuflich ist. In meinem Empfinden ist auch der Weg zu so einem Gerät ein wesentlicher Bestandteil der Bewusstwerdung.
Allein aus dieser Vorgehensweise würden sich folgende Antworten zu Deinen Fragen ergeben:
– Wer bezahlt das Material ( welches von Jahr zu Jahr teurer wird )?
—-> der Mensch, der für sich die Entscheidung getroffen hat, so ein Gerät für sich zu bauen
– Wer bezahlt die Zertifizierungs- und Prüfungskosten (fünfstelliger Bereich)?
—-> abgesehen davon, dass sie auch zum „alten Denken“ gehören, sind sie nicht mehr notwendig, wenn der Mensch, der so ein Gerät für sich bauen möchte, entsprechend beraten wurde und er es für sich und nicht für den Verkauf bauen möchte – klar besteht diese Gefahr, aber die besteht auch jetzt, oder nicht?
– Woher kommt das Geld für die Arbeitsleistung der Physiker und Mediziner für Forschung und Tests?
—-> Wenn die Physiker und Mediziner diese „Arbeitsleistung“ nur fürs Geld erbringen wollen, dann sind sie, nach Deiner Definition, noch „nicht so weit“ 😉 …
– Wer bezahlt die Weiterentwicklungen?
—-> Wer bezahlt die Weiterentwicklung von Linux und vieles anderes, das unter Open Source von der ganzen Menschheit weiter und weiter und weiter entwickelt wird?
– Wie sollen die Partner draußen bezahlt werden welche den Produkt X, unter schwierigsten Bedingungen, publik machen?
—-> wie bei den Physikern und Medizinern kommt es hier um deren Absicht an – deren Absicht fließt in die Wirkung des Gerätes mit ein – so wäre es heilsam, wenn sie es für die Menschheit ohne eigenem Nutzen machen würden – ich würde es machen, z. B. …
– Lager, Rechnungswesen etc.
—-> der jeweilige Bauer des Gerätes kümmert entweder sich selbst darum , oder beauftragt Euch dafür
– Fahrtkosten, Miete, Lebenshaltung etc.
—-> insofern sie mit der Erbringung der Unterstützungsleistung zusammenhängen, der Bauer des Gerätes
Klar ist das kein ausgegorenes wirtschaftliches Konzept und sowieso ist es in keinem Fall ein Business Case, was sich auf Anhieb rechnen würde. Es sollte auch nicht sein. Es zielt nicht auf Wirtschaftlichkeit eines kapitalistischen Unternehmens im klassischen Sinne, sondern auf Kooperation und ein vollkommen anderes Denken vieler Menschen, die ihren Herz verspüren und die Verbindung zur Quelle und dafür arbeiten wollen, dass es dies auch passiert, mit der Bewusstwerdung … Ich weiß, dass Du es weißt, was ich damit meine …“
Nach einer etwas längeren Pause bekam ich folgende Antwort:
„Lieber Cristian
danke für deine sehr wortreiche Antwort.
Leider bin ich zur Zeit so stark eingebunden dass ich nicht so umfangreich antworten kann.
Habe aber Deine Anregungen an die Kollegen weitergegeben.
Sei herzlichst gegrüßt …“
Bin seitdem weiterhin sehr gespannt, ob und was meine Anregungen bewirken werden …
09.11.2014 / Das Feindbild des letzten Jahrhunderts…
November 9, 2014
Seit 1989 wird mit großer Selbstverständlichkeit über den „Kollaps des Kommunismus“ gesprochen, geschrieben, berichtet, bewertet und verurteilt. Mit dem „Kommunismus“, der 1989 kollabierte, sind im Allgemeinen die „sozialistische“ Staaten gemeint, die nach dem 2. Weltkrieg, unter dem Machtdruck der stalinistischen Sowjetunion, sich im sogenannten „Ost-Block“ gruppierten, sich mit dem „Westen“, unter der Führung der U.S.A., einen harten Macht und wirtschaftlichen Konkurrenzkampf ablieferten und diesen Kampf 1989 endgültig „verloren“ haben.
Die Fragen, die ich in diesem Kontext stelle, sind:
– Ist die Gesellschaftsform, die 1989 kollabierte, tatsächlich „Kommunismus“ gewesen?
– Ist das, was in den „Ost-Block“ und weitere „kommunistischen“ Staaten gelebt wurde (und zum Teil noch behauptet wird, dass es gelebt wird), ein gemeinsames Leben von Menschen die sich gegenseitig als gleichwertig betrachten gewesen?
– Ist die Weltanschauung/die soziale Philosophie, die Marx ursprünglich entwickelt hatte (nicht wie sie, nach Lenins „Überarbeitung“, in den Ost-Block Staaten „implementiert“ wurde), überhaupt in ihren Grundprinzipien geeignet die Entwicklung des Menschen in Richtung eines bewussten gemeinsamen Lebens zu fördern?
Entsprechend dem, was ich persönlich erlebt habe, ist meine aktuelle Ansicht, dass es bisher ein bewusst gemeinsames Leben der Menschen in unserer dokumentierten Geschichtsschreibung auf Völkerebene noch niemals gegeben hat. Aus diesem Grund erstaunt mich immer wieder, dass es in der heutigen Zeit, die unter anderen auch eine der sozialen Aufklärung sein sollte, jedes Mal wenn ich die Gleichwertigkeit der (aller) Lebewesen erwähne und damit implizit auch die Gleichwertigkeit der Menschen unter sich, mir fast automatisch mit „Kommunismus“ gegenargumentiert wird. Das Totschlagargument ist meist: „Das ist Kommunismus, was du beschreibst – das haben wir bereits erlebt und es ist bewiesen, dass es nicht funktioniert! Die Menschen sind nicht gleich! Wir wollen nicht alle in gleicher Uniform rumlaufen und von oben rumkommandiert werden. Niemand soll mir sagen was ich zu denken und zu tun oder zu lassen habe – ich möchte frei leben!“. In diesen Momenten verschlägt es mir die Sprache, denn ich kann es einfach nicht fassen, dass es heute nach wie vor ein Missverständnis zwischen „gleich“ und „gleichwertig“ gibt, das solche, für mich organisch nachvollziehbare, Abwehr- und Ablehnungs-Reaktionen hervorruft.
Klar sind wir Menschen nicht alle gleich, sondern jeder von uns ist einmalig und einzigartig – jedoch sind wir alle gleichzeitig auch gleichwertig in unserer jeweiligen Einzigartigkeit. Gleichwertig zu sein bedeutet, dass keiner von uns, in seiner Einzigartigkeit, mehr oder weniger Wert im Vergleich mit einem anderen Menschen, gar mit einem anderen Lebewesen, sein kann. Wir alle sind einmalige und einzigartige Puzzle-Teile, die gemeinsam ein großes Bild ergeben – das Bild des Lebens!
Allerdings, was mir noch nicht klar ist, ist was das mit dem im Totschlagargument genannten „Kommunismus“ zu tun hat? Denn damit, darüber bin ich mir mittlerweile sicher, ist das in 1989 unter dem Namen „Kommunismus“ kollabierte Sozialsystem des Ost-Blocks gemeint. Nach meinem Empfinden hat Kommunismus an sich, so wie er prinzipiell vom Marx beschrieben wurde, dass er funktionieren sollte, noch nie in der neuzeitlichen menschlichen Geschichte stattgefunden – denn das, was in den sogenannten „sozialistischen“ Staaten passiert ist (und ich persönlich muss es wissen, denn ich habe es im Rumänien am eigenen Leibe erfahren dürfen), war in erste Linie nur die Umsetzung des letzten und umstrittensten Absatzes der Ur-Version des MarxEngel’schen „Manifest der Kommunistischen Partei“ gewesen – der gewaltsame Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsformen (Passus der 1872 sogar selbst von den Autoren als bereits als „veraltet“ und nicht mehr zeitgemäß betrachtet wurde). Dieser meines Erachtens unglücklicherweise erfolgte politischer Umsturz hatte jedoch vor, als verstecktes Ziel, zu Gute eines kleinen Kreises von selbsternannten privilegierten Parteiaktivisten, die sich anschickten das Schicksal eines ganzen Volkes mit psychischer und physischer Gewalt zu diktieren, nur ein Abklatsch des marktwirtschaftlichen Kapitalismus in der Welt hervorzubringen.
Die Klassenfreie-Gesellschaft – die in ihrer europäischen Ur-Form bereits vor ca. 7000 Jahren als die „Donauzivilisation“ mittlerweile archäologisch bewiesen ist – hat in meiner Erfahrung des selbst erlebten „Kommunismus“ noch nie existiert und war auch nicht wirklich Absicht der so installierten Diktatur. Auch in den „sozialistischen“ Staaten gab es eine klare Klassen-Gesellschaft: die, die sich die Macht erschlichen hatten und das Geschehen diktierten, mit dem Zweck materieller Reichtum für sich ansammeln zu können, und die, die nicht an der Macht waren, nichts zu sagen hatten oder dürften und von dem leben mussten, das vom Tisch der Machthabern herunterfiel – und das war gerade so viel um das Sicherheitsbedürfnis der „Arbeiterklasse“ zu befriedigen und das unzufriedene Knurren zu mildern.
Auch Demokratie habe ich in den Jahren nicht erlebt. Denn es war vom vornherein völlig klar und unveränderbar, was „gut“ zu denken und zu tun war und was nicht. Zu wählen gab es nichts, denn es ist alles vorgegeben gewesen und es wurde streng darauf geachtet, dass alle den „guten Weg“ auch gehen, auch wenn dieser für die „Arbeiterklasse“ keinen Sinn machte. Eigentlich nicht viel anders als heute in der „westlichen Welt“ – damals und heute diktiert nach wie vor das Geld wie die „Demokratie“ funktioniert: Wer Geld hat (wie auch immer besorgt) kommt an die Macht. Und genau so war es auch in den „sozialistischen“ Staaten: wer gute „Beziehungen“ hatte (denn Geld spielte angeblich keine Rolle, auch wenn alles nur wegen des Geldes verkauft und verraten wurde), kam „natürlicherweise“ auch an Macht, Ruhm und noch mehr Reichtum.
Der 5-jahres Plan und seine bis zum Kollaps unsinnige Dursetzung, ist der beste Beweis, dass das einzige, das dieses (als „kommunistisch“ abgetanes) System im Sinne hatte, die Machtergreifung für eine „andere Elite“ als die des etablierten Kapitalismus war und zwar in allen Bereichen und vor allem im wirtschaftlichen Sinne – Profit war nach wie vor das ultimative Ziel des „sozialistischen“ Systems, der Mensch war (wie auch damals und heute in der kapitalistische Marktwirtschaft) nur als Ressource zum Verbrauchen angesehen. Das „sozialistische“ Land trat als schlecht geführtes Wirtschaftskonzern auf dem kapitalistischen Markt auf und versuchte durch die totale Ausbeutung eines Volkes Reichtümer und Ruhm für eine kleine Elite zu erwirtschaften. Das Gemeinwohl – das heißt das Wohl des einen jeden Menschen – wurde, auf der ersten Seiten einer Ideologie der Selbstbereicherung, den Menschen nur als Köder hingehalten. Die Inhalte der Propaganda waren vielleicht anders formuliert, der Zweck jedoch der gleiche wir der der heutigen Werbespots: „Tu das, was die an der Macht dir sagen; und du wirst dafür belohnt.“ Heute ist die psychische Manipulation jedoch viel raffinierter und hinterlistiger geworden, denn „wir sind doch nicht blöd“, oder?
Warum taten sie das, die Menschen die dies taten? Ich weiß nicht, ob Lenin in seiner eigenwilligen Interpretation der marxistischen Ideen bewusst oder unbewusst zur Schädigung des Allgemeinwohls gehandelt hat oder handeln wollte. Diejenige jedoch, die in den Ost-Block Staaten die „marxistisch-leninistisch-stalinistische sozialistische“ Lehre über das Wohl der „Arbeiterklasse“ propagierten und mit Gewalt umsetzten, hatten meines Erachtens nichts anders im Sinn als das eigene Wohl. In keinem Fall war das Ziel das Wohl der Menschen im Allgemeinen und das Wohl des Lebens an sich. Zumindest ist dies ihrem Handeln, sowie in den Folgen dessen für das Wohl der Allgemeinheit, klar zu entnehmen. Das Traurige und offensichtlich Unvermeidliche dabei ist, dass die Menschen (ich auch) bereit sind sich für eine vermeintliche „materielle Sicherheit“ freiwillig dieser Täuschung eine zu lange Zeit hinzugeben, hier im Sinne eines sich Aufgebens, sich Beugens, sich Unterwerfens. Allerdings, aus meiner heutigen perspektive, eigentlich nicht anders als in der heutigen kapitalistischen Marktwirtschaft. Oder?
Die Sicherheit für das tägliche Brot und Obdach zwingt auch uns, hier und heute, meist das zu tun, was wir ansonsten, wären wir tatsächlich frei, nicht tun würden: Uns freiwillig anderen Menschen zu verkaufen. Wir empfinden es mittlerweile auch als „normal“ und „berechtigt“ uns deswegen etwas aus dem so erwirtschafteten „Lebensunterhalt“ zu „gönnen“ und haben gelernt die Vorteile und Folgen des Egoismus und der Rücksichtslosigkeit als „verdiente Anerkennung“ auf der materiellen Rangskala zu genießen. Es macht sich in der Tat „bezahlt“ die Regeln des kapitalistischen Markts akribisch zu befolgen oder gar mit „Schlauheit“ zu hintergehen – die Menschen, die darin ihren Weg suchen, können mit großem Reichtum und fast unbegrenzten Privilegien rechnen. Genau so wie früher in den „sozialistischen“ Staaten des kollabierten „Ost-Blocks“. Damals wie heute bedenken wir Menschen noch nicht wirklich, auf wessen Kosten und mit welcher Berechtigung wir uns selbst das weg-nehmen, was wir meinen uns „verdient“ zu haben …
Interessant ist in diesem Kontext, wie Marx eigentlich den Kommunismus definiert hatte, bevor er zu dem Entschluss kam, dass er nur „durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsformen“ zu erreichen wäre und damit ihn vor der Welt der Intellektuellen, die sich gerne an Worte festgreifen und jeglichem Versuch einer tieferen Betrachtung der dahinter stehenden Absicht verweigern, definitiv „kompromittierte“? Dabei ist auch zu bedenken, dass durch die Verwendung von Gewalt auch jeglicher Dialog und dadurch auch eine mögliche soziale Weiterentwicklung des menschlichen Spezies unmöglich gemacht werden und, dass mit den „Ost-Block“-Staaten dieses in der Tat auch nachdrücklich bewiesen wurde.
1844 beschrieb Marx ( hier meine persönliche Interpretation der Marx‘sche „Ökonomische und Philosophische Manuskripte“) drei evolutive Phasen des Kommunismus:
– der „roh“ Kommunismus – hauptsächlich beeinflusst durch die (noch unterentwickelte) Sicht auf das „privat Eigentum“ und den dadurch hervorgerufenen Neid, den die Menschen empfinden, die materiell weniger als andere zu „haben“ meinen und sich wünschen, dass alle nur ein vordefiniertes „Gleiche“ haben sollen, ungeachtet des tatsächlichen Bedarfs des Lebens im Sinne einer Weiterentwicklung. Das Kommune besteht nur aus Arbeit(er) für gleiche Löhne, die aus dem kommunalen Kapital bezahlt werden sollen, während das Kommune gleichwohl zum universalen Kapitalist wird. Der erwünschte soziale und wirtschaftliche Umkehr ist unter diesen Umständen nur durch Gewalt möglich und mündet in eine alternativlose Gesellschaftsform, die von dem Bild des Menschen als „roher Arbeiter“ dominiert wird.
– der politische Kommunismus – charakterisiert durch den Versuch den gleichen sozial-wirtschaftlichen Umkehr des privaten Eigentums zum kommunalen Eigentum, diesmal durch politisch-demokratische oder despotische Prozesse, die jedoch den Menschen nach wie vor als „Arbeiter“, der seine Arbeitskraft einem anderen verkaufen muss, betrachten und auf seinem dadurch entstehenden Privateigentum basieren. Laut Marx hat der Mensch in dieser Phase das Konzept seiner notwendigen Reintegration mit und in der Natur prinzipiell verstanden (die Evolution von der roher Gewalt zum politischen Prozess), jedoch dessen Essenz noch nicht wirklich begriffen (er begreift seine Einzigartigkeit immer noch als Kapital (Eigentum), die ihm nur die Teilnahme an das Marktgeschehen ermöglicht (Kreditwürdigkeit) und begreift sich noch nicht als integraler Bestandteil (Mensch) eines größeren Bildes des Lebens).
– Kommunismus an sich – ist die Abschaffung der eigenen Verfremdung des Menschen durch die definitive Auflösung des Antagonismus zwischen Mensch und Mensch sowie zwischen Mensch und Natur und sogleich zwischen Freiheit und Bedarf sowie Individuum und Spezies. In dieser Phase ist der Mensch sich als integraler Bestandteil der Natur bewusst und basiert bewusst sein Handeln auf Kooperation statt Konkurrenz, in Rücksicht und Respekt für alles Leben. Er begreift seine Einzigartigkeit als Potential, Gabe und Aufgabe im großen Bild des Lebens und transzendiert dadurch auch die Bedeutung des Privateigentums vom Wirtschaftlichen (kein Kapital mehr) zum Sozialen (Potential zur bewussten Synergie).
Allerdings, dem gleichen Marx war der Weg zum Erklimmen dieser Evolutionsstufen noch nicht wirklich klar. Hannah Arendt schreibt dazu:
„Das alles löst nicht den eklatanten Widerspruch, der darin besteht, dass Marx in allen Stadien seines Denkens davon ausgeht, den Menschen als ein Animal laborans zu definieren, um dann dies arbeitende Lebewesen in eine ideale Gesellschaftsordnung zu führen, in der gerade sein größtes und menschliches Vermögen brach liegen würde. Ungeachtet seiner Größe endet das Marx’sche Werk schließlich mit einer unerträglichen Alternative zwischen produktiver Knechtschaft und unproduktiver Freiheit.“
(Hannah Arendt / Vita activa – Kap. 14)
“Hundert Jahre nach Marx wissen wir um den Trugschluss dieses Arguments [… dass Freizeit schließlich den Menschen von der Notwendigkeit befreien und das Animal laborans produktiv machen würde …] nur zu gut Bescheid; die überschüssige Zeit des Animal laborans wird niemals für etwas anderes verbraucht als Konsumieren, und je mehr Zeit ihm gelassen wird, desto begehrlicher und bedrohlicher werden seine Wünsche und sein Appetit.“
(Hannah Arendt / Vita activa – Kap. 17)
Für mich persönlich ist die Marx’sche Qualifikation des Menschen als „Animal laborans“ ( „der fürs Überleben arbeitende Mensch“ als Vorstufe der Evolution zum Homo faber („der (er-)schaffende Mensch“ – siehe zu diesem Thema auch Hannah Arendt/“Vita activa“) und die Definition überhaupt einer „Arbeiterklasse“, eines „Proletariats“, bereits der Grund warum der Marx’sche „Kommunismus“ nicht funktionieren konnte. Durch diese Definition wird implizit vorausgesetzt und bestätigt, dass die Menschen nicht alle gleichwertig wären und, dass es dadurch auch Menschen geben kann, die „berechtigterweise“ zu einer anderen „Klasse“ gehören können, die also keine „Proletarier“, sondern „Kapitalisten“ oder sonstigen selbsternannten „Eliten“ gehören können, gegen die gekämpft werden muss. Hiermit verstärkte Marx eine künstliche, nur in Gedanken existierenden egoistisch-subjektiven und von Macht und wirtschaftlichen Interessen diktierten, Trennung der Menschen in hierarchisch-antagonistischen „Klassen“, die somit zwangsläufig, um zu überleben und besser zu leben, gegen einander kämpfen müssen.
In was die Evolution des Menschen von Animal laborans zum Homo faber und die Tücken und Fallen des Weges dahin betrifft, die Hannah Arend vor mittlerweile 60 Jahren so trefflich beobachtet und dargestellt hat, wäre heute, nach meinem persönlichen Empfinden noch hinzufügen, dass mehr Freizeit alleine, ohne eine willentlich beabsichtigte Steigerung des Bewusstseinszustands, mit anderen Worten ohne die unbedingte spirituelle Weiterentwicklung, die dem Menschen das notwendige neue Denken im Bezug auf seine Rolle im großen Bild der Natur ermöglichen würde, in der Tat keinen evolutiven Fortschritt herbeiführen, sondern nur letztendlich zu seinem durch ihn selbst verursachten Untergang führen kann. Ob Marx der Notwendigkeit einer spirituellen Weiterentwicklung des Menschen sich bewusst war, entzieht sich allerdings unserer heutigen Kenntnis. Was wir aufgrund seiner Schriften vermuten können ist jedoch, dass seine Definitionen des Kommunismus einen gewissen evolutiven Fortschritt voraussetzten, bis zu dem Zeitpunkt an dem das noch Utopische zur Wirklichkeit werden könnte.
Nach wie vor ist nach meinem Empfinden sehr wichtig anzumerken, dass das, was bisher in der menschlichen Geschichtsschreibung als „Kommunismus“ bezeichnet wird, beim besten Willen nur dem Marx’schen roh-Kommunismus entsprechen würde und, dass das, was wir aktuell in der Politik erleben, nicht mehr als ein unbeholfener Versuch der „traditionell links-orientierten Parteien“ ist, sich des Marx’schen politischen Kommunismus nicht als schuldig zu erweisen. Dabei und sich völlig unbewusst in ihrer Anbetung der systemischen Zwängen des kapitalistischen Marktwirtschaftens und des „sich der Macht des Geldes sich Unterwerfens“, rückt die ehemalig dem Menschen gewidmete „Linke“ immer mehr zum „Zentrum“ des (heute bereits anachronischen) politischen Spektrums und bringt somit die Balance der (zu eng definierten) Demokratie aus der Waage zur „Rechte“.
Was während dieses (meinem Empfinden nach nicht erfolgreichen) Versuchs leider immer noch vergessen wird ist, dass das aktuelle Problem in Wahrheit ein soziales und kein wirtschaftliches ist. Ein soziales Problem das die Frage aufwirft, ob wir Menschen bereit sind über uns hinaus zu wachsen und uns zu den bewussten Lebewesen zu entwickeln, die auch fähig sind die Arbeit als eine unserer Gaben und Potentiale und nicht als einen Fluch zu begreifen. Ob wir Menschen bereit sind uns als integrale Bestandteile des Lebens zu empfinden und zu akzeptieren, und ob wir Menschen bereit sind dadurch uns gemeinsam zu entscheiden die Verantwortung für das Leben, unsere eigene und des um und mit uns Lebenden zu übernehmen. Dabei ist meiner Ansicht nach vollkommen egal, wie wir das, wie wir das erreichen wollen, letztendlich benennen – Hauptsache wir sind uns bewusst genau welche tatsächliche Absicht hinter dem jeweiligen Name steht und hüten uns diese Absicht je mit diesem Namen zu verwechseln.
12.10.2014 / Ein Werkzeug für die Zukunft: Dialog vs. Debatte
Oktober 12, 2014
Wir Menschen sind Wesen, die mit der Gabe des bewussten Daseins beschenkt worden sind. Mit „beschenkt“ meine ich, dass in dem großen universalen Entwicklungsplan, wir Menschen (anscheinend) die ersten sind, die durch die notwendig vorhandenen Lebensbedingungen sich so weiterentwickeln konnten, dass wir unser eigenes Dasein bewusst wurden und, das wichtigste, die diese Erkenntnis auch miteinander teilen können. Wir sind (soweit mir bekannt) sogleich die ersten Wesen auf diesem Planeten, die sich selbst bewusst als Spezies im Kontext des Planeten und des Universums wahrnehmen können und die, wahrscheinlich deswegen, fähig sind ein bewusstes Sozialleben zu führen. Im Unterschied zu Mitglieder anderer Spezies auf dem Planeten, weißt jeder einzelner Mensch, auch wenn er sich in erster Linie „nur“ um sich selbst zu „kümmern“ vermag, dass er unausweichlich zu der großen „Familie“ der Menschen gehört – jeder von uns weißt um uns, um die Menschheit – und erhofft sich implizit, dass, in Zeiten der Not, er sich auf seine Mit-Menschen verlassen kann.
Was wir jedoch noch nicht so genau wissen, was uns noch nicht wirklich bewusst ist das, was wir wirklich brauchen um als Spezies zu überleben. Dem großen Geschenk der Schöpfung ist nämlich auch eine implizite Aufgabe zur Aufbewahrung des Lebens und zur eigenen Weiterentwicklung inne.
Was bisher in unserer Geschichte geschah? Wir haben das Glück mit der Gabe des Bewusstseins beschenkt worden zu sein – wir sind uns bewusst, dass es uns gibt und erkennen auch unsere Möglichkeiten Entscheidungen zu treffen. Wir haben schnell gelernt aus unseren engen Ansichten uns „eigene Meinungen“ zu bilden, sie unseren Mitmenschen mitzuteilen und, wenn nötig, sie mit Gewalt gegen „die Anderen“ zu verteidigen. Von der Durchsetzung unserer so getroffenen Entscheidungen hing in der bisherigen Evolution des menschlichen Spezies tatsächlich unser Überleben ab. So haben wir bisher dem alten Evolutionsgesetz (des sich selbst unbewussten Lebens) entsprochen und bisher erfolgreich überlebt: das mächtigere Individuum, die mächtigere Familie, der mächtigere Clan, das mächtigere Volk hat seine Umgebung nach seinem Wunsch und Willen umgestaltet und ausgenützt und über das Leben und Tod in seinem Lebensraum bestimmt.
Das hat tausende von Jahren gut funktioniert. Vor allem, weil die „Welt“ anfänglich unendlich zu sein schien und wir, die Menschen, noch so wenige waren. Mittlerweile sind wir Menschen jedoch nicht mehr so wenige, sondern, wenn wir darauf bestehen weiterhin so zu leben wie bisher, sind wir bereits viel mehr Menschen als unser Planet ernähren könnte. Wir wissen darum, denn wir sind uns bewusst was wir tun. Und wir sind uns auch bewusst (oder zumindest sein müssten), dass wir, die Menschen, in unserer Lebensweise etwas verändern müssen, wenn wir weiterhin überleben wollen. Zurzeit versuchen wir in der Tat etwas zu unternehmen um dieser Gefahr zu entgehen – da wir miteinander bewusst kommunizieren können und „vernünftige Wesen“ sind (oder uns dafür halten), versuchen wir seit mehr als ein Jahrhundert miteinander zu reden. Unglücklicherweise versuchen wir dies immer noch nach der alten „Meinungen“-Methode – jeder von uns versucht die „Anderen“ über seine „Wahrheit“ zu überzeugen und möchte nicht einsehen, dass wir alle in einem ziemlich kleinen und zerbrechlichen Boot gemeinsam sitzen. Beschäftigt mit der „Verteidigung“ der eigenen „Wahrheit“ übersehen wir, dass die einzelne „Meinungen“, wie „Wahr“ sie subjektiv auch sein mögen, überhaupt keine Rolle mehr spielen, wenn das Boot, während der nutzlosen „Rechthaben-Debatte“, eher früher als später, mit uns allen sinken wird!
Dabei gibt es bereits eine Lösung für unser Kommunikationsproblem – eine Lösung die wir seit unseren menschlichen Anfängen kennen, die uns im Blut steckt und, bevor wir das „Recht- und Machthaben“ als Lebensweise wählten, stets erfolgreich praktizierten – damit ist der Dialog gemeint. Damit haben sich im letzten Jahrhundert besondere Mitglieder unseres Spezies sehr intensiv beschäftigt und für uns alle verständlich erklärt, wie unsere gemeinsame Kommunikation funktionieren muss, wenn wir alle als Spezies überleben wollen. Nach dem Lesen der Werke von Martin Buber, David Bohm und Erich Fromm finde ich es sehr schwierig (auch es wenn sehr herausfordernd wäre) überhaupt etwas über den Dialog zu schreiben, das eine würdige Zusammenfassung wäre. Das ist in keinem Fall die Absicht, die hinter diesem Blogbeitrag steht. Für mehr Informationen kann ich dem/r interessierten LeserIn meines Blogs nur das intensive Selbststudium des Themas empfehlen. Meine Absicht ist allerdings, mit den nächsten Zeilen, mein eigenes Empfinden im Bezug auf den Dialog, als eine für die Menschheit und unser Leben heilende Form der Kommunikation, darzustellen.
Was ist Kommunikation? Laut Wikipedia ist Kommunikation (lat. communicatio, ‚Mitteilung‘) der Austausch oder die Übertragung von Informationen. „Information“ ist in diesem Zusammenhang eine zusammenfassende Bezeichnung für Wissen, Erkenntnis oder Erfahrung. Mit „Austausch“ ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen gemeint. Die Stammwortwurzel „communi“ zeigt außerdem, dass es sich bei der Kommunikation an sich prinzipiell um die Absicht des Erreichens eines gemeinsamen Wissensstandes handelt. Mit anderen Worten übersetzt: etwas gemeinsam betrachten/besprechen.
Als ersten ist es mir wichtig den Unterschied zwischen der uns allen sehr bekannten Form der Kommunikation, der Debatte, und der „neuen-alten“ Form, den Dialog, aufzuzeigen. Vor allem sind, nach meiner Ansicht, die grundlegenden Prinzipien, die an der Basis dieser zwei Kommunikationsarten stehen, sehr unterschiedlich:
– das Prinzip der Debatte (dt. auch Diskussion), die als „Streitgespräch“ definiert wird, verlangt, dass zwischen den Ansichten über die gesprochen (debattiert) wird eine Auswahl getroffen wird – d. h. eine der Ansichten, und zwar die, die am besten mit „Argumenten“ belegt bzw. „gerechtfertigt“ wird und somit „überzeugt“, wird als die bevorzugte bzw. „richtige“ „Lösung“ angesehen und ausgewählt. Die andere, meist als Gegenansicht betrachtete Ansicht, wird meist als „unrichtig“ abgetan und verworfen oder ignoriert. Damit werden absichtlich Teile der betrachtete „Wirklichkeit“ oder „Wahrheit“ als nicht maßgebend für die zu treffende Entscheidung disqualifiziert. Der „Erfolg“ in einer Debatte hängt damit eher mit der subjektiv empfundenen „Überzeugungskraft“ der involvierten Debattierenden und implizit mit deren persönlichen Interessen zusammen und weniger mit den Tatsachen über die debattiert wird und den Interessen der Gemeinschaft, die von der zu treffenden Entscheidung unmittelbar betroffen wird.
– als Alternative empfehlt das Prinzip des Dialogs, dass ALLE Tatsachen und Ansichten zur besprochenen Situation als gleichwertig betrachtet werden und zur Bildung eines gemeinsames Wissensstandes der Dialogierenden hinzugezogen werden. Aufgrund des gemeinsames Wissensstandes wird dann von allen Dialogierenden gemeinsam eine Entscheidung gesucht, die am meisten der Interessen deren Gemeinschaft dient (und nicht nur der Interessen eine überzeugenden oder machthaberische Minderheit entspricht). Der Dialog ist an sich ein schöpferischer Prozess der dadurch entsteht, dass Menschen sich im Vertrauen auf einander einlassen, sich als gleichwertig betrachten, bereit sind sich gegenseitig wertschätzend zuzuhören und gemeinsam nach eine Lösung für alle zu suchen.
Es klingt einleuchtend, nicht wahr? Es wäre zu erwarten, dass allen Menschen, die von dem Dialog erfahren, sehr gelegen sein müsste, in dieser Art und Weise Lösungen zu finden, die gleichsam für alle gut sind. Leider zeigt meine bisherige Erfahrung, dass wir Menschen, in unserer Mehrheit, „Dialog-resistent“ sind – das will bedeuten, dass wir uns nicht gerne auf einen wahren Dialogprozess einlassen würden und, dass dafür eine bewusste Entscheidung getroffen werden muss, die den meisten von uns nicht leicht fällt. Ich habe beobachtet, auch wenn die Theorie des Dialogs sehr überzeugend ist, dass wir, die Menschen von heute, bei deren Umsetzung mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Die größte davon ist, meinem Empfinden nach, uns auf den ungewissen Ausgang eines Dialogs einzulassen, im Vertrauen, dass er auch für uns „gut“ sein wird. Ich persönlich vermute, dass diese Schwierigkeit entspringt der Unsicherheit die damit verbunden ist, dass wir Angst haben, dass in der Lösung, die ein Dialogprozess letztendlich herbeiführen würde, unsere eigenen Interessen nicht gemäß unserer als „berechtigt“ betrachteten Erwartungen berücksichtigt werden.
Diese Angst ist in der Tat berechtigt, denn der Dialogprozess zielt auf eine Lösungsfindung, die die Gemeinschaft der Dialogierenden in Vordergrund stellt. Der Dialogprozess baut darauf auf, dass jeder Mitglied dieser Gemeinschaft bereit ist, auf Basis der gemeinsam geteilten Erfahrungen und Wissen, die eigene Ansichten, Anforderungen und Erwartungen zu revidieren (noch mal betrachten) und eventuell so anzupassen, dass eine gemeinsame, gemeinschaftliche Lösung gefunden werden kann. Außerdem, wenn der Dialogprozess nicht zu einer Lösungsfindung führt, die von allen Dialogierenden als erfüllend empfunden wird, bedeutet es nur, dass offensichtlich noch Erfahrungs- und Wissensbedarf besteht und nicht, dass eine Entscheidung aufgrund einer „Mehrheit“ getroffen werden wird.
Das bedeutet mit anderen Worten, dass, wenn ich mich auf einen Dialogprozess einlasse, dann muss ich darauf vertrauen, dass das Ergebnis der Lösungsfindung auch meine Bedürfnisse erfüllen wird, auch wenn ich nicht genau wissen kann wie das Ergebnis am Ende des Dialogs (der manchmal ein längerer Prozess sein kann) tatsächlich aussehen wird.
Das „uns einlassen und loslassen“ haben wir seit tausenden von Jahren nicht mehr wirklich geübt und damit wieder anzufangen erfordert Mut und Vertrauen in unseren Mitmenschen. Das erfordert, dass wir bereit sind unser Bewusstseinszustand von „ich“ zum „wir“ zu erhöhen. Das erfordert, dass „ich“ meine übermäßigen „haben“-Ansprüche los lassen muss und mir dem hohen Wert des gemeinschaftlichen Seins alles Lebens bewusst werde. Es erfordert, dass „ich“ mich, als einzigartiges Individuum, jedoch auch als unzertrennlicher Teil eines „wir“ empfinde und bereit bin den Wert und die Wichtigkeit der Einzigartigkeit eines jeden anderen Individuum für die Gemeinschaft anzuerkennen.
Der Dialogprozess setzt meiner Erfahrung nach voraus, dass wir uns gegenseitig mit aller Empathie und Aufmerksamkeit erst mal zuhören – das bedeutet ohne dazwischen zu fragen, anzumerken, gegen zu reden, zu rechtfertigen, zu argumentieren, die eigen dargestellte Meinung zu verteidigen, zum eigenen Ziel unbedingt ankommen zu wollen … Der Dialog bedeutet, zumindest in meiner Empfindung, alle in einer Gemeinschaft vorhandenen Ansichten gleichwertig zu integrieren, alle als „Kernthemen“ betrachtend, mit dem gemeinsamen Ziel tatsächlich das herauszufinden, was gemeinsam ist. Der Dialog setzt, in meiner Ansicht, nicht unbedingt einen vollkommenen Konsens voraus, sondern lebt sogar davon, dass es unterschiedliche Ansichten gibt, die so auch die Möglichkeit eröffnen einen Tunnelblick zu vermeiden und das Themengebiet, umfassend zu betrachten. Der Dialogprozess eröffnet jedoch den Weg auf dem ein wahrer Konsens erreicht werden kann, wenn alle dazugehörenden Ansichten in diesem Konsens wertschätzend integriert wurden.
Die wichtigste Haltung im Dialogprozess ist für mich das Zuhören: Es impliziert einen großen Maß an Empathie und Bereitschaft dem jeweiligen Redner die ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen. Es impliziert bewusst zu versuchen das, was der Mensch, der redet, versucht zu kommunizieren, empathisch auf _allen Ebenen_ aufzunehmen. Dabei ist ein Zeichen großen Respekts zu akzeptieren, dass vielleicht manche von uns großen Rede- und Mitteilungsbedarf haben, dass viele von uns ihre eigenen Ansichten endlich mal mitteilen möchten und dass alle Menschen erwarten beachtet zu werden. Das gerade wenn es darum geht sich über das eigene und gemeinsame WOHL auszutauschen.
Das Zuhören impliziert für mich außerdem, dass ich nicht gleichzeitig anfange meine Frage, Antwort und/oder Widerrede zu formulieren, bevor ich nicht an der Reihe bin zu sprechen – denn, wenn ich das tue, dann kann ich unmöglich gleichzeitig auch zuhören und das, was ich dann erwidere, kann unmöglich dem was tatsächlich gesagt wurde eine Antwort geben. Warte ich stattdessen in Ruhe ab und höre aufmerksam zu, was alle andere zu sagen haben und aus ihrem Herzen mitteilen möchten, dann lerne ich diese Menschen wirklich kennen und erweitere dazu meinen Blickwinken mit deren Sichtweisen. Es ist dann durchaus möglich, dass ich, wenn ich an der Reihe bin zu reden, keine Fragen oder Widerreden mehr habe, da ich die Antworten und die Erklärungen bereits erfahren habe, oder weil meine Ansicht mittlerweile sich so geändert hat, dass ich nichts mehr hinzufügen brauche.
In einem Dialog ergänzen wir uns gegenseitig und das Gefühl Anteil eines größeren Eins zu sein ist spürbar vorhanden – eine Diskussion/Debatte trennt uns von einander und lässt uns alleine/in kleineren Gruppen zu individuellen (Ich/Gruppen)Zielen streben, die letztendlich uns auch von einem gemeinsamen Ziel als Menschheit entfernen und unser Überleben gefährden. Das Zuhören und der Dialog sind für mich eine Lebens-Haltung die ich persönlich für unbedingt notwendig auf dem Weg zu einem gemeinsames Wohl allen Lebens empfinde. Vielleicht können wir gemeinsam, im Dialog, eine Lösung für unser Spezies-Boot-Problem finden und werden dadurch nicht untergehen müssen …
31.08.2014 / Lebensunterhalt, Arbeit und die Produktion von Gütern
August 31, 2014
Es erscheint mir als sehr wichtig, dass der Lebensunterhalt – also das, was ein Mensch für ein würdiges Leben in materieller Freiheit benötigt und auch um zu leben verbrauchen muss, die Arbeit – bedeutend das, was ein Mensch für sich, seinen Gaben und Fähigkeiten entsprechend, als schöpferisch-erfüllende Tätigkeit empfindet und aus freien Zügen ausführen möchte, und schließlich die Produktion von Gütern an sich, bewusst von einander so abgekoppelt werden müssten, dass die inhärenten gegenseitigen Abhängigkeiten wieder im Einklang mit der Natur und mit einer nachhaltigen Lebensweise kompatibel werden.
Was ich damit meine ist folgendes:
– In dem heutigen sozialen und wirtschaftlichen Gefüge „arbeiten“ fast alle Menschen vor allem in der „Produktion“ von (Konsum)-Gütern, denn sogar die Lebensmittel sind mittlerweile zu künstlich konzipierten und hergestellten „Produkten“ geworden, die in einem hart umkämpften Markt mit einander konkurrierend verkauft werden. Die Menschen (d.h. die meisten von uns) „arbeiten“ um ihr „Lebensunterhalt zu verdienen“ – ein Geldbetrag zu bekommen, der ihnen ermöglichen soll, die Menge der (Konsum-) und notwendigen Gütern zu „kaufen“, die ihnen das „Leben“ (wie es heute von den meisten Menschen definiert wird) „leichter machen“. Die privilegierten unter uns tun das zusätzlich auch um ein „Einkommen“ zu erzielen, das ihnen den (Kauf)Zugang zu den (Konsum)Gütern ermöglicht, die sie(wir) glauben zu brauchen um „dazu zu gehören“, „Spaß“ zu haben und letztendlich „glücklich“ zu sein.
– Als „erfolgreiche“ Menschen werden die Menschen angesehen, die ein sehr hohes „Einkommen“ erzielen und die sich nicht nur die lebensnotwendigen Gütern „leisten“ und sich „Spaß gönnen“ können und zwar in der besten Qualität, sondern die sich vor allem sehr viele Konsum-Gütern anschaffen können – je kostspieliger und überflüssiger die angeschafften Konsum-Gütern, die „besitzt“ werden, als desto „erfolg-reicher“ und vor allem „einfluss-reicher“ wird ein Mensch angesehen.
– Das erzeugt jedoch, nach meinem Empfinden, folgendes systemisches Problem: wenn der Mensch sich nur dann in „wirtschaftlicher Sicherheit“ wähnen kann, wenn er viel von irgendetwas, egal was, „produziert“ und dieses irgendetwas sich auch „gut verkaufen“ lässt – das bedeutet: Wenn schließlich nur das „Verkaufen“ von irgendetwas sein Lebensunterhalt in Form vom Einkommen sichert – dann wird dieser Mensch (und dieser Mensch sind wir alle) automatisch (d.h. unbewusst) dazu tendieren immer mehr von diesem lebensunterhaltsichernden Irgendetwas zu produzieren, als es tatsächlich (wenn überhaupt) gebraucht wird. Nach meinem Gefühl (und nicht nur nach meinem) wird dieses (unser) Verhalten, wegen dem dadurch unvermeidlich herbeigeführten Öko-Kollaps, letztendlich zu seinem (unseren) eigenen Untergang führen.
Es gibt allerdings auch andere Möglichkeiten, die heute vielleicht undenkbar erscheinen. Aber genau das brauchen wir Menschen – den Mut uns in eine Wirklichkeit hinein zu denken, die heute nur als schönen Traum erscheint, deren Verwirklichung, wortwörtlich in der Tat , in unserer Hand liegt.
In meinem Empfinden wäre es gesunder für alle wenn der Lebensunterhalt, die Arbeit und das Erwirtschaften von Gütern anders mit einander gekoppelt sein würden:
– Menschen sollten hauptsächlich NUR das produzieren, was für ein Leben ALLER Menschen auf der ERDE im Einklang mit der Natur und miteinander tatsächlich notwendig ist – d.h. nur sehr wenige bis gar keine „Konsum-Güter“, sondern primär tatsächlich gebrauchte Lebens-Mittel und lebensnotwendigen Infrastrukturen (Nahrung, Kleidung, Obdach, Transport, Kommunikation). Das am besten und soweit wie möglich auf lokaler Basis, in möglich autonomer Selbstversorgungseinheiten, die sich jedoch an sich als ein weltumspannendes Lebens-Versorgungsnetz empfinden und auch als ein solches die gemeinsamen Ressourcen im Einklang mit der Natur und zum Wohle aller Wesen bewirtschaften.
– Alle lebensnotwendige Güter (damit meine ich das, was ein Mensch tatsächlich fürs Leben braucht und keine Konsumgüter) sollten einem jeden Menschen als sein Grundrecht zur Verfügung gestellt werden – bedingungsloser Lebensunterhalt. Ich nenne dieses Grundrecht hier mit Absicht nicht „bedingungsloses Grundeinkommen“, denn ich sehe die Notwendigkeit eines „Einkommens“ – also, eines GELD-Betrages, der das „Kaufen“ der lebensnotwendigen Mitteln ermöglichen soll – nicht wirklich. In meinem Empfinden muss ein Mensch kein „Einkommen“ haben um leben zu dürfen, sondern der Mensch hat, wie jedes andere Wesen, als Lebewesen ein Geburtsrecht auf den Anteil der gemeinsamen Ressourcen, der sein würdiges Überleben sichert. Dafür muss sich der Mensch jedoch bewusst in den Kreislauf der Natur wieder einfinden – das bedeutet, dass auch der Mensch sollte sich auf der ERDE nur so „lang machen“ wie die gemeinsame „Decke“ es erlaubt und zwar so, dass alle anderen Lebewesen, von denen schließlich auch das eigene Überleben der Menschen abhängt, auch überleben können.
– Das Erwirtschaften der für Menschen lebensnotwendigen Gütern soll anhand von Erhebungen des tatsächlichen Bedarfs der Gemeinschaften lokal, national und weltweit, mit Hilfe von neuesten Technologien und im Einklang mit dem Kreislauf der Natur ausgeführt werden. Dabei sollten in dieser Aktivität, im Gegensatz zum heutigen Verhalten, nur so wenige Menschen wie nur möglich involviert werden müssen. Die Technologie, die das ermöglichen kann, ist bereits vorhanden – es geht vielmehr darum wie, wofür und mit welcher Absicht die Technologie eingesetzt wird.
– In dem bewussten und behutsamen Bewirtschaften der gemeinsamen Ressourcen sollen darüber hinaus vor allem die Menschen involviert werden, die diese Arbeit, von sich aus im Sinne der Gemeinschaft der Erde, auch sehr gerne machen würden – d.h. diese Arbeiten sollten auch hauptsächlich von den Menschen ausgeführt werden, die notwendigen Gaben, Fähigkeiten und die Berufung dafür verspüren sich dieser enormen Verantwortung zu stellen. Solche Menschen werden jedoch diese Aufgabe nicht alleine bewältigen können und auch nicht sollen, denn diese ist eine gemeinschaftlich Aufgabe. Die Menschen, die sich berufen fühlen, sollen von wirklich freiwillig-dienstleistenden Menschen unterstützt werden – jeder Mensch sollte die Einsicht haben, dass er seine Arbeitskraft, Fähigkeiten und Gaben eine Zeit seines Lebens (z.B. 10 Jahre zwischen dem 25. und 45. Lebensjahr) im Dienste der (Welt)Gemeinschaft freiwillig stellen muss. Das ist das freiwillige Geschenk, Teilgabe und Teilnahme an den bedingungslosen Lebensunterhalt, das auch sie selbst, im Lauf ihres ganzen Lebens, von der Gemeinschaft geschenkt bekommen haben und bekommen werden. Das wäre ein wirklich guter und nachhaltiger Sozialvertrag, nach meinem Gefühl – jeder Mensch als Teil der Gemeinschaft trägt mit seinem Wesen maßgebend bei das gemeinwohl aller zu sichern.
– Des Weiteren sollen die Unterstützer im Laufe ihres Dienstes so viele Aufgabenarten erledigen wie nur möglich, sodass sie auch unmittelbar mit den Auswirkungen der Menschenlebensweise konfrontiert werden und ihre eigene Verantwortung besser nachvollziehen können – damit sind hier vor allem die Arbeiten, die unser heutiges soziales Gefüge für „niedrig“ klassifiziert und mit den geringsten Löhne (ent)würdigt: Müllabfuhr, Müllentsorgung und -recycling, Abwasser- und Kanalisationsreinigung und Wartung, Straßenreinigung, Reinigung und Wartung von öffentlichen Sanitäranlagen und Einrichtungen sowie viele andere Arbeiten, die heute keiner von uns gerne machen würde, die jedoch für ein gesundes gemeinschaftliches Leben von grundlegender Bedeutung sind.
– Die Menschen die im Dienste der Dorf/Stadt/Gemeinde/Welt-Lebensgemeinschaft arbeiten sollen Rollen auf Zeit bekleiden, Rollen die wie Zahnräder im großen Bewirtschaftungssystem des Planeten zu verstehen sind – alle gleichwertig und gleich wichtig: nur die erfolgreiche Erfüllung aller Rollen gemeinsam kann das Leben auf dem Planeten sichern. Aus diesem Grund sind die Rollen die eine koordinative Funktion haben, nicht als „Führungsrollen“ im heutigen Sinne zu verstehen – ein Mensch der die Fähigkeit besitzt, den Überblick über die Ausführung von komplexen Aufgaben zu behalten ist den anderen Menschen, die mit ihm gemeinsam arbeiten nicht höher gestellt, sondern, im Gegenteil, seine Rolle verlangt, dass er dafür sorgt, dass alle anderen, die im Detail arbeiten müssen, effektiv und effizient im Sinne aller arbeiten können – die koordinative Funktion macht einen Menschen nicht zum besser bezahlten, privilegierten „Chef“, sondern zeichnet nur die geeignete, jedoch gleichwertige Fähigkeit aus, die im Sinne des Gemeinwohls am „richtigen Platz“ eingesetzt wird.
– Der große Vorteil dieser Vorgehensweise wäre, dass alle andere Menschen, die nicht für alle ihren Dienst leisten, oder ihre Berufung dort gefunden haben, und die durch die bedingungslose Grundversorgung tatsächlich ein sicheres und freies Leben führen können, dann die Möglichkeit haben werden sich entsprechend ihrer Gaben und Fähigkeiten in eine ihrer Berufung entsprechende Tätigkeit schöpferisch zu entfalten und somit ihr Beitrag an die Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaft zu leisten. Im welchen Bereich aus immer das passieren würde, würde die Ausübung einer Tätigkeit nicht damit belastet, dass sie etwas „produzieren“ soll, was sich „erfolgreich verkaufen“ lässt, sodass der tätige Mensch „davon leben kann“. Sie wäre viel mehr und vor allem Ausdruck der Entfaltung der eigenen Schöpferkraft eines, oder, wenn Menschen sich dafür zusammen tun, mehreren Menschen.
– Die Erfüllung der eigenen Berufung eines bewussten Wesens, eines Menschen, ist nach meinem Gefühl eine viel stärkere Antriebskraft für eine nachhaltige spirituelle und technologische Weiterentwicklung als das so hochgelobte „Marktprinzip“. Kooperation eröffnet viel mehr Möglichkeiten, Tore und Wege als die Konkurrenz jemals könnte und das aus einem einzigen wichtigen Grund: ein kooperatives Wesen hat einfach ein vielfach größeren Blickwinkel als ein konkurrierendes Wesen und kann dadurch viel mehr Chancen für wahrhaftig gutes Leben wahrnehmen und auch erkennen.
Um diese Vorgehensweise verwirklichen zu können muss, in meinem Empfinden, von einem höheren Grad des individuellen Bewusstseins vorausgegangen werden, der gleichzeitig auch eine zum bedingungslosen Lebensunterhalt zusätzliche Entlohnung (der Arbeit für die Gemeinschaft) ausschließt. Der Dienst an die Gemeinschaft zu der ein Mensch gehört – und ein Mensch gehört automatisch zu der großen Gemeinschaft der Lebewesen auf diesem Planeten – sollte nach meinem Gefühl für jedes bewusste Individuum, das heißt für jeden Menschen, eine selbstverständliche Selbstverpflichtung sein, sich als verantwortlicher Mitglied der Erdengemeinschaft zu verhalten. Dabei ist mir schmerzlich klar, dass wir, die Menschen von heute, um dieses Selbstverständnis zu erreichen, noch einige Zeit unterwegs auf unseren eigenen spirituellen Entwicklungsweg sein werden …
In diesem Sinne wäre die Hauptabsicht des schöpferisches Tätig-Seins in erster Linie das Hüten des Lebens an sich und danach die Erhaltung und sinnvolle Mehrung (d.h. mit dem, was das Leben schützt und dem Leben dient) des Gemeinwohls gleichwohl ALLER Wesen auf dem Planeten – die Nutzung von gemeinsamen und vor allem begrenzten Ressourcen wäre davon abhängig, inwiefern die so ausgeübte schöpferische Tätigkeit der Menschen dem Gemeinwohl aller Wesen auf dem Planeten tatsächlich dient.
Im Moment ist dies nur noch eine weitere mögliche Vorgehensweise, eine Alternative in ihren früheren Anfängen. Es gibt allerdings Menschen, die es bereits angefangen haben, in lokalen Projekte diese Alternative in die Wirklichkeit umzusetzen. Es sind Menschen die sich diesem neuen Denken eröffnet und Werkzeuge und Verfahrensweise des gemeinsamen schöpferischen Arbeiten entwickelt haben und diese allen anderen Menschen bedingungslos zur Verfügung stellen. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe und zwar von jedem anderen Menschen auf diesem Planeten.
Wie sie zu finden sind? Es reicht aus im Internet nach Begriffe wie Gemeinschaftsbildung, Nachhaltigkeit, partizipatorische Demokratie, Dialog, lernende Organisation, systemisches Denken, alternatives Lebensweisen, Transition, U-Prozess, Postwachstum, Gemeinwohl zu suchen. Der Rest ergibt sich dem wirklich interessierten Menschen aus dem bereits gefundenen Kontext. Ich weise hier, in meinem Blog, mit Absicht auf nichts spezielles hin – nach meinem Empfinden sollte jeder Mensch seinen Weg und Zugang bewusst selbst finden, denn nur so wird auch die notwendige Vielfältigkeit aufbewahrt, die für eine gesunde Entwicklung unseres Spezies grundlegend ist. Die bereits entwickelten Ideen sind nur Entwürfe, die eine unbelastete, unvoreingenommenen Weiterentwicklung benötigen – je mehr Menschen sich daran beteiligen, desto mehr Ansichten werden mit integriert und somit werden auch die Ergebnisse dieser Weiterentwicklung den Vorstellungen der großen Erdengemeinschaft desto mehr entsprechen.
03.08.2014 / Die Selbsterkenntnis und das (Gemein)Wohlgefühl
August 3, 2014
Der Grad des eigenen Wohlgefühls ist, in meinem Empfinden, von zwei Faktoren direkt abhängig:
– von dem Grad der Selbsterkenntnis – wie viel ich von mir selbst kenne und als tatsächlich wahrnehme,
– von der Menge an Bedürfnisse, die ich meine zu haben, und an Anforderungen, die ich an mich und an die „Außenwelt“ stelle – wie viel erwarte ich, dass ich und/oder die „Außenwelt“ erfüllen soll, sodass ich mich „wohl“ fühle und „zufrieden“ bin.
Diese zwei Faktoren sind in meiner persönlichen Wahrnehmung gegenläufig gekoppelt : Je geringe die Selbsterkenntnis, desto größer die Menge der Anforderungen die erfüllt werden müssen, um überhaupt ein „Wohlgefühl“ zu erreichen – in diesem Fall ist das „Wohlgefühl“ ein von äußeren Umständen abhängiges, stark verzerrtes und subjektiv ego-bezogenes Empfinden, das nur einen geringen, meist unzufrieden stellenden „Wert“ erreichen kann. Der Grund dafür ist, dass die Anforderungen, die als Bedingung für das Wohlgefühl gestellt werden, gerade wegen der geringen Selbsterkenntnis des Individuums im Kontext des Ganzen, niemals in dermaßen erfüllt werden können, dass „Zufriedenheit“ – hier im wahrsten Sinne des Wortes: die Befriedung mit sich selbst – erreicht werden kann.
Auf der anderen Seite, je größer die Selbsterkenntnis – das will bedeuten: je bewusste sich ein menschliches Wesen geworden IST – desto weniger werden die subjektiven „Bedürfnissen“ und damit desto geringer die Anzahl der Anforderungen die, für das Erreichen eines Wohlgefühls, erfüllt werden müssen. Das Wohlgefühl selbst bekommt durch die fortschreitende Selbsterkenntnis eine neue Definition und wird von dem bisher als „äußeren Umständen“ Betrachteten abgekoppelt. Der bewusste, sich selbst im Kontext des Ganzen erkennenden Mensch, empfindet sich, aufgrund der umfassenderen Selbsterkenntnis, zunehmend befriedet mit seinem DASEIN und erkennt auch, dass das (sein eigenes) Wohlgefühl allein aus dieser Befriedung entstehen kann.
In meinem Empfinden ist die Selbsterkenntnis eine unweigerliche Folge des Selbstbeobachtens und somit des Bewusstwerdens. Das Wohlgefühl wird aus der umfassenden Selbsterkenntnis generiert, die sich als erweiterte Wahrnehmung dessen, was tatsächlich IST, entfaltet und mit einem All-Eins-Gefühl organisch verbunden ist, das als eigene innere Weisheit empfunden wird. Mit anderen Worten: wenn ich weiß, wer ich tatsächlich BIN, dann weiß ich was ich tatsächlich brauche und so fällt es mir sehr leicht mich wohl zu fühlen, denn die tatsächliche Bedürfnisse erweisen sich sehr oft als viel geringer als die, die in dem aktuellen Sozialgefüge, unbewusst, als „normal“ vorausgesetzt werden.
Das Bewusstwerden hat eine heilsame Wirkung auf das tägliche Leben eines Menschen – nicht um sonst sind wir, die Menschen, mit der Fähigkeit beschenkt worden, uns selbst bewusst werden zu können. Durch die Selbsterkenntnis hat das menschliche ICH die Chance sich als bewusster TEIL des GANZEN zu erkennen – als integraler Teil eines umfassenderen und für das menschliche Gehirn (für den menschlichen Verstand) nicht begreifbaren Entwicklungsplan, in dem das Leben an sich die Hauptrolle spielt und nicht allein der Mensch, als einziges Spezies.
Dem Menschen ist, meiner Wahrnehmung nach, damit implizit eine Aufgabe zuteil, die kein anderes Wesen erfüllen kann: das bewusste Hüten des Lebens. Dafür ist der Mensch mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet worden, die ihm alleine in diesem Akt der Schöpfung die Möglichkeit bereitstellen, bewusst die Verantwortung für das Fortbestehen des Lebens zu übernehmen und zwar bedingungslos, in Demut und ohne eine Garantie auf Erfolg. Dafür müsste der Mensch allerdings erst den Kampf mit seinem EGO gewinnen und somit seine Energie nicht mehr sinnlos verschwenden, sondern wirklich schöpferisch verwenden: er muss seine Gaben und Fähigkeiten erkennen und sie, um das eigene wahre Wohlgefühl zu erreichen, zum WOHLE des LEBENS einsetzen.
Das bewusste Leben manifestiert sich sehr deutlich vor allem in der Art und Weise wie das vorhandene menschliche Soziale funktioniert. Ein bewusster Mensch, der sich als Teil der großen Gemeinschaft aller Wesen auf diesem Planeten fühlt und begreift, wird es als selbstverständlich empfinden, dass auch sein eigenes Wohlgefühl ein integraler Teil des Gemeinwohls aller Wesen IST und, dass er selbst sich dadurch mit dem Wohlgefühl aller anderen Wesen in einer unvermeidbaren Interaktion und Abhängigkeit befindet. Ein Mensch, der auf dem Weg der Selbsterkenntnis seine bewusste Schritte macht, wird es als organisch heilsam empfinden, für sich und die Gemeinschaft zu der er sich zugehörig fühlt, nur die Ressourcen zu verbrauchen, die er tatsächlich braucht und zwar so vorsichtig und achtsam, dass das Streben nach dem eigenen Wohlgefühl, das Wohlgefühl anderer Wesen und das Gemeinwohl nicht einengt und auch das empfindsame Gleichgewicht des Lebens nicht stört. Das gelingt ihm, weil er sich selbst und die Fallen seines Egos erkannt hat.
Was meinen Sie, die meine Worte lesen: Wie bewusst leben wir, die Menschen von heute? Und …? Sind Sie mit der Antwort, die sich selbst geben können, zufrieden ? Fühlen Sie sich damit wohl ?
29.06.2014 / Arbeit – das Ziel einer spirituell entwickelten Gesellschaft
Juni 29, 2014
Die Arbeitslosigkeit, wie sie im Sinne der Marktwirtschaft definiert ist, ist genau das Ziel einer spirituell entwickelten Gesellschaft. Denn erst wenn Menschen nicht mehr für ihr Lebensunterhalt arbeiten müssen, werden sie sich wirklich frei entfalten, sich aus der inneren Berufung ihrer selbst erwählten Arbeit widmen und als Menschheit gemeinsam schöpferisch wirken können!
Die heutige kapitalistische marktwirtschaftliche Bedingung, dass ein Mensch sich sein Lebensunterhalt im Rahmen der Marktwirtschaft verdienen muss, ist aufgrund des bereits erreichten technischen Fortschritts längst überholt. Die kapitalistische Art zu wirtschaften ist ohne Zweifel ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit und hat den technologischen Fortschritt erst ermöglicht. Der Kapitalismus hat jedoch auch massive Nebenwirkungen, die wir heute, auch Dank dem technologischen Fortschritts, zweifellos erkennen können. Nicht nur, dass das aktuelle marktwirtschaftliche Arbeitsspektrum den tatsächlich vorhandenen menschlichen Potential der Entfaltung bei weitem nicht abdecken kann, die Anzahl der nachgefragten (und somit auch bezahlten) Fähigkeiten senkt immer mehr. Die Menschen werden durch die marktorientierte Bildung immer stärker zu einer vom Markt diktierten Spezialisierung gezwungen, was insgesamt, auch wenn das auf der Schnelle nicht offensichtlich als erkennbar erscheint, in sich die Gefahr birgt, langsam aber sicher zu einer Verdummung der gesamten Menschheit zu führen. In meinem Empfinden wird der Mensch dadurch wortwörtlich Aus der Bildung heraus genommen. Aus dem einst selbstständigen, höchst erfinderischen Individuum wird ein hoch spezialisierter und entmündigter „Arbeitnehmer“, „Kunde“ und „Konsument“, der weder eine eigene Sicht der Welt hat und sich traut sie zu äußern, noch, aufgrund der bereits in den Schuljahren eingenähten Bildungs-Scheuklappen, eine eigene Ansicht und Meinung überhaupt entwickeln kann.
Das menschliche Potential ist viel komplexer als das, was in der Marktwirtschaft als profitabel verkäufliche und Rendite abwerfende „Produkte“ umgesetzt werden kann. Es ist sogar so, dass das Meiste, was Menschen können, was Menschen für Fähigkeiten und Gaben einzusetzen haben, in einem vom schnellen materiellen Profit beherrschten Markt keine „Verkaufschancen“ haben, auch wenn diese Gaben tatsächlich gebraucht werden – siehe z.B. die soziale Kompetenz, die für die Pflegearbeit zwingend notwendig ist. Diese Fähigkeit wird eingesetzt, jedoch nicht bezahlt, sondern als selbstverständlich vom „Arbeitgeber“ vorausgesetzt und ausgenutzt, solange sie die „Produktivität“ nicht in die Quere kommt. Warum? Ganz einfach: Menschlich zu sein ist marktwirtschaftlich nicht „effizient“ und senkt die „Produktivität“. Dass diese Art des Umgangs mit Menschen, für alle Beteiligten sehr frustrierend, entmutigend und sogar erniedrigend ist, ist für die Marktwirtschaft nicht von Bedeutung.
Das führt dazu, dass die meisten Menschen, um ihren geforderten Lebensunterhalt zu verdienen und somit überleben zu können, sich lebenslänglich Aktivitäten und Arbeiten bzw. Arbeitsweisen widmen müssen, die nur wenig oder gar nicht ihren Begabungen und ihrem wahren Potential entsprechen. Wegen so vielem „Lebensunterhalt verdienen“, kommen in ihrem Leben die meisten Menschen niemals wirklich dazu herauszufinden was sie wirklich können, geschweige das Herausgefundene auch umzusetzen und ihr Potential zu verwirklichen. Stellen Sie sich mal kurz vor, wie viel Potential, das sinnvoll eingesetzt werden könnte, dadurch der Menschheit, uns allen, schlichtweg verloren geht. Aber das kennen wir bereits: wir werfen auch die Hälfte dessen was wir so „effizient“ produzieren, ohne drüber nach zu denken, einfach weg.
Die hochgepriesene marktwirtschaftliche „Selbstverwirklichung durch „Selbständigkeit““ bringt in diesem Kontext auch keine Verbesserung der Lage. Die Menschen, die nicht das „Glück“ hatten einem „vermögenden Hintergrund“ zu entstammen (oder sich verschafft zu haben) und es wagen aus dem kapitalistisch-marktwirtschaftlichen Zwangssystem auszubrechen und nur das zu tun, wonach ihr Herz durstet, was sie am besten können und auch wirklich tun wollen, mit anderen Worte unabhängig von den Marktregeln das auszuleben was sie wirklich sind, sind stets mit großen materiellen Schwierigkeiten konfrontiert. Diese Schwierigkeiten zwingen sie dazu auf diesem Weg in zunehmend prekären Konditionen zu leben und hemmen ihre Entfaltungsmöglichkeiten. Wenige dieser Menschen können manchmal von den Ergebnissen ihrer schöpferischen Kraft einen ausreichenden Lebensunterhalt erwirtschaften, wenn das, was sie in die Welt setzen, auch vom Markt entsprechend gepriesen wird. Die meisten jedoch müssen irgendwann, nach wie vor, die eigene schöpferische Zeit drastisch kürzen, um vom Markt ausreichend bezahlten Jobs nachgehen zu können.
Einige Menschen, sogar sehr viele von den der einst aus dem System „ausbrechen“ wollten, geben irgendwann, wegen der lebensnotwendigen materiellen Sicherheit, sogar ihre eigenen Ansichten komplett auf. Noch schlimmer, viele passen die eigene Ansichten an die Marktanforderungen so an, dass sie zumindest sich selbst den Anschein geben können, doch das zu tun, was sie selbst „wollen“. Der Selbstbetrug ist jedoch tückisch, denn er ist sogar die Basis des allgegenwärtigen marktwirtschaftlichen Zwangssystem, aus dem sie früher auszubrechen versucht haben. Das gleicht einem Stillstand der spirituellen Entwicklung des Menschen, wenn nicht sogar einem Rückfall. Denn das Kürzen der eigenen, freien schöpferischen Tätigkeit ist, direkt gesagt, genau das, was den Menschen, in seiner spirituellen Weiterentwicklung, maßgeblich hemmt. Die Maslow‘sche Bedürfnispyramide erklärt es bildhaft: solange seine Sicherheits- und Individual-materiellen-Bedürfnisse nicht erfüllt sind, kann sich der Mensch seiner spirituellen Weiterentwicklung, seiner Selbstverwirklichung nicht mal annähernd widmen.
Wir haben heute, technologisch gesehen und wenn wir das, was produziert wird, auch wirklich bedarfsorientiert verteilen würden, die Mittel für jeden Mensch auf diesem Planeten das notwendige zur Verfügung zu stellen. Dafür wären heute nur maximal die Hälfte (wenn nicht sogar weniger als die Hälfte) der Menschen, die arbeiten könnten, tatsächlich notwendig. Der Rest der Menschen wären in dieser (immer noch nur) idealen Welt ganz natürlich ohne einen „Arbeitsplatz“ zum „Lebensunterhaltverdienen“, da alles was sie brauchen würden, bereits vorhanden wäre. Ja, es ist mir auch klar, dass dafür ein anderes Denken notwendig ist – mit dem heutigen kapitalistischen marktwirtschaftlichen Denken ist das unvorstellbar. Diese heute noch utopische Vorstellung setzt voraus, dass jeder Mensch eine innere Selbstverpflichtung zu der großen Gemeinschaft des Planeten Erde empfindet und, freiwillig und in Selbstverständlichkeit, für eine Zeit seines Lebens, z. B. 10-15 Jahren, sich mit seinen Fähigkeiten und Gaben in Dienst seiner Gemeinschaft stellt, um das zu produzieren, was alle brauchen, und in Achtung für das Leben die Ressourcen zu pflegen, die uns allen kostenlos zur Verfügung stehen – die Allmende der Menschheit. Auf dieser Ebene der spirituellen Entwicklung sind wir Menschen heute noch nicht. Dafür müssten alle Menschen erst mal die Möglichkeit erhalten die Arbeit vom Lebensunterhalt zu entkoppeln und somit eine reale Chance zu haben, sich vorrangig auch um ihre eigene Selbstverwirklichung zu kümmern und dadurch sich spirituell weiterentwickeln zu können.
An dieser Stelle drängt sich mir eine Frage: Wer hat denn Interesse daran, dass die Menschen sich spirituell nicht weiterentwickeln? Ein Mensch, der nach seiner Selbstverwirklichung strebt, ist ein selbstdenkender Mensch, der sich und seiner Umwelt bewusst beobachtet, der Vorhandenes in Frage stellt, der stets nach neuen Wege und nach den Sinn dieser Wege forscht und der sich dabei geistig nicht von willkürlich gefassten Regeln einengen lässt. Ein solcher Mensch ist in einer ausschließlich auf Profit gerichteten Marktwirtschaft, die nach lediglich ausführenden Arbeitskräfte Bedarf hat – Arbeitskräfte die zur Befriedigung ihrer physiologischen und grob-sozialen Bedürfnisse bedacht sind – schlichtweg nicht erwünscht. Ein solcher Mensch würde nämlich merken, dass das gelebte System an sich nicht stimmig ist und dass er selbst gleichzeitig sowohl der Verursacher der Probleme seiner Umwelt ist, als auch der letztendliche Leidtragende. Solch ein Mensch würde etwas ändern wollen und würde es auch können, denn er wäre sich seines schöpferischen Potentials sehr bewusst und würde ihn auch entsprechend einsetzen wollen. Ein solcher Mensch würde sich im großen Kontext der Menschheit sehen und empfinden und seine eigene Rolle erkennen und wahrnehmen können.
Kein Wunder also, dass die Befürworter der kapitalistischen Marktwirtschaft so viel Ressourcen ver(sch)wenden, dass dieser Mensch sich nicht entwickeln kann. Es ist einfach sehr profitabel für die Verfechter des Status Quo, wenn der Mensch so bleibt wie er heute ist: ein von Angst, Neid, Wut und Feigheit beherrschtes, extrem unsicheres Wesen, Scheuklappen tragend, unfähig sich zu artikulieren und stets von seinen Ur-Instinkte geleitet: Haben, Essen, Schlafen, Sex und „Spiele um die Macht“. Dieser Mensch ist leicht berechenbar und dadurch bequem beherrschbar, glaubt stets was ihm vorgegaukelt wird, befolgt Befehle bis im eigenen Verderben, übernimmt keine Verantwortung für sein eigenes Leben und lässt sich dadurch leicht manipulieren.
Viele von uns würden es nicht zugeben, aber seit mehreren Tausenden von Jahren befinden wir uns sozial in diesem Halbschlaf-Stadium – Sie können selbst, beispielsweise, dafür den tatsächlichen Unterschied zwischen den römischen Gladiatoren-Spiele und den heutigen, gerade in Krisenzeiten so hoch beworbenen „Sport-Veranstaltungen“ bedenken. Und? Finden Sie einen Unterschied? Ich nicht. Abgesehen davon, dass heute in der Arena keine Toten (absichtlich) erwartet werden, ist das Prinzip, das seit der Zeitrechnung zugrunde liegt, stets dasselbe geblieben: die Meute grollt den „Stars“ zu, trinkt Bier und Cola, isst Pommes, Würstchen und Chips und vergisst, was wirklich in der Welt passiert und auf kosten welchen „anderen“ Menschen diese unsinnige Opulenz und Verschwendung von Ressourcen überhaupt möglich geworden wurde. Die Gewinner werden mit Beträge belohnt, mit den ganze Städte Jahrelang ernährt werden können, werden wie Helden verehrt und zum Idolen emporgehoben. Wir akzeptieren das alles und finden es sogar sehr gut, denn es entspricht unseren Erwartungen an „Fairness“ und „Sportlichkeit“ – das lullt uns in den Traum ein, dass auch wir einmal „Gewinner“ werden könnten, oder, noch schlimmer, dass wir zu den „Gewinnern“ gehören. Wir sehen nämlich kein Blut mehr und so vergessen wir, dass das Blut nicht mehr sichtbar in den Sand der Arena fließt, sondern, oft gar nicht weit entfernt, in den Straßen der Slums und Favelas der „Sport-Metropolen“, in den Adern verhungernden, fast für nichts arbeitenden Menschen versiegt. Wir vergessen nämlich sehr gerne, dass wir alle die Verlierer dieses Spiel sind, das mit „Sport“ und „Fairness“ nichts mehr zu tun hat, sondern ein hart umkämpftes Geschäft um Profit ist. So bleibt „Brot und Spiele“ eine wirksame Technik einer selbsternannten herrschende Minorität, die davon lebt, dass die vielen von uns lieber unseren Instinkten frönen als uns die Mühe zu machen, uns selbstkritisch in Frage zu stellen.
Das heute wirksam erlebte System ist sehr „geschmeidig“ (siehe auch Harald Welzer – „Selbst denken“, Peter Senge – „Die Fünfte Disziplin“, Erich Fromm – „Haben oder Sein“), sehr anpassungsfähig und widersteht so jeglichem Veränderungsversuch, denn das implizite Ziel dieses Systems, das Ziel das wir Menschen ihm implementiert haben, das unbegrenzte materielle Wachstum mit jedem Preis ist. So wurde auch Arbeit, die naturgemäß eine der Hauptbeschäftigungen des Menschen auf seinem Selbstverwirklichungsweg ist, mittlerweile durch dieses System zweckentfremdet: sie dient nicht mehr uns, den Menschen, sondern wurde dem Menschen sein Herr und Gebieter.
In einer spirituell entwickelten Gesellschaft ist Arbeit die stärkst mögliche schöpferische Ausdrucksweise eines bewussten Menschen. Wenn der Mensch den Mensch von dem „Verdienen seines Lebensunterhalts“ befreien kann, dann wird auch die Arbeit, naturgemäß, frei aus dem Bedürfnis des spirituell entwickelten Mensch. sich der Gemeinschaft mitzuteilen, sich und seine Gaben und Fähigkeiten zu verschenken, um sich als untrennbarer Anteil der Gemeinschaft gemeinschaftlich wirkend zu empfinden. Die Zugehörigkeit jedes menschlichen Individuums zu einer Menschheit kann erst dadurch von Jedem organisch empfunden werden. Somit könnte es auch sein, dass das wahre Potential der Menschheit erkannt und verwirklicht wird. Das können wir Menschen allerdings nur gemeinsam ermöglichen!
25.05.2014 / Warum brauchen wir „Eliten“?
Mai 25, 2014
Warum sammeln wir Menschen uns, abgesehen von unseren Familien und Clans – die eine natürliche Zusammengehörigkeit darstellen, auch in Berufsgemeinschaften, Clubs, Vereine, ja, letztendlich in „Parteien“ und anderen „exklusiven“ Organisationsformen, die uns von den „Andersartigen“ (auch wenn der Unterschied auch nur so gering und oberflächlich ist) klar unterscheiden, trennen, „sichern“ und meist „abheben“ sollen? Warum bilden sich fast über Nacht überall die unterschiedlichsten „Interessenvertretungen“? Warum glauben wir Menschen, dass das, was wir persönlich wollen, „anders“ und vor allem „wichtiger und richtiger“ ist als das, was ein anderer Mensch sich wünscht und für wichtig erachtet, wenn dieses nicht gerade mit „unserem“ übereinstimmt? Haben wir Menschen nicht alle dasselbe Interesse in Frieden und Wohl miteinander und mit unserer Umwelt zu leben? Und wenn nicht, wie ist es dazu gekommen, dass es so geworden ist?
Warum kapseln wir Menschen unser „spezielles“ Wissen ab, statt es frei unter uns zu verteilen, allen zur Verfügung zu stellen und bewusst mit dem Wissen anderen „Spezialisten“ zu kombinieren und das gemeinsame Wissen auch gemeinsam weiter zu entwickeln? Warum empfinden wir es als „sicherer“ das, was wir als „unser Wissen“ betrachten, „geheim“ zu halten und zu unserem „Alleinstellungsmerkmal“ zu machen? Warum bestehen wir darauf es durch Patente, Lizenzen und Monopol-Strukturen an uns selbst, oder an einer Minderheit zu der wir selbst angehören, so zu binden, dass es ein anderer Mensch nur dann etwas davon haben kann, wenn er uns dafür persönliche Anerkennung und uns vor allem einen bestimmten materiellen „Preis“ zahlt?
Das betrifft leider nicht nur unser technologisches Wissen. Viel mehr betrifft das unser soziales Verhalten. Ich beobachte, dass gerade Menschen die, im Namen einer als dringend und notwendig empfundenen Wende des sozialen Lebens, Wirtschafts- und letztendlich Lebensalternativen entwickeln, diese jedoch sehr schnell auch in einer selbst definierten festen Struktur pressen und daran festmachen wollen. Auch zu beobachten ist es, dass in der selbst angestrebten Struktur, deren „Gründer“ und „Initiatoren“ stets eine sehr wichtige und vor allem richtunggebende Rolle inne haben und vor allem behalten wollen. Kooperationen zwischen „Bewegungen für ein neues soziales Leben“ scheinen, wenn überhaupt, meist nur unter der jeweilig eigenen „Standarte“ möglich zu sein, quasi als „Allianzen auf Zeit“, die nach dem „Sieg“ sich unbedingt auflösen müssen. Dabei stehen an der Basis aller diesen Bewegungen oft prinzipiell sehr ähnliche Ideen und Ansätze. Die feinen, jedoch sehr wichtigen Unterschiede werden nicht freiwillig mit einander zu einem umfassenderen und neuen Ganzen kombiniert, sondern stets peinlich aufbewahrt und „vor fremder Infiltrierung“ verteidigt. Fast unvermeidlich entsteht währenddessen auch der Eindruck, dass eine „Bewegung“ hauptsächlich aus einer „Standartenführer“-Elite, die stets die Richtung bestimmt, und ansonsten nur aus unmündigen „Anhänger“ besteht, die offensichtlich keinen Mut zu anderen Ansichten haben, oder es nicht für wichtig erachten andere Ansichten zu äußern, falls diese irgendwie doch existieren.
Die Angst, dass die „Anderen“ eigentlich was „anderes“ wollen, marschiert stets in solchen Allianzen mit und führt dazu, dass bei den kleinsten Differenzen nicht der konstruktive Dialog mit, sondern die Trennung von den „Abweichlern“ gewählt wird. In solchen Fällen ist die Aussage sehr oft sinngemäß so: „Das was ihr spielen wollt ist nicht unser Spiel. Wir wollen das-und-das Spiel spielen und wenn ihr was anderes spielen wollt, dann sucht euch Leute die eures Spiel spielen wollen“. Und dabei das „ihr werdet schon sehen wer am Ende „Recht“ hat“, auch wenn nicht offen ausgesprochen, klingt stets im Hintergrund mit.
Dass all diese „Spiele“ nur Teile eines ganz großen Spiel sind, an das alle Menschen und sämtliche Lebewesen teilnehmen, wird dabei entweder nicht bewusst wahrgenommen, oder, in manchen Fällen, sogar bewusst als Kampffeld angesehen, auf dem die, die den „wahren Weg“ (meinen zu) kennen, nur dann „gewinnen“ und die „Menschheit retten“ können, wenn sie die Andersdenkenden für diese „Wahrheit“ entweder gewinnen, sie zu dieser „Wahrheit“ konvertieren oder, in letzter Instanz, sogar ausrotten. Zu oft wird eine „Gemeinschaft“ nur daraus gebildet, dass Menschen eine einzige Ansicht teilen und zu oft wird dabei vergessen, dass zu der großen Gemeinschaft der Menschen auch eine Vielfalt der Ansichten dazu gehört. Es wird auch nicht wahrgenommen, oder sogar gewollt vom Sichtfeld ausgeblendet, dass es, langfristig gesehen, gar keine einzelne „Gewinner“ geben kann, sondern das Spiel um das Leben allen gespielt wird und deswegen nur von allen gemeinsam gespielt und gewonnen werden kann.
Woher kommt dann das Bedürfnis der Menschen einer „Elite“ anzugehören? Mit anderen Worten einer kleinen Gruppe anzugehören, die jedoch das „Sagen“ hat, einer Gruppe von „Auserwählten“, die somit sich auch anmaßen darf, für die Menschen zu entscheiden, die, weil sie anders denken, zu dieser Gruppe nicht gehören dürfen? Diese Frage zieht nach sich viele andere Fragen, die in unserer heutigen, augenscheinlich aufgeklärten Gesellschaft, immer noch keine Antwort bekommen haben: Woher kommt eigentlich das Recht sich für etwas „besseres“ zu halten? Worin begründet sich die „Selbstermächtigung“ zur „Herrschaft“ über andere Wesen? Woher kommt das „Recht“ andere Wesen zu „besitzen“? Woher kommt das „Recht“ auf übermäßiges materielles „Reichtum“, das zur Macht verhelft und sogar „berechtigt“? Warum folgen Menschen anderen Menschen, wenn sich diese selbst, sich auf solche „Rechte“ berufend, als „Bestimmer“ für andere ernennen?
Eine erschütternde Antwort zur Selbsternennung gibt uns ein Blinder unter Blinden, der die Macht seiner Waffe dazu nutzt, um sich selbst dreist zum „König“ aufzurufen und in der Hölle einer tragischen Pandemie eine „Monarchie“ zu etablieren (José Saramago – „Die Stadt der Blinden“). Im Buch ist dieser Wahnsinn nach relativ kurzer Zeit blutig beendet. Jedoch, was vor allem erschütternd wirkt ist, dass es überhaupt ein Mensch an so was denken und sich dafür berechtigt fühlen kann. Noch erschütternder ist allerdings, dass es in unserer Zeit in der Tat sofort andere Menschen sich finden können, die ein solches lebensfeindliches Vorhaben unterstützen …
Letztendlich bleibt nach meinem Gefühl nur eine Frage, die vor allen anderen eine Antwort bedarf – diese Frage hat allerdings viele Facetten: Warum haben wir Menschen so viel Angst uns gegenseitig als gleichwertig anzusehen und anzuerkennen und miteinander selbstbestimmt UND gemeinsam zu leben ?
13.04.2014 / Auch eine „gute Absicht“ kann in die Irre führen …
April 13, 2014
Ich bin immer wieder sehr erstaunt darüber, wie unterschiedlich die Ansichten über was das „Gemeinwohl“ sein soll sind und wie gefährlich die unachtsame Verwendung von Begriffen in diesem Kontext sein kann. Vor allem die Menschen, die meinen sich für das Wohl aller eizusetzen, empfinde ich in dieser Hinsicht als zum tiefen Nachdenken über das was sie schreiben (und damit in die Welt setzen) streng verpflichtet. Diese Verpflichtung ist und bleibt allerdings strikt subjektiv und von dem jeweilig eigenen Weltbild stets geprägt. Die Schleier des erlebten Status Quo sind undurchsichtig und verwirrend und werden von jedem von uns sehr unterschiedlich wahrgenommen, interpretiert und als Basis für ein weiteres Vorgehen verwendet. Es wird mir zunehmend bewusster, dass gerade die Menschen, die meinen für das Wohl aller sich einzusetzen, auch die Menschen sein können die, trotz „guter Absicht“, Missverständliches in das Gedankengut aller einpflanzen und pflegen können.
Aus diesem Grund bleibt es stets auch die eigene Verpflichtung des Lesers, sich kritisch mit jedweder Schrift-Aussage zu beschäftigen, diese nur als eine der vielen möglichen Ansichten zu betrachten und so, dem inneren Gefühl folgend, das für das Leben Gesundheitsfördernde von dem eigentlich für das Leben Giftigen selbst zu unterscheiden …
Ich nehme dafür als Beispiel das Buch vom Ryszard Lempart „Spirit of Sharety“ (eng. – Geist des Teilens), das ich neulich mit sehr viel Neugierde gelesen habe. Hr. Lempart plädiert für das „produktive“ Teilen von Materiellem als Lösung für das aktuelle Ungleichgewicht in der Welt und damit als Weg zu mehr soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle Menschen. Mit „produktivem Teilen“ meint er (Seite 51):
„Das produktive Teilen beruht auf dem Grundsatz der Effektivität. Es wendet sich an Benachteiligte mit dem Ziel, für sie bessere Lebensbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Im Unterschied zur Kompensation, die auf die Notlinderung ausgerichtet ist, soll produktives Teilen die Betroffenen aus ihrer Bedürftigkeit herausholen. Es entspricht damit dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Wer produktiv teilt, erzeugt damit die nachhaltigste Wirkung.“
Ich halte diesen Ansatz für sehr interessant und habe mich deswegen intensiv damit beschäftigt. Desto mehr bin ich über die Sichtweise des Hrn. Lempart im Bezug auf manche Themen und Aspekten sehr verwundert und sogar besorgt. Aus diesem Grund möchte ich hier einige wenigen Aussagen in seinem Buch mit meinen Anmerkungen anreichern, das auch in der Hoffnung damit auch bei Ihnen, den Lesern meiner Ansichten, die Neugierde zu erwecken sich kritisch-kooperativ damit zu befassen.
Ryszard Lempart schreibt gleich im ersten Absatz des ersten Kapitels seines Buchs:
„Wir sind ein Teil der globalen Welt, in der ein erbarmungsloser Wettbewerb um Arbeitsplätze und Absatzmärkte herrscht. Gleichzeitig leben wir aber in einer Wohlstandsgesellschaft. Diese zeichnet sich durch Produktivität, Besitz und Konsum aus. Wir erwirtschaften viel, weil wir wettbewerbsfähig sind und dabei viel absetzen und viel verbrauchen. Der Kreislauf von Gütererzeugung, Absatz und Verbrauch hält unsere Wirtschaft am Leben. Er sichert auch unseren Wohlstand, sofern wir uns weiterhin im Wettbewerb behaupten können. Daran werden auch keine Sozialutopien etwas ändern. Die hohe Wettbewerbsfähigkeit bleibt der Schlüssel zum Erfolg einer modernen Gesellschaft.“
Ich musste persönlich den Absatz mehrmals lesen. Er schreibt in der Tat, anscheinend voll davon überzeugt: „Daran werden auch keine Sozialutopien etwas ändern“ – und damit meint er (in meinem Verständnis), dass Wohlstand nur in Folge des Wettbewerbs entstehen kann, der Produktivität, Absatz und Konsum fördert.
Da ist sie wieder, die sehr bekannte Marktwirtschaftliche-Masche: der Konsum als Förderer des Wohl-Stands. Hr. Lempart schreibt sogar noch dazu: „…sofern wir uns weiterhin im Wettbewerb behaupten können.“ – dabei stellt er sich überhaupt nicht die Frage: was soll mit den Menschen passieren, die sich (in diesem System) nicht behaupten können? Haben sie kein Recht auf ein Leben in Wohlstand, im Wohl-Sein? Sind sie, weil sie sich nach den Regeln eines marktwirtschaftlichen Wettbewerbs nicht „behaupten“ können, minderwertiger als die Menschen, die sich „behaupten“ können? Und wer hat die Regel des „sich behaupten“ überhaupt festgelegt? Vielleich gerade die, die so am besten auf der „Gewinnerseite“ bleiben können? Ein harter und kurzsichtiger Urteil, um es mild auszudrücken, für mich unerwartet von einem Menschen getroffen, der behauptet sich für das Wohl aller eizusetzen. Das erinnert mich an George Orwells „Farm der Tiere“: „alle (Menschen) sind gleich, aber manche sind _gleicher_ als die anderen“ (nur sinngemäß zitiert) – und stellt für mich gleichwohl die Frage: Wer maßt sich an die Menschen in Klassen und Kasten zu unterteilen? Eine solche Welt, in der bewusste Wesen grundsätzlich einer Ungleichheit ausgesetzt werden, ist für mich keine soziale Weiterentwicklung. Für mich sind alle Menschen gleichwertig und haben das gleiche Geburtsrecht ein gutes Leben leben zu können und in ihrer jeweiligen einzigartigen Entwicklung als eigenständigen Individuen von der Gemeinschaft unterstützt und gehütet zu werden.
Herr Lempart, der sich für eine Welt sich einsetzt, in der das Teilen durchs Schenken eine große Rolle bei der gerechten Verteilung der Chancen spielen soll, schreibt jedoch im Kapitel 3, Seite 61 auch folgendes:
„Was Unternehmen als Gewinn erwirtschaften oder was Manager verdienen, ist am Verhältnis zwischen Leistung und Ertrag zu bewerten. Ist das Verhältnis angemessen, ist auch das Tauschen gerecht. Es darf an dieser Stelle nicht mit der sozialen Gerechtigkeit verwechselt werden.“
Ich hätte dazu folgende Anmerkungen bzw. Fragen:
- Nach welchen Regeln wird die „Gerechtigkeit“ zw. Leistung und Ertrag und die „Angemessenheit“ deren Verhältnis festgestellt?
- Warum sollte irgendeiner Mensch „mehr“ materielles verdienen – wenn jeder Mensch nur einen begrenzten tatsächlichen Bedarf haben kann – und was genau sollen die Menschen mit diesem „mehr“ tatsächlich anfangen können/sollen?
– Hier erwarte ich einfach mal eine andere Antwort, als die klassische „ohne materiellem Anreiz würde es keine Innovationen und Entwicklungen geben“- ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung, dass dies ab einem gewissen Grad der Bewusstheit und spirituellen Entwicklung, den ich z. B. auch beim Hrn. Lampert voraussetze, der materielle Anreiz allein keine treibende Kraft mehr für irgendeine Art von Entwicklung sein kann, sonder stellt sich desto mehr als Hindernis für diese ein.
- Wer/was stellt sicher, dass die „Mehrverdiener“ das, was sie „mehr“ verdienen würden, auch sinnvoll für die Gemeinschaft einsetzen werden und nicht nur egoistisch für sich, für Machtausübung, Koruption, Missbrauch und übermäßiges Konsum?
- Warum sollte das „mehr verdienen“ im Sinne einer Anerkennung der eigenen Person, des Individuum relativ zur Gemeinschaft sinnvoll sein?
- Was ist mit der Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft, die ein jeder Mitglied einer Gemeinschaft empfinden sollte, und die daraus resultierende Anerkennung als Ausgleichsleistung seitens der Gemeinschaft– warum kann diese stattdessen nicht ausreichend sein?
Das ist jedoch nicht alles. Gleich danach postuliert Hr. Lampert (Seite 62):
„Gewinne können ökonomisch gerecht sein, sozial dennoch als ungerecht empfunden werden.“
Ach ja? Dann, wenn das so zu sehen ist, dann ist die „Ökonomie“ – so wie Hr. Lampert sie beschreibt, nach meinem Empfinden, leider nichts Gerechtes. In diesem Zusammenhang wundere ich mich auch sehr, über wie Hr. Lempart dazu kommt zu behaupten, dass die soziale von der ökonomischen Ungerechtigkeit überhaupt trennbar wäre! Das wäre ein Freischein zu jeglicher Art Verbrechen gegen Grundwerte und Rechte des Lebens. Ups, das IST bereits so – das Verbrechen erleben wir leider bereits tagtäglich überall auf unserem Planeten … Es geht aber noch weiter (Seite 63):
„Eine konstruktive Problemlösung besteht darin, mehr Ethik in der Wirtschaft zu etablieren. Sie wird jedoch nicht gefördert, indem man ökonomischen Erfolg ethisch infrage stellt. Vielmehr geht es darum, dass sich die Unternehmen dort für soziales Engagement öffnen, wo sie gestalterische Spielräume haben. Das Teilen ist demnach so zu definieren, dass es auch im Wirtschaftsbereich erfolgreich praktiziert werden kann, ohne die Gesetze der Marktwirtschaft außer Kraft zu setzen. Es sollte dabei über Motivation statt über Kritik propagiert werden.“
Ja, Motivation bringt immer mehr als Kritik. Jedoch, wozu dient der erwähnte „ökonomische Erfolg“ im Sinne eines Gemeinwohls, als Dienst an die Gemeinschaft? Gerade der „ökonomische Erfolg“, der mit allen Mitteln und zum jeden Preis verfolgt wird, produziert als Auswirkung die sozialen und ökologischen Gleichgewichtsstörungen, die dann durch das Teilen gemildert und korrigiert werden sollen – das ist, meinem Empfinden nach, höchst widersprüchlich! Warum darf eine Minderheit erst der Mehrheit (und der Umwelt) alles Materielle „ökonomisch gerecht“ weg nehmen (oder verbrauchen), um dann das selbst produzierte Ungleichgewicht durch das „produktive Teilen“ (des so erzielten „ökonomischen Erfolgs“) zu mildern? Denn von Wiedergutmachung wären wir noch sehr weit entfernt. Warum das Materielle nicht gleich dort lassen, wo es tatsächlich gebraucht wird (und lebt) – bei den wahren Leistungsträgern unseren Gesellschaft, die sich dann unmittelbar um sich selbst und ihre Umwelt kümmern können?
Diese Frage beantwortet Hr. Lempart einige Absätze weiter. Auf Seite 63 gibt Hr. Lempart seine Definition der „Leistungsträger des ökonomischen Systems“ preis, Definition die mich sehr nachdenklich stimmt:
„In den öffentlichen Debatten wird das Teilen oft als Kritikinstrument eingesetzt. Der Satz, dass sich die „Wirtschaftsbosse“ wegen ihrer Millionengehälter schämen sollten, enthält indirekt den Vorwurf, dass sie nicht teilen würden. Die Leistungsträger unseres ökonomischen Systems werden somit als schlechte Menschen abgestempelt. Und weil sie schlecht seien, dürfe man öffentlich auf sie einprügeln.“
In meinem Empfinden stimmt diese Aussage von Hrn. Lempart überhaupt nicht mit der erlebten Wirklichkeit überein. Diese Menschen, die „Wirtschaftsbosse“, sind in meinem Empfinden KEINE „Leistungsträger“ für die Gemeinschaft, für die Menschheit, sondern nur für das Wirtschaftssystem, von dem sie selber am meisten profitieren!
Die „Leistung“ eines „Leistungsträger“ sollte an der Nachhaltigkeit seiner Auswirkungen auf die Umwelt und an der Anzahl der Menschen (und sonstige Lebewesen), die dadurch unmittelbar zu einem erfülltes eigenständiges Leben Unterstützung und Chancengleichheit bekommen, gemessen werden. Die wahren Leistungsträger sind die Menschen die sich in erster Linie für die Erhaltung des Lebens in aller Formen und Variationen einsetzen und, interessanter Weise, ist bei diesen Menschen stets zu beobachten, dass sie auf das vom Hrn. Lempart so gelobte „wirtschaftliche Erfolg“ sehr wenig bis gar keinen Wert legen. Im Gegensatz, diese Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein bewusstes und rücksichtsvolles Leben führen. Ein Leben in dem sie, auf der einen Seite, nur so viel konsumieren und „verdienen“ wollen, wie sie auch tatsächlich persönlich brauchen und, auf der anderen Seite, in dem sie pflegen sich selbst mit ihren Gaben und Fähigkeiten im Dienst für die Gemeinschaft wahrlich zu verschenken.
In dem aktuellen marktwirtschaftlichen System sind die wirkliche Leistungsträger ALLE Menschen die sich an der Marktwirtschaft sich beteiligen, denn erst sie machen dieser Form des Austausches überhaupt möglich – schön wäre es allerdings, wenn diese Menschen auch tatsächlich frei und nachhaltig Austauschen könnten und nicht von den Zwängen einer „neoliberalen freien Marktwirtschaft“, deren Regeln von wenigen für die wenigsten konzipiert wurden, geknebelt wären. Die Leistungsträger unserer Erden-Gemeinschaft sind die Menschen die, aus Überzeugung im Dienst an die Menschheit (und nicht für ein materielles Verdienst) das erzeugen, was tatsächlich gebraucht wird. Der Mensch an sich arbeitet in natürlicher Weise für das was gebraucht wird, wenn und wann es gebraucht wird. Er braucht dafür keinen „Arbeitsplatz“, der von einem selbst ernannten „Arbeitgeber“ „zur Verfügung“ gestellt wird.
Ich frage mich ernsthaft, ob Hr. Lempart tatsächlich nicht wahrnimmt, dass die meisten (wenn nicht sogar alle) „Wirtschaftsbosse“ des aktuellen marktwirtschaftlichen Systems lediglich „Geschäfte“ erfinden, die in letzter Instanz nur für sie selbst einen Profit in Form von Materiellem erzeugen und keinen tatsächlichen Bedarf der Menschen und Menschheit abdecken. Sie rechtfertigen ihre „wirtschaftlichen“ Aktivitäten damit, dass sie „Arbeitsplätze erschaffen“. Was in diesem Kontext jedoch von den „Wirtschaftsspezialisten“ sehr gerne „übersehen“ wird ist, dass die Menschen, die dann die so „erschaffenen“ Arbeitsplätze belegen, dies es gezwungenermaßen tun müssen, weil sie sonst, nach den geltenden Regeln des heutigen Wirtschaftssystems, nichts anderes tun dürfen! Die Menschen die Arbeitsplätze in Anspruch nehmen, tun dies überwiegend weil wenn sie nur das tun würden, was deren tatsächlichen Gaben und Potential entspräche, sie in diesem System nicht das Geld „verdienen“ könnten, das sie fürs Essenbesorgen benötigen. Würden die Menschen diesem Zwang nicht unterlegen, dann würden sie freiwillig keinem fragwürdigen Unternehmen ihre Arbeitskraft für Brot verkaufen. Menschen schließen sich freiwillig nur Unternehmen an, die der Gemeinschaft und dem Leben dienlich sind, denn jeder von uns kann es innerlich wissen, wenn ein solches Unternehmen gebraucht wird. Warum wissen wir das? Weil wir fühlen, dass es uns selbst gut tut und verspüren dadurch den inneren Wunsch mit zu wirken.
Die heutig so gelobten „Wirtschaftsbosse“ erbringen der Menschheit keine besonders _gute_ Leistung, sondern durch die eigenen Machenschaften in der Finanzwelt, durch Korruption und Betrug und unfaires Handeln erbringen sie eine besonders _schlechte_ Leistung der Menschheit. Statt ihre Fähigkeiten und Potentiale in Dienst der Menschheit für das Wohl aller einzusetzen, setzen sie sich für egoistische, kurzsichtige und in letzter Instanz für den ganzen Menschheit und das Leben zerstörerische Vorgehensweisen ein. Das ist, in meinem Empfinden, definitiv nicht das Merkmal eines Leistungsträger!
Die hochgelobten Manager, Geschäftsführer und Besitzer der Rüstungsindustrie, die Waffen produziert, der Agrar- und Pharmakonzerne, die das Leben patentieren wollen, der Versicherungen und Banken, die das Geschäft mit der Angst vor der Zukunft betreiben, der Kohle- und Öl-Konzernen, die gegen eine kostenlose Energieversorgung arbeiten, der Autoindustrie, die umweltschädigende Motoren bevorzugt, sowie die Öl-Scheichs, die für die wenigen „Gutbetuchten“ dieser Gesellschaft unsinnige Sand-Inseln im Meer aufschütten und sinnlosen Wolkenkratzer in der Wüste bauen lassen, und auch sonstige Geld-Zäsaren, all diese sind in meinem Empfinden keine „Leistungsträgern der Gesellschaft“, sondern die Auswüchse eines schädigenden und sogar lebensbedrohlichen Denkens, in dem der Mensch nur eine FTE = Full Time Equivalent geworden ist und schließlich das Leben selbst in Geld und Profitchancen abgewertet wird.
Allerdings, dass diese Menschen so agieren, und hier stimme ich dem Hrn. Lampert zu – die „Wirtschaftsbosse“ dürfen nicht als „schlechte Menschen“ abgestempelt werden – ist nicht allein auf die einzelnen Personen zurückzuführen. Dieser Zustand ist historisch gewachsen und von uns, allen Menschen, zusammengebastelt. Diese Verantwortung tragen wir alle, auch wenn es uns nicht bewusst ist, oder wir unbewusst diese Verantwortung nicht übernehmen wollen. Das System, was wir gemeinsam kreiert haben, zwingt den (sich unbewussten) Menschen zu einem der Menschheit und dem Leben an sich schädlichen Verhalten. Ein Verhalten, das jedoch, von denen, die letztendlich kurzfristig davon profitieren, stets als „richtig“ und „berechtigt“ verklärt wird. Ein in sich geschlossener Kreislauf, aus dem es gilt auch gemeinsam auszubrechen.
Ich habe in der Tat das (Online-)Buch von Hrn. Lampert sehr aufmerksam gelesen und ich hätte noch seitenlangen Anmerkungen dazu. Ich finde jedoch, dass jeder von Ihnen, den Menschen, die das von mir Geschriebene gerade lesen, sich selbst ein Bild über das Konzept von „Spirit of Sharety“ machen könnte und, wenn möglich, danach mit einander (und wenn Sie möchten auch mit mir) darüber in den Dialog gehen sollte.
Ich kann der Grundidee des Teilens und Schenkens im Buch nur zustimmen, vielen der verwendeten Definitionen von Hrn. Lampert und der von ihm vorgeschlagenen Ausführung wiederrum nicht ganz. Das liegt daran, dass ich die Welt nur aus meinem Blickwinkel betrachten kann. Und wie ich, kann Hr. Lampert die Welt auch nur aus seinem Blickwinkel betrachten. Aus diesem Grund empfinde ich es als sehr wichtig, dass in uns Menschen bewusst die Bereitschaft gepflegt wird, unsere Ansichten gegenseitig kennenzulernen und uns darüber in einem offenen Dialog auszutauschen – je mehr Ansichten bewusst gemeinsam wahrgenommen werden, desto vollständiger das Bild, das wir alle von uns selbst bekommen. Nicht zuletzt können wir dadurch auch sicher(er) stellen, dass wir uns, auf unserem gemeinsamen Weg, trotz unserer „guten Absichten“ nicht verirren werden.
23.03.2014 / Was fördert die persönliche und soziale Weiterentwicklung des Menschen?
März 23, 2014
In einem Sozialstaat ist es anscheinend systemimmanent, dass die Mehrheit der Menschen, weil sie doch (im Vergleich zu Völkern anderen Staaten, die einer von materieller Unsicherheit geprägten sozialen Ordnung unterworfen sind) im relativen Luxus leben, nicht mehr so intensiv den Wunsch aufzubegehren verspüren und, offensichtlich aus Angst das zu verlieren, was sie glauben zu „haben“, bereit sind offensichtliche soziale Ungerechtigkeiten zu akzeptieren, solange sie selbst in der eigenen Komfortzone „nicht direkt betroffen sind“.
„Nicht direkt betroffen“ zu sein bedeutet hier, dass alles, was nicht unmittelbar im eigenen Geldbeutel als direkter subjektiver Verlust wahrgenommen werden kann, kann und wird auch willentlich ausgeblendet. „Ich kümmere mich um meine Angelegenheiten“ ist das Hauptverhaltensmuster, das das „komfortable Leben“ (la dolce vita) bestimmt, solange dieses Leben auch relativ unbekümmert stattfinden kann.
Jedoch: Ist das „unbekümmert leben“ allein das Ziel einer sozial entwickelte Gesellschaft? In der heutig (mit wenigen Ausnahmen) etablierten Gesellschaft ist das unausgesprochene Ziel eines jeden „zivilisierten“ Menschen irgendwann irgendwie „ausgesorgt“ zu haben. Das ist das Bild was uns allen durch mehr oder minder kontrollierte Informationsmedien vermittelt wird: vom Tellerwäscher zum Millionär durch ein „gutes Geschäft“ egal womit, in Lotterie Millionen gewinnen und sich eine Insel im Pazifik kaufen, einen „Hit“ gelangen der sich millionenfach „verkaufen“ lässt, ein „Star“ welche Art auch immer werden – egal wie, jedoch je schneller – desto besser, so viel „Geld haben“ wie nur möglich und dann dieses „für sich arbeiten lassen“.
Das möchte in der bescheidenere Variante bedeuten, nie wieder für den eigenen Lebensunterhalt etwas tun zu müssen, sondern endlich in materieller Sicherheit zu leben und sich sorgenfrei und entspannt den eigenen Wünschen und Vorstellungen, den eigenen Zielen und letztendlich der persönlichen Weiterentwicklung widmen zu können.
In der „elitären“ Variante des liberalisierten Marktes bedeutet dies allerdings auch, dafür alles – und hier ist wirklich alles, ohne jeglicher Rücksicht gemeint – zu tun, um nie wieder für ein Leben des nach Belieben Konsumierens selbst etwas tun oder leisten zu müssen. Das deklarierte (und wenn notwendig mit allen Mitteln verfolgte) Ziel ist hier nicht, nach einer Zeit des selbstverpflichtenden Leistens für die soziale Gemeinschaft, die Früchte des eigen Geleistetes als Rückleistung der Gesellschaft an das Individuum zu genießen, sondern möglichst nichts leistend direkt in den Genuss einer meist übertriebenen und natürlich nicht gerechtfertigten materiellen (und Macht) Fülle zu kommen. Der Mensch, der zu dieser „Wirtschafts- und Finanz-Elite“ gehören möchte, empfindet sich als in einer sozialen Hierarchie „Höhergestellter“, wenn er, egal mit welchen Mitteln, den wirtschaftlich-finanziellen „Erfolg“ erlangt und findet es gleicher Maßen auch „gerechtfertigt“ diesen dann, egal mit welchen Mitteln, gegen alle anderen Menschen zu verteidigen – denn, wie er es vermutlich empfindet, er hat sein „Erfolg“ allein sich selbst zu verdanken. Ein Verhalten, das, meinem Gefühl nach, auf eine pathologisch egozentrische Kurzsichtigkeit hinweist und zum unausweichlichen Erodieren des sozialen Gefüge führt.
Beide Varianten vergessen dabei einen, nach meiner Ansicht, sehr wichtigen Aspekt: der Mensch liebt es zu arbeiten, wenn er selbst sich dafür entscheiden und seine Arbeit in die Realisierung von Projekte investieren kann, die für ihn persönlich wichtig sind – das bedeutet in Projekte mit deren Realisierung der Mensch auch zur seinen eigenen Selbstverwirklichung beiträgt und die dadurch im Einklang mit seinem inneren Wesen sind. Jeder Mensch träumt in seinem Traum vom „Aussorgen“ lediglich von der Zeit in der er das tun kann, was er möchte und zwar wann, wie und mit wem er es wirklich möchte. Das heute gelebte soziale Gefüge lässt das nicht mal für die privilegierte Finanz-Elite wirklich zu – denn das Rad des Markt-Wirtschaften kennt keine Ruhezeit.
Die Frage, die ich mir in diesem Kontext stelle, ist: Kann der materielle Druck (also der Druck eines künstlich erzeugten Kampfes um Mittel zum „Überleben“) überhaupt als Antrieb für eine integrative soziale Weiterentwicklung der Menschen von einzelnen Individuen (in diesem Fall in hartem – jedoch nicht notwendigen – Wettbewerb mit einander) zu einer Menschheit von Individuen die bewusst gemeinsam leben dienen?
Einer der meist vorgebrachten Argumente gegen das Ersetzen einer Markt-Wirtschaft mit einer Bedarfs-Wirtschaft ist, dass der materielle Druck der durch den Markt-Wettbewerb entsteht (d. h. der Druck stets „neue Produkte“ anzubieten die sich „besser verkaufen lassen“ und so für die eigene materielle Sicherheit zu sorgen), der (bisher) einzige Motor für die technologische/materielle Entwicklung gewesen ist. Der materielle Druck wäre dadurch implizit auch für den bisher erreichten „Wohlstand“ (zumindest einer privilegierten Minderheit der Menschen) verantwortlich und hätte die Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaft überhaupt erst ermöglicht. Es soll heißen, dass wir (Menschen) „nichts“ von dem erreicht hätten, das heute unser Leben erleichtert, wenn wir nicht die ganze Zeit bestrebt gewesen wären uns, und zwar jeder für sich, einen Markt- (und Macht)Vorteil zu verschaffen und versucht hätten wirtschaftlich im finanziellen Sinne erfolgreich zu sein. Anscheinend ist in der bisherigen Menschheitserinnerung die Erfahrung, dass materielles „Reichtum“ und „Geld“ „alles“ möglich (M)acht, als die bedeutendste Erfahrung betrachtet.
Die Auslegung in der Bedürfnispyramide nach Maslow liefert in diesem Sinne eine mögliche Erklärung, warum es logisch ist und so sein kann, dass der Mensch vor allem für sich selbst zu sorgen vermag. Maslow fand heraus, dass erst nach dem der Mensch seine primäre Bedürfnisse nach körperlichem und materiellem Wohlstand befriedigt hat, nach dem er sich in einer gewissen Sicherheit wähnt, erst dann hat er die Ruhe sich sein soziales Leben kritisch anzuschauen und sich Gedanken darüber zu machen, wie ein gemeinsames Leben in Frieden aussehen könnte. Erst wenn der Überlebensdrang geebbt ist, kann der Mensch seinen so erkannten Überfluss freiwillig mit anderen Menschen teilen und anderen Menschen seinen ehrlichen Respekt und seine Wertschätzung frei zeigen. Erst wenn er sein soziales Gefüge als unterstützend empfindet, kann er sich sorgenfrei seiner persönlichen und dadurch implizit auch seiner sozialen Weiterentwicklung widmen.
Es scheint allerdings heute auch so zu sein, dass wir (Menschen) bisher für unser Überleben bereits alles getan haben, was in unseren Augen notwendig war und in unserer Macht stand: wir überbevölkern gerade unseren kleinen Planeten und nichts und niemand kann unsere Vorherrschaft in Frage stellen. Ich meine, außer uns selbst – denn der Mensch ist des Menschen gefährlichsten und erbarmungslosesten Feind und Zerstörer. Wir haben uns in den letzten Jahrtausende ein beachtliches technologisches Wissen angeeignet und sind gerade dabei weit über das Überlebensziel hinaus zu schießen – wir haben die Möglichkeit uns Wohlstand zu sichern und doch bestehen wir darauf, auf der materiellen Stufe der maslowschen Pyramide zu verweilen und verweigern uns hartnäckig unsere eigene Weiterentwicklung. Warum eigentlich?
Warum sind wir noch nicht im Stande zu (oder wollen?) erkennen, dass das einzige, das auf den oberen Stufen der maslowschen Pyramide als Antriebsfaktor für die Weiterentwicklung bleibt, die Entwicklung des Bewusstseinsgrades des Einzelnen ist – nur so, aus dem Wunsch des Einzelnen in einer gerechten Welt zu leben, in der alle Wesen als gleichberechtigt angesehen und empfunden werden, kann auch eine Veränderung des bestehenden Sozialsystems herbeigeführt werden – Sozialsystem in dem, nach meiner Ansicht, die Mehrheit der Menschen sich nicht wohl fühlen. Ist vielleicht daran sogar der von uns erschaffene Sozialstaatsystem mit verantwortlich? Tun wir uns so schwer mit einer weiteren notwendigen Veränderung, weil wir aus Bequemlichkeit und Kurzsicht unseren sicheren „Logen-Sessel“ für ein neues Leben in diesmal gemeinsamer sozialer Bewegung nicht verlassen wollen? Warum sehen wir das Gute, was wir jetzt haben, noch nicht als Vorstufe für etwas Besseres, was wir noch zu erreichen vermögen, sollten wir (Menschen) uns nur dafür entscheiden?
In meinem Empfinden erweist sich, in diesem Zusammenhang und auf langer Sicht, das Markt-Wettbewerbs-Prinzip als einzige Antrieb für die Weiterentwicklung als überholt und wird zum Hemmnis – denn, wenn die unteren Bedürfnis-Stufen erklommen sind (d.h. eine gewisse materielle „Sicherheit“ und einen subjektiv empfundenen Wohlstand durchgehend in einem Großteil der Welt erlebt werden), wird das Streben nach Materiellem und dadurch nach Macht und Kontrolle für die daran teilnehmenden Menschen zunehmend unwichtig und als das Hindernis erkannt, das beim Weitergehen eher behindert als anzutreiben.
Gleichwohl kann auch die Sichtweise des Einzelnen dadurch maßgeblich beeinflusst werden: In meiner Erfahrung erweitert sich der Horizont direkt proportional mit dem Bewusstheitsniveau, das im täglichen Leben tatsächlich gelebt wird, und so wird in natürlicher Weise auch die Rücksicht auf die Menschen neben uns und auf die Generationen die nach uns noch kommen als notwendig empfunden und gelebt. Das heißt natürlich: Wenn wir Menschen uns dazu bewusst entscheiden, diese uns sehr persönliche Transformation und Weiterentwicklung zuzulassen.
In letzter Instanz kann auch der aktuell auf Basis der Markt-Wirtschaft definierte Sozialstaat nur als eine Zwischenstufe auf dem Weg der sozialen Entwicklung betrachtet werden – der Einzelne Individuum würde, nach meiner Ansicht, als Zelle der Gesellschaft, in der Gemeinschaft seine Individualität nicht verlieren, sondern sie mit der Bewusstheit der unabdingbaren Vernetzung mit und gegenseitigen Abhängigkeit von allem Anderen auf diesem Planeten erweitern und so sich als bewusster Teil eines viel größeren Ganzen erkennen.
Die Frage dazu ist: Sind wir Menschen soweit, die nächste Stufe der Evolution zu erklimmen?
23.02.2014 / Verbundenheit im Leiden, statt im Weiterstreben?
Februar 23, 2014
Menschen, die mir näher kommen, sagen, dass sie sich sehr wünschen, dass ich mich aus meinem eigenen vergangenen Erleben „mehr“ mitteilen würde – das würde zu mehr Verbundenheit zwischen uns führen, wenn sie wirklich wissen würden, was auch ich alles bereits durchgemacht habe. Das wissen sie nicht, da ich sehr wenig detailliert aus meiner Vergangenheit erzählen würde, als ob ich keine „Probleme“ hatte oder hätte. Das würde mich unnahbar machen und sie würden sich dadurch aus meinem Leben ausgeschlossen fühlen. Mein eigenes Gefühl dabei ist, dass dieser Wunsch eigentlich so zu übersetzen wäre: [wir möchten uns vergewissern, dass du vergleichbaren Irrwegen gegangen bist und ähnliche wenn nicht die gleichen Fehler gemacht hast – so würden wir dich nicht als „besser“ betrachten müssen und uns nicht mehr „unterlegen“ fühlen, sondern gleichwertig, so wäre das, was du sagst, für uns fassbar und berechenbar und keine Unbekannte mehr … denn, wer bist du schon, um uns das zu sagen, was du uns sagst?]
Klar ist das nur meine ganz subjektive Wahrnehmung, aber wenn sie auch nur ansatzweise stimmen würde (und die Menschen die zu mir sowas sagen gibt es wirklich), dann stellt sich mir sofort die Frage: Warum und gegenüber wem „unterlegen“ fühlen? Was ist denn bitte schön „besser“ und was „schlechter“? Wer und nach welchen Maßstäbe vermag dies entscheiden? Wer muss ein Mensch sein, um einem anderen Mensch aus seiner Erfahrung mitteilen zu dürfen? Wie viel und welche Erfahrung muss ein Mensch „nachweisen“, um für das, was er sagt, „Glaubwürdigkeit“ zu verdienen? Das Leben – das ist meine bisherige Erfahrung – wenn wir es mit dem Blick nach vorne leben, ist nicht wirklich berechenbar und in der Tat eine Unbekannte, deren Antlitz wir dann erkennen, wenn wir es erst erleben. Dabei hat das, was mal gewesen ist, für das Leben im Jetzt nur den Wert den ich der jeweiligen Erinnerung beimesse – nicht mehr und nicht weniger. Die „Menge“ an Erfahrung und die relativ betrachtet vergangene Zeit spielen dabei eine untergeordnete bis sogar keine Rolle – ich kann mich Jahre lang im Kreis gedreht haben und dabei keine andere Erkenntnis gewonnen haben, als die des „sich im Kreis Drehens“ … Ich kann jedoch auch, in einem Augenblinzeln etwas wirklich (auch wenn nur für mich) so fassen, dass ich danach, aufgrund dieser Erkenntnis mein Leben grundsätzlich (auch wenn nur innerlich) verändere. Wer kann, außer mir, darüber entscheiden, ob das, was ich erfahren und erlebt habe, ein oder kein Wert für mein eigenes Dasein haben soll?
Kann es sein, dass dieser Wunsch nach „Ähnlichkeit“ tatsächlich aus einem (sozial)systembedingten verkümmerten Selbstwertgefühl entsteht, das tief in unserer Gesellschaft verankert ist und das wir uns bereits in der Kindheit anerziehen lassen haben? Dass wir Menschen uns so sehr daran gewöhnt haben „Verbindung“ erst dadurch zu „verstehen“ und manchmal sogar zu erspüren, in dem wir uns gegenseitig bemitleiden? In dem wir uns erst dann verbunden fühlen, wenn wir quasi „in der gleichen Sch… (schweren Situation) stecken“? In dem wir unsere „Gleichheit“ erst dann empfinden, wenn wir uns „sicher“ sein können, dass es „keiner (von uns) besser ist“? Was auch immer wir in dem Moment als „besser“ betrachten? Das wir uns „wohler fühlen“ in dem wir uns einander vorrangig unsere Leidensgeschichten aus der Vergangenheit immer wieder erzählen und somit uns damit stets gegenseitig identifizieren wollen, statt uns gegenseitig die Aufmerksamkeit auf das mögliche Neue zu lenken, auf die mögliche positive Entwicklung, auf die mögliche Veränderung? Dass wir, aus einem merkwürdigen, gesellschaftlich anerzogenen Ohnmachtsgefühl, unbewusst dafür sorgen, dass es „keiner schafft“ (oder es schaffen könnte) und so (nach meiner Empfindung) für eine ungesunde „Nivellierung“ der Charaktere sorgen wollen? Dass wir den uns nahe lebenden Menschen, den Menschen die aus gleichen Verhältnisse geboren sind und mit uns gleiche Zeit und gleichen Raum teilen, erst mal grundsätzlich alles absprechen was wir auf der anderen Seite anderen Menschen, die uns fern sind, von den wir nur gehört oder gelesen haben, sehr gerne zutrauen und glauben?
Warum würden wir das tun wollen? Und wenn wir auf diesem Grund-Misstrauen so darauf bestehen, wer/was hat uns das beigebracht? Wer hat ein Interesse daran, dass wir uns gegenseitig das Gute nicht zutrauen? Warum ist es meist so schwer zu „glauben“, dass irgendeiner aus unserer Mitte für sich einen Weg gefunden hat und im Wohlgefühl nach seiner eigenen Vervollkommnung strebt? Warum ist es uns lieber zu „glauben“, dass alle um uns herum „es auch nicht besser wissen können“? Und, dass es etwas „besonderes“ braucht, was am besten auch weit weg von uns und möglichst scheinbar unerreichbar ist, wenn es „gut und wertvoll“ sein soll?
Ist es das so vielleicht weil, wenn wir es akzeptieren würden, dass es eine Weiterentwicklung gleich neben uns geben kann und dass die eigenen Leidensgeschichten keinen anderen Wert haben, als der den wir ihnen beimessen, dass dadurch wir selbst aus unserer Komfortzone herausgerissen werden könnten? Dass wir erkennen müssten, dass die Erfahrung, dass es stets weitergehen kann und das Leben eine stetige Veränderung ist, voller Chancen und Erkenntnisse die uns weiterbringen können, eine Erfahrung ist die wirklich jedem Mensch in seinem unmittelbar nahen Lebensraum zuteilwerden kann? Dass dadurch, womöglich, wir zugeben müssten, dass es keine Ausreden mehr geben könnte, warum wir uns mit uns selber und unserer Umwelt nicht wirklich beschäftigen wollen? Dass wir dadurch gezwungen werden könnten, tatsächlich die Verantwortung für unser Leben und für die Konsequenzen unseres Denkens und Handelns zu übernehmen ?
29.12.2013 / Was „kostet“ die Welt wirklich?
Dezember 29, 2013
Immer wieder überrascht mich eine Aussage, die stets in den Medien aller Art, sogar von Menschen gemacht wird, die sich mit Leib und Seele für einen neuen, nachhaltigen Umgang mit der Umwelt engagieren. Unabhängig ob das Thema die Auswirkungen des Klimawandelns, oder die Energiewende, die Notwendigkeit eines Mindestlohns, die Hungersnot in der Welt, oder die Kahlrodung der Regenwälder ist, früher oder später sagt unausweichlich jemand: „… und es ist uns/mir bewusst, dass die Umsetzung der Maßnahmen mit enormen Kosten verbunden ist und dass wir uns noch überlegen müssen, wie und von wem diese getragen werden können …“. Dabei wird, diplomatisch korrekt, nie direkt darüber gesprochen, wer genau für die Ursachen der zu bekämpfenden Übeln die direkten Verantwortlichen wären und dass es zumindest eine entsprechende Beteiligung zur Abdeckung dieser „enormen Kosten“ von deren Seite zu erwarten wäre.
Ein Beispiel: In einer Dokumentation über das Steigen des Meeresspiegel wurde z.B. analysiert, was für Auswirkungen eine 2m Steigung des Wasserspiegels auf die Insel Manhattan/New York haben würde und welche Maßnahmen zu ergreifen wären, um die Stadt vor der immanente Flut zu sichern. Die beschriebene Lösungen implizierten zwar sehr komplexen Baumaßnahmen, waren jedoch weit entfernt von einer Unmöglichkeit. Am Ende kam die Schlussanmerkung: „… es ist nicht klar jedoch, wie und von wem die KOSTEN von xy Milliarden US-Dollar getragen werden können. Vorläufige Gespräche mit Banken und in Frage kommenden ausführenden Bau-Firmen haben bisher noch keine Ergebnisse geliefert …“.
Die Dokumentation war zu Ende und ich starrte noch lange danach den ausgeschalteten Fernseher an und konnte einfach nicht glauben, dass Menschen über das Überleben von Menschen aufgrund eines Business-Plan entscheiden wollen. Ich bin nach wie vor extrem unschlüssig über diese Aussagen relativ zu „Kosten“ die entstehen würden, wenn Menschen und das Leben an sich gehütet werden sollen und die anscheinend von niemand „getragen“ werden wollen, da sie offensichtlich kein gutes Business-Case darstellen und somit keinen wirtschaftlichen Profit und keine Rendite für die jeweiligen „Investoren“ abwerfen würde. Für die Finanzmächtigen dieser Welt ist das Leben offensichtlich kein „gutes Geschäft“, oder wie ist das sonst zu verstehen?
Ich frage mich in welcher Welt leben wir? Sind wir alle komplett blind und taub und taumeln in einem rosaroten Traum, weit entfernt von jeglichem Wirklichkeitsgefühl? Das Boot in dem wir uns alle befinden leckt (weil wir selbst fröhlich und unbekümmert Löcher in den Boden unter unseren Füßen bohren), droht immer klarer und unausweichlicher zu sinken und wir, statt sofort aufzuhören zu bohren und nach bestem Wissen und Gewissen die bereits bestehenden Löcher zu stopfen, holen uns gegenseitig „Angebote“ ein und berechnen fleißig ob es sich für uns wirtschaftlich lohnen würde unsere Arbeitskraft dafür einzusetzen, uns selbst, d. h. das Leben unseres Spezies überhaupt, zu retten?
Was soll bitte schön was kosten? Wissen wir nicht, dass am Anfang jeglicher „Produktionskette“, (die uns mit etwas, was wir meinen zu brauchen, beliefert) stets Menschen sich befinden, die Essen, Kleidung, Obdach und ein gesundes soziales Umfeld brauchen? Wissen wir es immer noch nicht, dass es letztendlich die „Kosten“ von den wir die ganze Zeit reden und die uns am Tun und Machen angeblich verhindern, unsere eigene Lebenskosten sind? Lebenskosten die für alle Menschen, egal welcher Herkunft, Rasse, Glaubensrichtung, Geburtsort und Staatsangehörigkeit, ziemlich gleich sind, da wir Menschen, alle und jeder von uns, letztendlich extrem ähnliche Bedürfnisse befriedigen müssen? Haben wir es immer noch nicht kapiert, dass wenn diese Bedürfnisse gesichert und bedingungslos abgedeckt sind, wir Menschen ein ungeheuer großes Potential entfalten können, das wort-wörtlich Berge versetzen kann? Oder, kann es sein, dass weil wir (zumindest einige von uns, die der heutigen Finanzeliten angehören) das wissen, vermeiden wir es bewusst diese Basis zu schaffen um gerade dieses unheimlich starkes Potenzial in seiner Entfaltung zu hindern? Das wäre selbstmörderisch … warum sollten wir also gerade so was tun?
Ich schlage mal, zur Verdeutlichung, eine kleine, sehr vereinfachte Übung vor: eine Kostenanalyse für ein Auto – etwas, das wir alle mittlerweile relativ gut kennen. Was kostet ein Auto? Was braucht es um ein Auto herzustellen? Es braucht in aller ersten Linie (Bau)Materialien, eine Produktionsstätte, Werkzeuge und Menschen die wissen wie ein Auto gebaut werden soll, sodass es auch funktioniert. Bei diesem Beispiel lasse ich allerdings bewusst die „Kosten“ außer Acht, die Besitzansprüche auf Grund und Boden, reine Gebäudenutzungsgebühren (nicht Unterhaltungskosten), Patentlizenzen auf Ideen und Vorgehensweisen und sonstigen marktwirtschaftlichen Finanztricks betreffen. Diese „Kosten“ haben mit dem tatsächlichem Herstellungsprozess nichts zu tun, sondern dienen nur der Erhaltung eines finanziellen Gefälle, das für eine verschwindend geringe Anzahl Menschen die Machtausübung über die ganze Menschheit und den Planeten sichert.
Nehmen wir das einfachste Anteil eines Autos, die Materialien aus den es gebaut wird: Was kosten sie? Sie müssen hergestellt, bzw. erzeugt werden. Nehmen wir z. B. Stahlblech: wir brauchen Eisenerz, das aus der Erde extrahiert werden muss. Das machen Menschen mit Maschinen und Werkzeuge. Die Maschinen und Werkzeuge werden auch von Menschen aus Stahl hergestellt, der aus Eisenerz produziert wurde, das von Menschen extrahiert wurde. Wir würden also kein Stahlblech haben können, wenn keine Menschen Eisenerz extrahieren würden. Was kosten die Extraktion von Eisenerz? Die „Kosten“ der Extraktion sind die Summe der zu bezahlenden Rechnungen für Strom, Benzin, Maschinen und Werkzeuge und Löhne der Menschen die im Bergbau arbeiten. Was kosten die Erzeugung von Strom? Die Summe der zu bezahlenden Rechnungen für Maschinen und Werkzeuge und Löhne der Menschen. Was kosten die Maschinen und Werkzeuge? Die Summe der zu bezahlenden Rechnungen für andere Maschinen und Werkzeugen (die von anderen Menschen hergestellt werden) und für die Löhne der Menschen die sie herstellen. Und so weiter und so fort: am Anfang,, in der Mitte und am Ende jeglicher Produktionskette und jeglichem Unternehmen stehen als unabdingbare Bedingung für die effektive und effiziente Umsetzung MENSCHEN !
Diese Menschen brauchen Essen, Obdach, Kleidung und ein gesundes soziales Umfeld, um sich entfalten zu können und überhaupt an das Unternehmen zu partizipieren. Das heutige marktwirtschaftliche System basiert darauf, dass diese Menschen, damit sind wir alle gemeint, durch das etablierte soziale Matrix schlichtweg gezwungen werden zu arbeiten (zum großen Teil etwas was sie selber nicht tun würden, hätten sie die Wahl), um sich das lebensnotwendige Essen, Kleidung und Obdach zu verdienen. So denkt jeder von uns, weil das ungesunde soziale Umfeld uns es so vorgaukelt, dass niemand sich ohne „Bezahlung“ für irgendwas engagieren würde, denn der Mensch hätte dann keine Möglichkeit mehr, sein Essen, Obdach, Kleidung zu „finanzieren“. So entstehen die „enormen Kosten“ die niemand bezahlen möchte – weil wir glauben, dass wir nur dann etwas machen würden, wenn wir dafür „bezahlt“ werden und dass wir bezahlt werden wollen, weil wir anscheinend davon überzeugt sind, dass wir uns unser bedingungsloses Recht zu Leben mit dieser Bezahlung erkaufen können und sogar müssen.
Das ist allerdings eine Illusion, eine Selbsttäuschung, ein Trugschluss: wir alle zusammen haben dieses Regelsystem erschaffen weil wir, aus welchen Gründen auch immer, offensichtlich unser gegenseitiges Vertrauen verloren haben und uns lieber geworden ist, uns einander „vertraglich“ zu regeln und zu knebeln. Wir haben eine Welt erschaffen in der wir von der Macht einer trügerischen Sicherheit träumen können, ohne zu merken, dass wir selbst nicht die Be-Herrscher, sondern die Sklaven dieser Macht geworden sind. Das furchterregende dabei ist, dass wir uns somit langsam in den sicheren Abgrund traumwandeln.
Wir können es jedoch ändern. Wie wäre es, wenn wir alle gemeinsam dafür sorgen würden, dass wir alle, jeder von uns, seine Bedürfnisse nach Essen, Obdach und Kleidung, sowie Transport und Kommunikation, bedingungslos erfüllt bekommen. Wie wäre es, wenn wir uns alle bewusst zu einem Dienst an die Menschheit, an das Leben verpflichten würden, während dessen jeder von uns, mit seinen Fähigkeiten und Gaben, aber auch in dem Wissen, dass alles was zu erledigen gibt, auch erledigt werden muss, in Würde und Selbstverständlichkeit sich für das Allgemeinwohl einsetzen würde? Wie wäre es, wenn wir dadurch alle ein gesichertes, gesundes soziales Umfeld erschaffen würden, in dem über Kinder- und Altersarmut, Hungersnot und Obdachlose keine Rede mehr sein kann? Wie wäre es wenn, so gesichert in der Befriedigung unserer Lebensgrundlagen, wir die Freiheit hätten uns freiwillig großen Projekte anzuschließen, die uns alle betreffen, von den das Leben auf unserem Planeten abhängt?
Würden dann die „enormen Kosten“ immer noch entstehen, die uns heute noch daran hindern die selbst gebohrten Löcher im Boden unseres Bootes rechtzeitig zu stopfen?
Denken Sie bitte mit ihrem Herzen darüber, ob das möglich wäre …
26.12.2013 / Wie viel Coaching/Psychotherapie braucht ein Mensch?
Dezember 26, 2013
Das professionelle Coaching und die professionelle Psychotherapie scheinen, meiner Empfindung nach, den Menschen zu vereinsamen. Der Coach/Psychotherapeut, im marktwirtschaftlichen Sinne, lebt tatsächlich davon, dass Menschen auf seine Hilfe angewiesen sind – je mehr Menschen zu ihm kommen (im Rahmen seiner Zeitverfügung und Kapazität), desto besser geht es ihm aus wirtschaftlicher Sicht. Die Menschen, die einen Coach/Therapeuten aufsuchen, sind jedoch (auch wenn meist unbewusst) vor allem auf der Suche nach einem aufmerksamen Zuhörer – mit anderen Worten: es wird nach einem Menschen gesucht der im Stande ist, einem seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen und zumindest den Anschein gibt, die erzählten Situationen und deren Verwicklungen ernst zu nehmen. Der Coach und der Psychotherapeut leisten in diesem Sinne, auch wenn unterschiedlichen Ansätze folgend, im Grunde die selbe Heil-Arbeit. Auch wenn das nur gegen Bezahlung geschieht und es als Dienstleistung im Branchenverzeichnis erfasst wird, ein/e Coaching/Psychotherapie ist heutzutage für viele Menschen der einzige Ersatz für die fehlende soziale Bindung zu einer Gemeinschaft geblieben.
Eine Mangelerscheinung dieses Palliativs ist jedoch, dass zwischen einem Coach und all die Menschen die er betreut zu keinen wirklichen persönlichen Beziehungen kommen kann. Zum einen verbietet einem Coach seine professionelle Ethik eine persönliche Beziehung zu einem „Klient“ zu unterhalten, da der Coach dadurch in Gefahr sei seine „Objektivität“ zu verlieren, zum anderen wäre für einen erfolgreichen Coach physikalisch und psychisch gar nicht möglich mit all seinen „Klienten“ eine wahrhafte persönliche Beziehung einzugehen. Das alles führt systembedingt zwangsläufig dazu, dass bei der Inanspruchnahme einer Psychotherapie sich in leider zu vielen Fällen (glücklicherweise nicht in allen) nur um den „Thekenkontakt“ zwischen „Verkäufer“ und „Kunde“ handelt – eine reine Geschäftsbeziehung, wie der Kauf einer Tablette.
Des Weiteren, durch die Krankenkassenkarte verschleierte „Bezahlung“ der in Anspruch genommenen „Dienstleistung“ vergessen viele der „Klienten“, dass für den Coach/Psychotherapeuten, wie rein seine innere Absicht auch sein mag (und es sind viele Psychotherapeuten, deren Absicht nachweislich rein ist), die Interaktion mit einem „Klienten“ nur ein „Auftrag“ ist, der nach bestem Wissen und Gewissen ausgeführt werden soll. In gewisser Weise eine „Reparatur“ durch eine „Meisterwerkstatt“, wodurch die Psyche des Klienten wieder „soweit in Ordnung“ gebracht werden soll – das will bedeuten: in den von der Allgemeinheit als „Ordnung“ betrachteten Zustand – sodass dieser sein Leben weiter führen kann, ohne für sich und die Allgemeinheit zu einer Gefahr zu werden. Wirtschaftlich gesehen, je mehr von diesen Aufträgen ein Coach/Psychotherapeut effektiv ausführen kann, also je effizienter, desto erfolgreicher ist er. Im Umkehrschluss dagegen, wenn es keine Menschen geben würde, die Klienten werden müssen, können oder würden, dann würde der Coach, marktwirtschaftlich gesehen, schlichtweg verhungern müssen, da sein „Geschäft“ seinen Lebensunterhalt nicht mehr abwerfen würde. Denn unglücklicherweise ist systembedingt gerade der psychisch instabile Mensch, nicht der Gesunde, der dafür sorgt, dass ein Coach einen Arbeitsplatz hat, der sein Überleben sichert.
In diesem Kontext stellt es sich für mich die Frage, in wie fern ein Coach/Psychotherapeut tatsächlich an der wirklichen Genesung seiner „Klienten“ interessiert sein kann, wenn gerade der Zustand der „Unordnung“ seiner „Klienten“ ist es, der ihn und seine Familie ernährt?
Heutzutage ist der Beruf des Coaches/Psychotherapeuten sowohl sehr verbreitet, als auch sehr gefragt – anscheinend gibt es stets Menschen die zu „Klienten“ werden, da der allgemeine persönliche Zustand relativ zu der Anforderungen der Gesellschaft als einer der Unordnung empfunden wird. Historisch gesehen gibt es die „spezielle Betreuung“ psychologischer und seelischer Krankheiten in dieser Form seit relativ kurzer Zeit. Als es noch keine spezialisierte Psychologen, Psychotherapeuten und Coaches gegeben hat, hatte der Mensch in seinem Leben mehr direkten Kontakt zu anderen Menschen gehabt, die seine Freunde und Verbündete, oder gar seine Feinde waren und mit ihm zusammen eine Gemeinschaft bildeten. Im schlimmsten Fall hatte der Mensch mit einer „Seelensorge“ einen „Mann Gottes“ (oder auch eine Frau – siehe auch Schamane/Medizinmann/-frau) aufgesucht, dem/r er sich anvertrauen konnte, der/die ihm zugehört hatte und ihm mit „weisem“ Rat und „Medizin“ unterstützte. Diese Menschen, auch die Repräsentanten einer Kirche nicht, waren keine Psychologen/Psychotherapeuten/Coaches im heutigen Sinne – sie waren jedoch für das „sich Aussprechen“ eines Gemeindemitglied oder nahe stehenden Menschen einfach da. Menschen haben sich in früheren Zeiten einfach mehr gegenseitig zugehört und meist ohne Worte sich sehr geholfen in dem sie einfach für einander präsent und DA waren.
Ich habe das Gefühl in einer Welt zu leben, in der es normal geworden ist „Probleme“ zu haben, für die Lösung deren Leistungen von Coaches und Psychotherapeuten in Anspruch genommen werden müssen. Dabei schätze ich die Leistung von Coaches und Psychotherapeuten als sehr wertvoll und nach wie vor als ein wichtiger Beitrag zur Heilung unserer Gesellschaft. Menschen die sich zu dieser Tätigkeiten berufen fühlen, besitzen besondere Fähigkeiten und haben meist einen impliziten inneren Wunsch zum Wohlbefinden ihrer Umgebung aktiv beizutragen und viele von ihnen gehen vorbildlich den Weg zur Erfüllung dieses Auftrags.
Es scheint mir allerdings sehr merkwürdig zu sein, dass diese Menschen, die zur Heilung verhelfen sollen, davon leben müssen, dass es die „Probleme“ und „Krankheiten“ gibt, unter denen die „Klienten“ leiden, die sie dann aufsuchen. Und dieser Zustand wird nicht besser, offensichtlich, denn es braucht anscheinend immer mehr Coaches und Psychotherapeuten, die sich um das Zurechtrücken der „Klienten“ kümmern müssen. Es werden an fast jeder Ecke Coaching- und Psychotherapie-Leistungen angeboten und in Anspruch genommen – den Menschen geht es offensichtlich nicht besser, sondern immer „unordentlicher“ … Die „seelische Probleme“ unserer Gesellschaft werden von vielen des Geschäftes wegen nur oberflächlich und hauptsächlich palliativ „behandelt“ und werden dadurch nicht weniger, sondern immer mehr …
Wir leben heute in einer Welt von einsamen „Klienten“, von Menschen die sich innerlich nichts anderes wünschen, als dass ihnen wirklich zugehört wird. Komisch: jeder von uns weiß es und trotzdem hören die wenige von uns wirklich einem anderen zu. Denn sogar die Coaches und Psychotherapeuten gehen zum Coaching und zur Therapie und sind somit die „Klienten“ anderer Coaches und Therapeuten. Ein im Sinne der Marktwirtschaft in sich geschlossenen „Wirtschaftskreis“.
Ich frage mich ernsthaft: Ist dieser in sich geschlossener (Wirtschafts-)Kreis auch für das Leben und für die Heilung SINN-voll? Vielleicht brauchen Menschen einfach nur mehr wahre Freunde, die ihnen ihre ungeteilte Aufmerksamkeit widmen, ihnen wirklich zuhören und dann danach auch persönlich DA sind, als Gemeinschaft die unterstützt, Gemeinschaft der ein Mensch sich zugehörig fühlt und in der jeder Mensch sich WOHL fühlt? Vielleicht würden damit auch die „Probleme“, die stets palliativ „therapiert“ werden, von sich aus verschwinden?
20.11.2013 / Der Unterschied zwischen „Utopie“und „Nicht erwünscht sein“
November 20, 2013
Es gibt immer wieder Vorhaben/Pläne/Änderungswünsche die als utopisch betrachtet werden, weil deren Umsetzung anhand des vorhandenen Wissens und vorhandener Erfahrung der Menschen zurzeit des Vorhabens noch als unmöglich erscheint. Viele der in der Vergangenheit als Utopien klassifizierten Vorhaben sind jedoch in der heutigen Zeit zur Wirklichkeit geworden. Noch mehr – wir, die Menschen die heute leben, können uns zum Teil nur schwer vorstellen, dass es „damals“ Menschen gegeben hat, die das, was für uns heute „normal“ ist, als Unmöglichkeit und als Utopie bezeichnet haben. Das ist ein normales Verhalten für uns Menschen – unsere Vorstellungskraft ist von den Menge und Qualität der direkt erlebten Erfahrungen bedingt: was wir noch nicht kennen, können wir uns auch nicht wirklich vorstellen.
Es gibt jedoch Vorhaben/Pläne/Änderungswünsche die, sowohl sie basierend auf den aktuellen Erfahrungswerte möglich sein würden, trotzdem im Kreise derer die sich eine solche Bewertung anmaßen für Unmöglichkeiten und Utopien deklariert werden. Die Frage liegt auf der Hand: warum eigentlich? Was treibt Menschen dazu, ein Vorhaben als utopisch zu bezeichnen, obwohl auch sie selbst, bei ehrlicher und objektiver Betrachtung, die Möglichkeit einer Umsetzung nicht ausschließen können?
Ich nehme als Beispiel das Bedarfswirtschaften als Vorhaben zur Änderung des sozialen Miteinanders der Menschen unter sich und des Miteinanders aller Wesen auf diesem Planeten. Das Bedarfswirtschaften besagt, dass jedes Wesen, und nehmen wir hier erstmals den Menschen, nur das Verbrauchen sollte, was es tatsächlich für ein wohlgefühltes Leben braucht. Nach diesem Prinzip würde das Wirtschaften der vorhandenen Ressourcen auch nur das produzieren müssen, was tatsächlich gebraucht wird und nicht mehr.
Klar gibt es hier sofort die Frage: und was ist ein „wohlgefühltes Leben“, bitte schön? Was gehört alles dazu und was nicht? Und wer soll das entscheiden? Und was ist wenn „einer“ (dieser „einer“ kann nur ein Mensch sein, wohl gemerkt) sich so viel mehr als der/alle andere „wünscht“, oder gar behauptet ein „Recht“ darauf zu haben, mehr zu „besitzen“ und implizit zu verbrauchen? Wie steht es mit der persönliche Freiheit des Individuum, sich so zu entwickeln und zu leben wie es ihm beliebt? Was kann das alles für Konsequenzen haben, wenn wir all die Fehlversuche des 20. Jahrhunderts betrachten? Ja, die Fragen gibt es und es gibt in der Tat keinen einzigen Mensch, der diese Fragen alleine beantworten könnte. Die Schatten der Angst vor Veränderung sind lang und zäh und kleben hemmend an unsere Vorstellungskraft – vor allem wenn sie geschickt aus einem uns unbewussten Hintergrund ernährt werden.
Die notwendige Antworten zu den vielen Fragen können nur von den vielen betroffenen Menschen gemeinsam erarbeitet werden. Klar muss sich dafür sehr vieles ändern – vor allem in unserem Denken über uns Menschen und unsere Rolle auf diesem Planeten. Und wir müssen als aller erstes uns selbst fragen: Warum glaube ich so viel zu „brauchen“ und was genau „brauche“ tatsächlich ich um erfüllt leben zu können und glücklich zu sein? Meine eigene Erfahrung zeigt es mir, dass das Meiste was ich früher dachte das ich brauche, im Wesentlichen ein Ersatz für eine andere Bedürftigkeit darstellte, die viel tiefer lag und sich meiner Beobachtung seht geschickt entzog. Einmal entdeckt, ins Licht gerückt und wirklich gesehen, sind die meisten materiellen Bedürfnisse einfach verschwunden. Der wirkliche Bedarf der geblieben ist, ist der an Kommunikation mit anderen Menschen und zwar offen und ehrlich, bedingungslos vertrauensvoll und gegenseitig wertschätzend. Ja, das ist aus heutiger Sicht für viele von uns unvorstellbar – allerdings nicht unmöglich.
Das was es braucht für ein Bedarfswirtschaften der vorhandenen Ressourcen durch die Menschen ist Offenheit und Ehrlichkeit sowie bedingungsloses gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzen. Das würde jedoch bedeuten, dass fast alles, was heute unsere so lieb gewonnene „sichere Weltordnung“ darstellt, sich ändern müsste und zwar so, dass jeder Mensch das gleiche Recht auf ein wohlgefülltes Leben haben und auch erleben kann. Das ist leider von den wenigen, die sich an der Spitze der marktwirtschaftlichen Macht befinden, nicht unbedingt mit wohlwollenden Augen betrachtet und das ist nachvollziehbar. Für eine kleine selbst ernannte Elite würde es bedeuten, ihren nicht natürlichen und somit unberechtigten Anspruch auf „mehr“ aufzugeben und, wie es in düstere Bilder betont wird, sich in die „Anonymität der Maße“ zu begeben, wo alles „gleich“ ist und „keine Individualität“ mehr erwünscht sei.
Das ist allerding nur ein Angstbild, das von den Status Quo Vertretern mit sehr viel Erfolg propagiert wird. Dabei werden allgemeine Begriffe in missverständlicher Weise verwendet, indem Gemeinschaft mit „Abwesenheit von Individualität“ und Gleichberechtigung mit „Freiheitsberaubung“ gleichgesetzt werden. Sehr interessant ist es auch, dass gleichzeitig etwas sehr wichtiges verschwiegen wird: dass in natürlicher Weise die Freiheit eines jeden Individuums an die Freiheit allen anderen Individuen endet, mit den es in gegenseitiger Abhängigkeit lebt, und dass eine gesunde Gemeinschaft nur aus Individuen entstehen kann, die sich ihrer eigenen Einzigartigkeit bewusst sind und die der Anderen in gleicher Maße respektieren und wertschätzen. Das weiß die Wirtschaftselite sehr wohl, denn sie kann nur dann ihre eigene Freiheit ins Unermessliche ausweiten, wenn die „Andere“ dieses Vorhaben nicht bewusst bemerken und kritisch hinterfragen – Angstbilder helfen sehr, die eigene Gedanken in einem Käfig zu verwandeln, aus dem nur schwer zu entfliehen ist.
Das Bedarfswirtschaften ist keine Sozialutopie – dessen Umsetzung ist in den heutigen Kreisen der marktwirtschaftlichen Macht einfach nicht erwünscht. Aus diesem Grund werden alle Bestrebungen in dieser Hinsicht als Utopien abgewertet, leicht von der Hand abgewiesen und, im Extremfall, sogar als potentielle Gefahr verteufelt. Das Bedarfswirtschaften ist lediglich nur etwas, das Menschen, die in der aktuellen Wirtschaftsordnung auf Kosten anderer „erfolgreich“ sein können, gerne als Sozialutopie abwerten wollen. Denn die angestrebte Veränderung würde deren „Heimvorteil“ vernichten, wenn alle Menschen tatsächlich die gleichen Chancen hätten. Wenn wir uns einen Zustand des Seins nicht vorstellen wollen, ihn uns nicht wünschen, dann finden wir immer „gute Argumente“ dieser Zustand als abwegig, ja unmöglich und unerreichbar zu beschreiben.
Das Bedarfswirtschaften ist definitiv möglich – es bedarf allerdings in der Tat einen innigen Zusammenschluss aller Menschen, ein anderes Empfinden der gemeinsamen und gegenseitigen Abhängigkeit, ein anderes Denken über das, was möglich und was unmöglich ist.
Zurzeit denken wir uns zurecht, dass es ein solches Zusammenleben nicht möglich sein kann. Wir tun das, weil wir uns vor dem, was noch nie da war, sehr fürchten, die Verantwortung für eine solche Veränderung nicht übernehmen wollen und stattdessen lieber den Status Quo Aposteln zuhören. Dabei vergessen wir, dass diese selbst sehr daran interessiert sind, dass sich nichts verändert. Die Status Quo Aposteln verteufeln einen Wandel im Denken und Empfinden, weil sie selbst, aus der verführerischen egozentrischen Perspektive einer zu engen Denkweise, das, was auch für sie gutes entstehen könnte, einfach nicht wahrnehmen können. Dafür müssten sie sich erst als unzertrennlicher Anteil der Menschheit empfinden und wahrnehmen. Allerdings, dass wir uns alle gemeinsam als ein Ganzes wahrnehmen, dafür sind wir alle verantwortlich. Keiner von uns kann dieser Verantwortung entgehen oder sie abgeben – wir tragen sie alle auch dann, wenn sie uns nicht bewusst ist.
27.10.2013 / Warum braucht der Mensch einen „Arbeitsplatz“?
Oktober 27, 2013
Diese Frage beschäftigt mich zunehmend – vor allem weil es immer wieder heißt, dass das (heute so besprochene) „nachhaltiges Wirtschaften“ auch die „Sicherung von Arbeitsplätzen“ beinhalten soll. Mir ist nicht wirklich klar warum es eine „Sicherung der Arbeitsplätzen“ geben soll und was das mit „Nachhaltigkeit“ zu tun hat. Soll die „Sicherung von Arbeitsplätzen“ eine Bedingung für die „Nachhaltigkeit“ sein? Oder für das Wirtschaften? Wie sind diese Begriffe in diesem Zusammenhang wirklich verwendet? Welche ist die Absicht, die dahinter steht?
Ich gehe es mal Schritt für Schritt an:
– Nachhaltig bedeutet in ganz einfachen Worten so viel wie „eine Ressource nur so intensiv verwenden, dass sie genug Zeit hat sich ausreichend zu regenerieren und somit die Gefahr vermieden wird, dass sie erschöpft werden kann“.
– Wirtschaft/en bedeutet grundsätzlich „effizient über die Verwendung von begrenzten Ressourcen zu entscheiden, um die bestmögliche Bedürfnisbefriedigung zu erreichen“.
– Für den Arbeitsplatz gibt es in der heutigen Zeit eine sehr interessante Definition: Der Arbeitsplatz ist jene Stelle im Betrieb, einer Verwaltung oder einer Organisation, an welcher ein abhängig Beschäftigter seine im Rahmen des Arbeitsverhältnisses geschuldete Tätigkeit erbringt.
Mit anderen Worte, wenn wir uns auf uns Menschen beziehen – denn wir sind die, die anscheinend Arbeitsplätze brauchen – bedeutet die „Sicherung von Arbeitsplätzen“ in einem „nachhaltigen Wirtschaften“: Die begrenzte Ressource Mensch nur so intensiv verwenden, dass sie nicht Gefahr läuft sich zu erschöpfen und somit stets als abhängiger Beschäftigter ihre im Rahmen des Arbeitsverhältnisses geschuldete Tätigkeit erbringt, sodass die bestmögliche Bedürfnisbefriedigung erreicht wird.
Eine klare, in der heutigen Zeit gut nachvollziehbare Definition, nicht wahr? Allerdings, was noch zu klären wäre ist:
– welche Bedürfnisse genau sollen bestmöglich befriedigt werden?
– wer genau diese Bedürfnisse tatsächlich hat und erfüllt haben möchte?
– warum die Bedürfnisbefriedigung von abhängigen Beschäftigten durch Erbringung einer geschuldeten Tätigkeit erfolgen muss?
– warum wird der Mensch überhaupt als Ressource betrachtet, von wem und mit welcher Absicht genau?
– wer davon zu profitieren hat, wenn es alles so bleibt wie es, laut dieser Definition, heute ist ?
Ich finde persönlich, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ oft nur im marktwirtschaftlichen Sinne verwendet wird. Der Begriff an sich lässt das zu: Nachhaltigkeit im engeren Sinn betrachtet allein nur die Verwendung von begrenzten Ressourcen. Es liegt an einem Jeden von uns, ob überhaupt einen Zusammenhang zu der unmittelbaren Umwelt der betrachteten Ressourcen und zu dem soziologischen Ökosystem, das diese Ressourcen verwendet, hergestellt wird, oder wie und ob dies im größeren Zusammenhang unseres Planeten angesehen wird.
So entsteht in mir die Frage warum wie es dazu kommt, dass Menschen als eine verwendbare Ressource angesehen werden können – das überhaupt das Leben als eine Ressource angesehen werden kann? Warum wurde zur Bedingung für das Leben eines Menschen, dass er einen Arbeitsplatz hat, wo er als abhängiger Beschäftigter eine geschuldete Tätigkeit erbringen muss?
Klar ist es mir auch: ein Mensch muss, um leben zu können, allerlei Güter konsumieren, die dafür in irgendeiner Weise hergestellt und/oder bereitgestellt werden müssen. Es ist eine Lebensnotwendigkeit, dass wir Menschen, auf einem Planet lebend, der uns nur begrenzte Möglichkeiten zur Befriedigung unserer Lebens-Bedürfnisse zur Verfügung stellt, uns bewusst mit dem nachhaltigen Wirtschaften dieser Möglichkeiten beschäftigen.
Die viel wichtigere Frage, aus meiner Sicht, ist jedoch: Braucht ein Mensch wirklich einen Arbeitsplatz (im marktwirtschaftlichen Sinn) als Grundsicherung, sogar Rechtfertigung seiner Existenz? Oder, im Kehrschluss, ist ein Mensch, der keinen Arbeitsplatz „hat“, es nicht würdig zu leben? Bitte hier um Aufmerksamkeit: ich meine hiermit nicht die Arbeit an sich – Arbeit ist ein integraler Bestandteil der menschlichen Existenz: Der Mensch arbeitet immer, denn als bewusstes Wesen ist er meist schöpferisch tätig, stets sich an seine Umwelt und seine Umwelt an seine Bedürfnisse anpassend. Nun, nicht alles, oder besser ausgedrückt das wenigste seiner Arbeit kann im marktwirtschaftlichen Sinne ausgewertet werden und sichert im aktuellem System einen Lebensunterhalt. Und das nicht weil diese (wie auch immer geartete) Arbeit nicht wertvoll wäre (erkennen wir hier bitte sehr hoch an die Arbeit einer Mutter, um nur das offensichtliche Beispiel zu erwähnen), sondern weil sie in der gelebten Marktwirtschaft nicht als „Arbeitsplatz“ vorgesehen ist und somit oft sogar mit Absicht verkannt. So entstehen groteske Bilder unserer Gesellschaft: Schwangerschaft wird als Hinderungsgrund zu einer Anstellung und als eine finanzielle Belastung angesehen – eine werdende Mutter ist den Anforderungen, die ein abhängig Beschäftigter zu erfüllen hat, nicht gewachsen und kann dadurch die geschuldete Tätigkeit nicht für den „Arbeitgeber“ zufriedenstellend erbringen. Es ist erschütternd: Dieser ungeschriebenen marktwirtschaftlichen Regelung nach, ist ein Wesen, das auf dem Weg ist einem anderen Wesen das Leben zu schenken, nicht (mehr) zum selbständigen Leben berechtigt, da es keinen „Arbeitsplatz“ (mehr) bekommen kann … Glücklicherweise ändert sich die Situation zunehmend in der letzten Zeit: immer mehr „Arbeitgeber“ handeln nicht mehr nach dieser abstrusen Regel und sehen erst den Menschen und danach den eigen erstrebten Profit – das gibt Hoffnung, dass wir uns endlich auf den Weg machen, ein Miteinander zu erschaffen.
In meinem Empfinden kann das Ziel des Wirtschaftens nur das Hüten des Lebens sein, denn nur so können wir dafür sorgen, dass wir und unsere Nachkommen überleben werden. Wir können nur dann den Begriff Nachhaltigkeit auf die Menschheit übertragen, wenn wir uns, die Menschheit, als integraler Anteil unserer Umwelt empfinden: unzertrennlich verbunden und gegenseitig voneinander abhängig. Erst dann wären wir, meinem Gefühl nach, im Stande unsere wirkliche Bedürfnisse zu erkennen und zu deren bestmöglichen Befriedigung zur Tat schreiten. Erst dann würden wir wissen können, was wir gemeinsam wirklich brauchen und dies mit dem vergleichen, was uns auf diesem Planeten als Lebensgrundlage angeboten wird. Erst dann wären wir fähig ein Wirtschaften zu entwickeln, dass wahrhaftig nachhaltig ist. Ein Wirtschaften, das unsere menschliche Bedürfnisse bestmöglich befriedigt und gleichzeitig auch die unserer Umwelt.
In meiner Vision würde so ein Wirtschaften ein Bedarfs-Wirtschaften sein – wir würden nur so viel produzieren und konsumieren, wie für ein erfülltes Leben wirklich notwendig ist. Ja, die Frage ist unmittelbar und voll berechtigt: was ist ein erfülltes Leben? Wie und vor allem von wem kann es definiert werden? Meiner Empfindung nach, kann das erfüllte Leben nur von allen Menschen gemeinsam definiert werden. Denn keiner von uns, auch nicht in kleinen Gruppen von sehr klugen Köpfen, wäre im Stande dies alleine zu definieren – der eigene Blickwinkel ist dafür einfach zu eng um alle Konsequenzen effektiv betrachten zu können. Und, noch wichtiger, keiner von uns kann für sich alleine Leben, ohne mit dem Leben anderer Wesen und mit seiner Umwelt zu interagieren.
Meine Freiheit „mein erfülltes Leben“ so zu leben, wie ich es möchte und gerne hätte, grenzt unvermeidbar an die Freiheit anderer Wesen „ihr erfülltes Leben“ so zu leben, wie sie es möchten und gerne hätten. Wenn diese Bedürfnisse ungleich sind und auf einander prallen, dann können, wie die Menschheitsgeschichte es klar zeigt, Missbrauch und Verbrechen, bis zum Mord und Krieg zwischen Menschen (und zwischen Mensch und Natur) entstehen. Es braucht vor allem ein selbstverständliches Miteinander aller Wesen und wir, die Menschen, da wir uns bewusst dafür oder dagegen entscheiden können, sind gefragt dieses Miteinander zu erschaffen.
Warum für die Erhaltung der Marktwirtschaft es unbedingt nötig ist, dass der Mensch einen Arbeitsplatz braucht um überhaupt leben zu dürfen, das müsste mittlerweile jedem von uns klar sein: Weil ein Mensch „ohne Arbeitsplatz“ seinen Lebensunterhalt nicht „verdienen“ kann und dadurch quasi „nicht lebensfähig“ ist, da er sich ohne „verdientes Geld“ an den Wirtschaftskreislauf des bedarfsunabhängigen Konsumierens nicht „beteiligen“ kann – oder wie neulich von einem Verfechter des Konsumismus in einer Talk-Runde auf ARTE dargestellt: weil der „Mensch ohne Arbeitsplatz“ nicht „kreditfähig“ sei … als ob das Ziel eines Menschen im Leben die Erfüllung der eigenen finanziellen Kreditfähigkeit wäre – vielleicht ist es immer noch, für noch zu viele von uns, das unbewusste Ziel, das verfolgt wird …
Wenn es um eine Veränderung der etablierten Ordnung geht, stellt sich ganz am Anfang die Frage nach dem „wie“: Wie soll so ein neues Wirtschaftssystem aussehen und nach welchen Regeln und Prioritäten funktionieren? Ich habe meine eigene Vorstellungen davon, wie so eine Gesellschaft aussehen könnet und gleichzeitig weiße ich ganz sicher, dass diese Vorstellungen, beim besten Wissen und Gewissen und allen guten Absichten, vollkommen unzureichend sind, um das zu konzipieren, was eine Menschheit braucht um zu überleben. Dafür muss ich mich mit vielen anderen Menschen zusammensetzen, in den Dialog gehen und mit ihnen die gemeinsame Vorstellung entwickeln, die für uns alle das Gemeinwohl representiert.
Ich nehme mal an, dass wir alle uns in der Tat dazu entscheiden, uns zu einem bedarfsorientierten Wirtschaften weiter zu entwickeln. Warum sollte der Mensch, in einem bedarfsorientiertes Wirtschaften, einen Arbeitsplatz brauchen und das als seine Dasein- und Lebensbedingung akzeptieren? Müssen tatsächlich, in einem bewusst nachhaltigen, bedarfsorientierten Wirtschaften, alle Menschen die meiste Zeit ihres Lebens arbeiten? Welcher ist der tatsächlicher Bedarf dafür? Heute werfen wir fast die Hälfte dessen was wir alle produzieren einfach weg – es ist eine Tatsache dagegen, dass das Essen, das einer Milliarde Menschen fehlt, in unserer westlichen Wirtschaft weggeworfen wird. Das bedeutet, dass bei einem bedarfsgerechten Produzieren und verteilen von Gütern, möglicherweise ein Drittel der aktuell in der Wirtschaft arbeitenden Menschen nichts mehr zu tun hätten, da der Bedarf bereits abgedeckt wäre. Das bedeutet auch ihren Bedarf, an alles was sie fürs Leben brauchen, wäre damit abgedeckt. Warum dann für das Wirtschaften zwangsläufig arbeiten? Warum nicht stattdessen abwechselnd arbeiten? Oder nur 10-15 Jahre im ganzen Leben?
Ich stelle mir vor, dass, in Zeiten wenn vieles nicht mehr notwendig ist, nur ein geringer Anteil der Gemeinschaftsmitglieder tatsächlich überhaupt was zu tun hätten und das die, die gebraucht wären, dies als Selbstverpflichtung erfüllen. Sind diese Pflichten gegenüber der Gemeinschaft dann noch Arbeitsplätze, die ein Mensch braucht? Oder sind sie selbstverständliche Dienste an die Gemeinschaft (und hier ist die Große Gemeinschaft aller Wesen gemeint), die jeder eine Zeitperiode seines Lebens freiwillig und selbstbestimmt leisten möchte ?
Ist, in einer sich bewussten Gemeinschaft aller Menschen, nicht auch eine selbstverständliche Selbstverpflichtung eines Jeden gegenüber der Gemeinschaft vorauszusetzen? Eine Selbstverpflichtung, die ein ehrenamtliches Wirken eines jeden Gemeinschaftsmitglied für die Gemeinschaft implizit beinhaltet? Und das solange dieses Wirken notwendig ist? Eine Selbstverpflichtung im vollsten Vertrauen, dass das, was von dem Einen Allen gegeben wird, durch Achtung und sichere Unterstützung des Lebens, auch von Allen dem Einem wieder zurück gegeben wird?
Ich stelle mir für uns alle eine Gesellschaft vor, in der es für jeder eine Freude ist, zum Wohle aller Wesen und der Umwelt, nach eigene Begabung und Fähigkeit, jedoch auch nach Notwendigkeit, einen freiwilligen Dienst zu leisten – ein Geschenk und Gabe in dem Wissen, dass wir alle für uns gemeinsam Sorge tragen und keiner von uns jemals ohne Unterstützung bleiben kann. Dabei würden wir uns sicher vom Konsumismus verabschieden und unsere Aufmerksamkeit auf die wesentliche Aspekte des Lebens richten – Aspekte die jeder von uns schon immer in seinem Inneren spürt. Natürlich bedarf es dafür einer weitergehenden spirituellen Entwicklung, an der wir alle gemeinsam uns bewusst beteiligen. Ich sehe da kein Problem – das Potential ist offensichtlich vorhanden. Warum tun wir das noch nicht? Was genau hält uns davon ab?
22.09.2013 / Das fraktalische Muster dessen, was IST …
September 22, 2013
Der spannendste Augenblick im Wahrnehmungsprozess meines Selbst, im Bezug und Kontext meiner Umwelt, ist stets der Augenblick, wenn es mir, immer wieder erneut, bewusst wird, dass das, was ich gerade anfange systemisch zu erahnen – also das gerade von meinem Verstand „begriffene“ Um-Welt-System – seinerseits lediglich nur ein weiteres Sandkorn im unendlichen Sandmandala des Universums ist. Klar, die Erkenntnis ist nicht neu – jedoch stets verblüffend wenn absichtlich bewusst betrachtet.
Die Frage die sich mir dann sogleich stellt ist: Als Mensch, verglichen mit dem unendlichen Bild des Universums, kann ich nur ein sehr begrenztes bewusstes Dasein erleben – wo liegt im Angesicht dieser Tatsache die gesunde Grenze dessen, worüber ich mir, in meiner sehr begrenzte bewusste Existenz, überhaupt gewahr werden kann oder gar sollte? Was kann ich bewirken, wenn ich mich für diese, oder jene Entwicklung entscheide, und wer, was ist davon tatsächlich betroffen? Was ist, oder gar sollte mir wichtig sein, in meinem menschlichen Leben? Welche sind die tatsächlichen Prioritäten, die gesetzt werden sollten, und anhand welcher Kriterien kann ich sie überhaupt als für mich „richtig“ erkennen?
Bisher lasse ich mich von meinem Bauchgefühl, von meiner Intuition, von dem was ich (und andere) „ die Quelle“ nenne führen – ich habe keine logische Erklärung für vieles was ich spüre und trotzdem fühlen sich die Entscheidungen, die ich treffe, „gut“ an. Sie fühlen sich für mich gut an und deswegen treffe ich sie und vielleicht auch dadurch kann ich behaupten, dass ich ein behütetes, gesegnetes Leben geführt habe und stets führe. Wie fügt sich das, jedoch, in das viel größere Bild der Menschheit? Was nehme ich wahr, von dem was anderen Menschen „gut“ tut, was für andere Menschen sich „gut anfühlt“, wodurch andere Menschen sich in ihrem Leben sicher und behütet fühlen und dadurch wohl ?
Wenn ich als menschliches Wesen ein (sehr komplexes – ein Wunder) System bin, dann bin ich auch ein integraler Teil eines viel größeren Systems – der Menschheit. Die ein integraler Teil eines viel größeres Systems ist – der Erde. Die ein integraler Teil eines viel größeres Systems ist – des Sonnensystems … und unendlich so weiter. Und bereits nach den ersten fraktalischen Stufen wird es mir klar vor den inneren Auge geführt, wie unbedeutend mein materielles menschliches Streben nach Reichtum und vermeintliche Sicherheit ist und wie oft, gerade wegen diesem Streben, ich einfach vergesse das sehr vergängliche Wunder des Lebens zu genießen. Ein Wunder dessen ich ein integraler Teil BIN.
Vielleicht ist der SINN das Leben in seiner Vielfalt zu hüten, überhaupt zu bewahren und bewusst dafür zu sorgen, dass es über-lebt ? Vielleicht sind wir Menschen nur deswegen da, um zu ermöglichen, dass das Leben die fraktalischen Entwicklungs-Stufen des Unbekannten erklimmen kann? Kann das die Aufgabe sein …?
07.09.2013 / Was soll „Work-Life-Balance“ sein …?
September 7, 2013
Ich beobachte, dass es immer mehr Menschen bewusst wird, dass es ein Gleichgewicht geben muss, zwischen dem, was einem „Spaß“ macht, und dem, was einem ermöglicht sich seinen persönlichen „Spaß“ zu „leisten“. Gleichzeitig sind es extrem wenige Menschen, die von sich behaupten können, dass sie ihren „Lebensunterhalt“ – also die Berechtigung zum Leben! – sich damit „verdienen“ in dem sie einer Beschäftigung nachgehen die einer wirklichen „Berufung“ entspricht, ihnen intim-persönlich auch Spaß macht und ihnen geistige wie körperliche Erfüllung bringt.
Ich persönlich bin keine Ausnahme – auch ich würde gerne auch die anderen Seiten meines Potentials mehr entfalten und ausgiebiger ausleben können, als die „freie“ Zeit, die mir nach dem „Lebensunterhaltverdienen“ übrig bleibt, mir es in der Tat erlaubt. Diese Tatsache beobachtend stellt sich mir dringend die Frage, die fast zur allgemeinen „Binsenweisheit“ geworden ist, ob ich im Moment mein „Lebensunterhalt“ mit der „richtigen“ Arbeit bestreite und ob ich nicht „was anderes“, „besseres“, zu mir „passenderes“ tun sollte? Mich so was zu fragen fällt mir gar nicht schwer, denn sie ist sozusagen „in aller Munde“. Merh noch: Dieser Frage nachzugehen ist die Grundlage des „Lebensunterhaltverdienens“ einer ganzen Wirtschaftsbranche geworden: sehr viele Menschen mit wirtschaftlichem Sinn haben ein sehr gutes „Geschäftsmodell“ darin gefunden: sie bieten anderen Menschen, die auf der Suche nach deren „Berufung“, die dann in eine „Arbeit“ münden soll die gleichzeitig „Spaß“ macht und das „finanzielle Überleben“ sichert, kostenpflichtige „Unterstützung“.
Und das Geschäftsmodell ist tatsächlich erfolgreich – in meinem Empfinden jedoch, nur für die, die davon leben, dass andere Menschen der angebotenen „Unterstützungsleistung“ gebrauch machen. Die Menschen, die sich (ob freiwillig oder vom Arbeitsmarkt gezwungen) zur „beruflichen Selbstfindung“ beraten lassen, kommen über kurz oder lang unweigerlich zu dem Erkenntnis, dass Ihnen in dem aktuellen systemischen Gefüge nur folgenden praktikablen Alternativen möglich sind: sich mit ihrer „Berufung“ „Selbständig“ zu machen und ihr „eigener Chef“ zu werden – es zu versuchen die eigene Berufung zum erfolgreichen Geschäftsmodell umzuwandeln, oder solange zu suchen, bis sie eine Arbeit/Arbeit“geber“ Kombination finden, die ihnen die gewünschte Erfüllung in einem Angestelltenverhältnis ermöglicht.
Gut, es gibt natürlich auch die Möglichkeit „auszusteigen“, oder, wenn ein greifendes Sozialsystem vorhanden, sich materiell einzuschränken und am Lebensminimum zu überleben. Diese Variante würde die innere und gar äußere Freiheit eines sich der spirituellen Entwicklung widmenden Individuum zwar garantieren, wird jedoch aktuell von der Mehrheit der Menschen als „parasitäres Leben auf Kosten der Gesellschaft“ betrachtet und somit gesellschaftlich verpönt. Der Mensch muss was marktwirtschaftlich anerkanntes „leisten“ um seine Dasein Berechtigung in der Gesellschaft zu haben. Das müßige „Nichtstun“ und die Entfaltung und das Ausleben von Fähigkeiten, die offensichtlich nicht „marktwirtschaftlich produktiv“ sind, ist von der heutigen Allgemeinheit nur den Menschen erlaubt, die, in irgendeiner Weise (das „wie“ ist ein Thema für sich), die eigene „Lebenskosten“ bereits vorher gedeckt haben können oder dafür sorgen können, dass diese Kosten durch „großzügige Spendern“ gedeckt werden.
Was übrig bleibt ist die Mehrheit der Menschen, die entweder die meiste ihrer Lebenszeit einer Arbeit widmen, die sie nur für das Lebensunterhaltverdienen verrichten, oder, wenn sie „ihr eigener Chef“ sind, der Jagd nach „Kunden“ und „wirtschaftlichem Erfolg“ und der Ausfertigung der eigenen Buchhaltung und der Unterlagen für das Finanzamt opfern müssen. Der Stress für die Bewältigung dieses inneren Ungleichgewichts, zwischen dem was dem inneren Wunsch entspricht und dem was tatsächlich möglich ist, ist vor allem diesen Menschen vorbehalten, denn sie haben meist viel Mühe in ihrer „Freizeit“ dem nachzugehen wonach ihr Herz verlangt.
Interessanterweise, genau aus dieser Situation hat sich einer der erfolgreichen Beratungs- und Coaching-Bereiche entwickelt: die Zeitmanagement-Beratung, oder, wie es neulich sehr gerne benannt wird – das Work-Life-Balance Coaching. Mit anderen Worte: es gibt Menschen, die es wissen wollen und gerne in teuer bezahlte Seminare und Schulungen weitergeben möchten, wie, trotz eines überdimensioniertes Lebensunterhaltverdienens, ein Mensch sein ganzes Potential entwickeln und sein Leben in ein gesundes Gleichgewicht halten kann. Das soll ganz leicht sein – wie der Name es besagt: Arbeit ist Arbeit, persönliches Leben ist persönliches Leben und mit der richtigen Planung kann „das alles“ in einem gesunden Gleichgewicht gehalten werden – eine Sache der Organisation und der persönlichen Entscheidung über Prioritäten und Reihenfolge. Es gibt „zertifizierte“ „Methoden“, „Konzepte“ und „Masterpläne“, die alles berücksichtigen was ein Mensch tun soll, um auch sein menschliches Dasein ausleben zu können. Nach der Arbeit, selbstverständlich.
Nun, an dieser Stelle drängen sich mir folgende Fragen auf:
– Kann es Arbeit ohne Leben und Leben ohne Arbeit geben – mit anderen Worten: lebe ich nicht wenn ich arbeite?
– Warum wird gerade diese Trennung so im Vordergrund gestellt? Soll „Arbeit“ als ein „notwendiges Übel“ angesehen werden und so „organisiert“ sein, dass es doch auch Zeit zum Leben übrig bleibt? Zeit zur Erholung, die dann zum Weiterarbeiten wieder befähigt? Zum „marktwirtschaftlichen produktiven“ Arbeiten? Wie „produktiv“ müssen wir Menschen denn sein?
– Was/wer steckt tatsächlich dahinter? – kann es sein, dass es vielleicht mal wieder ein Versuch ist, die Aufmerksamkeit von den Ursachen von Stress auf die einfachere Bekämpfung der Symptomen zu lenken?
– Sind das Leben und die Arbeit tatsächlich gegensätzlich? Und wenn nicht, wozu wird ein künstliches Gleichgewicht benötigt?
– Wer hat Interesse und welches Interesse soll es sein, dass das Leben und die Arbeit als Gegensätze auf die Waage gestellt werden?
– Woher kommt es überhaupt und in der Tat, dass so viele Menschen die Arbeit nicht als erfülltes Leben empfinden können und Hilfe bei der Bewältigung von Arbeitsstress benötigen? Wer hat Interesse, dass sinnloses, stressvolles Arbeiten von Menschen verrichtet und sogar als lebens-notwendig empfunden wird?
– Oder ist hier vielleicht nur ein falsches Verständnis der innigen Bedeutung von Arbeit im Leben entstanden, das letztendlich die Ursache von Stress wurde?
– Und ist das falsche Verständnis absichtlich verursacht worden? Von wem und warum?
– Und nicht zuletzt: Warum wollen so viele Menschen gerade damit so viel Geld verdienen, um ein künstlich erzeugtes Ungleichgewicht noch künstlicher auszugleichen?
In meinem Empfinden gibt es die Trennung zwischen der Arbeit und dem privatem Leben nicht. Ich lebe in jedem Augenblick, ob ich einer Aktivität nachgehe, bei der ich nur Anteile meines Potential verwende und mit der ich meinem Lebensunterhalt in diesem System bestreite, oder ob ich müßig meine Zeit mit „unproduktivem Nichtstun“ oder der persönlichen Entwicklung verbringe. Und es liegt an mir persönlich, ob ich diese Ausprägungen meines Selbst als getrennt, oder stets vereint einsehe und betrachte. Der Lern- und Weiterentwicklungsprozess findet ununterbrochen statt, wenn ich mir dessen was ich tue bewusst bin. Das, worauf ich mich bewusst einlasse macht mir Spaß und eröffnet mir stets neue Möglichkeiten der Selbsterkenntnis, ob Lebensunterhaltverdienen oder privates Vergnügen.
Persönlich empfinde ich es als sehr gefährlich das „private Leben“ als getrennt von der Zeit in der ich einer „Arbeit“ nachgehe zu betrachten. Noch gefährlicher erscheint mir der Versuch diese Bereiche auf die Waage zu stellen und ein künstliches „Ausgleich“ zu erzeugen, in dem der Mensch in seinem privaten Leben mit „Erholungsaktivitäten“ und „Gesundheitsvorsorge“ „fit für die Arbeit“ gehalten werden sollte. Fit für eine Arbeit die in ihrer Sinnigkeit und Notwendigkeit, von denen die dieses Gleichgewicht und die dafür „notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen“ befürworten, nicht mal im Ansatz hinterfragt wird. Der Mensch soll ein „ausgeglichenes Leben“ führen und deswegen, was an einem Ende systembedingt fehlt, soll einfach an das andere Ende im Überfluss sein. Das ist meiner Ansicht wie ein neuer Anstrich auf eine rostige Stelle – sieht eine kurze Zeit besser aus und dann gibt es doch ein Loch das nicht mehr repariert werden kann. Gleichzeitig, ist es mir auch klar, das in der heutigen Zeit dieser Ausgleich für sehr viele Berufstätige notwendig ist – nur, ist er auch die Lösung, die dafür sorgt, dass dieser Ausgleich irgendwann nicht mehr notwendig wird, weil die Ursachen wirklich beseitigt wurden?
Der Mensch, wie auch jedes anderes Wesen, wie das Leben an sich, ist keine Maschine die „konfiguriert“ und „in Stand“ gehalten werden soll, oder gar möchte. Wenn es im Leben eines Menschen ein Ungleichgewicht wegen der „Arbeit“ entsteht, dann, nach meiner Wahrnehmung, passiert es weil das, was der Mensch IST, in der zum Leben vorhandenen Umgebung nicht SEIN kann. Die Lösung hier, da diese Umgebung von Menschen für Menschen willkürlich erschaffen wurde, ist für mich nicht die Menschen zwangsläufig an diese künstliche Umgebung anzupassen, indem sie zum künstlichen Ausgleich getrimmt werden, sondern eine neue, dem Leben wohltuende Umgebung zu kreieren, in der die Menschen gerne und erfüllt Arbeiten als Teil des Lebens erleben können. Eine Umgebung in der das Arbeiten der inneren Berufung eines Menschen entspricht und somit ihm Spaß macht und Erfüllung mit sich bringt.
Eine solche lebensfreundliche Umgebung kann sich, nach meiner Empfindung, ein einzelner Mensch alleine, oder eine kleine Gruppe von Menschen, nur im ganz groben Ansatz vorstellen – dafür sind die Blickwinkel und Ansichten aller daran beteiligten Lebewesen (nicht nur der Menschen) notwendig, die gemeinsam das Neue schöpferisch erschaffen. Meines Erachtens ist es töricht und hochmutig zu erwarten, dass wenige Menschen, anhand von historisch-spezifisch angedachten „Methoden“ und „Konzepten“, die unterdessen, ob bewusst oder nicht, vorwiegend bestimmten marktwirtschaftlichen Gruppeninteressen vertreten, für alle andere Menschen und für das gemeinsame Leben auf diesem Planeten die Verhaltensregeln für den „richtigen“ Weg ersehen und allen anderen aufzeigen könnten.
Die Entwicklung einer nachhaltigen Lebensgemeinschaft kann, nach meiner aktuellen Wahrnehmung, nur noch in höchster Achtung und tiefem Respekt gegenüber dem Leben so wie es IST. Achtsame Wahrnehmung der Gleichwertigkeit aller Lebewesen (wovon die Menschen nur ein kleiner Anteil sind) und der massiven Co-Abhängigkeit und Nicht-Zertrennbarkeit im gemeinsamen Koexistenz ist hierfür unabdingbar. Eine nachhaltige Lebensgemeinschaft kann nur von allen daran Beteiligten gemeinsam, mittels eines bewussten Dialogs erschaffen werden. Dabei ist das respektvolle gegenseitige Zuhören und Wahrnehmen der jeweilig notwendigen und bedarfsgerechten Freiheiten und Pflichten der Individuen und Wesen-Arten sehr wichtig. Ego-getriebene Einzelinteressen, Besitzansprüche, Machtstreben und manipulatives Verhalten sind dabei die Haupthindernisse auf dem Weg zu einer Lebensweise die allen Beteiligten gemeinsam wohltuend ist.
So können auch für uns Menschen die Arbeit und das (private)Leben wieder zu der natürlichen Einheit werden, die sie eigentlich schon immer SIND. Einheit die jedoch im Laufe der Geschichte, aufgrund der Verfolgung einzelnen egozentrischen Ziele, anscheinend verloren gegangen ist und heute zu einer künstlichen Spaltung in unserer unbewussten Wahrnehmung führt. Wir haben selbst das Ungleichgewicht kreiert und zwar alle gemeinsam – einige von uns haben es angestoßen, viele von uns „verklären“ es heute noch, die meisten von uns nehmen es unbewusst als gegeben an und richten danach unser Leben. So haben wir uns entwickelt und wurden zu der Menschheit die wir heute sind. Diesen Lebens-Zustand verändern? Das können nur wir, alle gemeinsam. Dafür braucht es allerdings eine bewusste und klare Absicht es auch tun zu wollen.
10.08.2013 / Selbst-Ständig, Unternehmer, selbständiger Unternehmer …?
August 10, 2013
Im heutigen wirtschaftlichen Gefüge sind Attribute wie „Selbständigkeit“ und „Unternehmer“ quasi selbstverständlich mit hohe Intelligenz, Umsetzungskraft und besondere Fähigkeiten assoziiert. Gleichzeitig werden sie jedoch auch mit sozialen Werte wie Selbstbestimmtheit, Innovation- und Entwicklungspotential und dadurch implizit mit Freiheit und Unabhängigkeit gleichgesetzt. Für viele Menschen ist ein „Selbständiger Unternehmer“ ein Symbol für die Entscheidungs-Freiheit im Bezug auf die Gestaltung des eigenen Lebens.
Was wird heute im Allgemeinen wirklich darunter verstanden, wenn ein Mensch als „Selbständiger“ oder/und „Unternehmer“ bezeichnet wird? Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob das, was heute als „Selbständiger“ gelebt wird, mit dem tatsächlichen Erleben eines Selbstständig-Seins übereinstimmt? Und im welchem Umfang ein „Unternehmer“ tatsächlich etwas schöpferisches unternimmt, um wirklich das Unternehmer-Sein erleben zu können?
Ich beobachte, dass mit der Kategorisierung eines Menschen als „Unternehmer“ und/oder „Selbständiger“ werden dem jeweiligen Menschen fast automatisch eine Reihe von weiteren „Leistung“-Merkmale zugeordnet, wie z. B. besondere Erfahrung, Expertise, Führungsqualitäten, wirtschaftlicher Erfolg, finanzielles Reichtum (mindestens als Ziel), Eliteanspruch und besondere Rechte und Privilegien zugesprochen; es werden jedoch zum Teil auch extrem hohe Anforderungen und Erwartungen an die von diesem Menschen zu erbringenden „Leistungen“ gestellt.
Kann das im Einklang mit einer gelebten Entscheidungs-Freiheit und Selbstbestimmtheit des Menschen sein? Und überhaupt, in diesem Spezialfall: Ist ein Mensch, der heute als „selbständiger Unternehmer“ tätig ist, tatsächlich selbständig oder sogar Unternehmer , so wie die „marktübliche“ Berufs- und Tätigkeitsbezeichnungen es vorgeben wollen?
Was qualifiziert tatsächlich einen Mensch als „Unternehmer“? Kann ein Mensch nur in Verbindung mit einem „erfolgreichen marktwirtschaftlichen Geschäft“, einem sogenannten guten „Business Plan“, als Unternehmer bezeichnet werden? Ist ein Unternehmer nur ein Mensch, der erfolgreich etwas „vermarkten“ kann, auch wenn die Vermarktung schließlich nur der eigenen Bereicherung dient? Und ist ein Unternehmer, nach der marktwirtschaftlicher Definition, auch ein Mensch der tatsächlich sein schöpferisches Potential zum Wohle deren einsetzt, ohne die sein Unternehmer-Sein gar nicht existieren könnte?
Wann ist ein Mensch tatsächlich „selbständig“ – Sind Menschen die als Freiberufler und Einzelunternehmer arbeiten „selbständiger“ als die Menschen die „angestellt“ ihr Lebensunterhalt verdienen? Wie definiert sich „Selbständigkeit“? Nach welchen Kriterien wird „beurteilt“ ob ein Mensch „selbständig“ ist, oder nicht? Was für einen Einfluss hat das heutige Denken über „Selbständigkeit“ auf unsere Umwelt – tut es uns allen gut, wenn wir alle nach den heutigen Maßstäben „Selbständig“ werden? Und leben wir dann, wenn wir nach den Maßstäben des aktuellen Wirtschaftssystem als „Selbständige“ bezeichnet werden können, in der Tat SELBST-STÄNDIG?
Warum wird heute das „unternehmerisch Selbständig-Sein“ von so vielen Menschen in sozial-beratenden Berufen als „Weg der spirituellen Weiterentwicklung“ gesehen und empfohlen – hat das eine Berechtigung, oder ist es nur ein weiterer Versuch sich der „Marktnachfrage“ nach eine Verbindung zwischen dem heutig praktizierten Konsum-Wirtschaften und dem spirituellen Wachstum anzupassen? Bringt das heiß empfohlene marktwirtschaftliche „Selbständig-Sein“ den Menschen mehr Zusammenhalt und Frieden in ihr Leben, oder führt eher zu noch mehr Stress, Abgrenzung, Konkurrenz und Trennung?
Ich frage mich: Hilft das alles einem Wandel zu einer Welt in der alle miteinander entspannter, zufriedener und glücklicher leben können?
21.07.2013 / Das Sonnenbrille-Kopfhörer-Syndrom …
Juli 21, 2013
Die Welt ist ein unwahrscheinlich schönes Bilderkarussell – vor allem dort, wo der Mensch seinen Einfluss begrenzt hat und die Natur freien Lauf in ihrer Entwicklung beibehält. Prächtige Farben in allen Schattierungen erfreuen unsere Augen und das desto mehr, wenn die Sonne scheint. Das grüne Glitzern der Chlorophyll in den Pflanzenblätter, wenn sie von Sonnenstrahlen berührt und vom Licht durchdrungen werden, ist ein unvergleichlich schönes Spektakel der Natur, das durch keine künstliche Beleuchtung erreicht werden kann. Und dann das Schimmern der Libellenflügeln über die Spiegelung im Wasser des Baches, die Farbentänze der Schmetterlinge auf der Blumenwiese, das Dunkelgrün des Nadelwaldes, oder das Weiß des Schnees und der Gletscher unter dem blauen Himmel , um nur sehr wenige, fast allen Menschen bekannten und prägenden Symbolbilder der Natur zu erwähnen.
Auch sonst ist all das, was uns umgibt, eine einzigartige Chance die Sinnen mit unterschiedlichsten Reizzusammenstellungen zu verwöhnen – eine unwiederholbare Chance zur unmittelbaren Sinnes-Wahrnehmung. So sind nicht nur unsere Augen von der Lichtgestaltung geschmeichelt, sondern auch unsere Ohren von den Geräuschen des Lebens durchdrungen – vom Leben das überall kriecht, streift, fliegt, summt und singt, pfeift und keucht was das Zeugt hält. Das Leben ist überall und wir Menschen sind integraler Anteil darin.
So gehe ich auf die Straße und durch den Wald und beobachte, dass sehr viele Menschen anscheinend das alles Schöne, was uns tagtäglich geschenkt wird, weder sehen, noch hören möchten. Sie ziehen es vor in wunderbaren sonnigen Tagen das Licht durch Sonnenbrillen zu filtern und zu verdunkeln und die Geräusche des Lebens durch das Tragen von Kopfhörern komplett auszublenden.
Ich frage mich warum das so ist? Warum versperren sich viele von uns von dem was um uns herum passiert? Warum wollen wir, außer unserer imaginären „heile Welt“, nichts mehr sehen und hören? So kommt es mir vor, dass wir versuchen uns von der Welt „da draußen“ mit Sonnenbrillen und Kopfhörern abzuschotten.
Warum machen wir das? Wer und was hat uns gelehrt, dass es für uns gut wäre, wenn wir unsere Augen dem Sonnenlicht entziehen? Wer und was hat ein Interesse daran, dass wir Menschen, statt dem Herz des Lebens – der Natur – zu zuhören, uns besser mit immer wieder dieselben Tönen dröhnen sollen? Und das manchmal so laut, dass es sogar den Menschen in unserer unmittelbaren Nähe die Ohren weh tun. Warum tun wir unseren Ohren das an?
Aus meiner eigenen Erfahrung weiße ich, dass das, was ich nicht trainiere, was ich nicht in der ganzen gebotenen Vielfalt verwende, eher früher als später verkümmert. Sei es meine Muskulatur, mein Verstand, oder meine Augen und Ohren … Die alten Chinesen rieten in die Abendsonne zu blinzeln – so, sagten sie, bleiben die Augen jung bis im hohen Alter. Aktuell es ist auch schulmedizinisch bestätigt, dass der Sehsinn, um gesund zu bleiben, einen dynamischen Wechsel von Hell- und Dunkelphasen benötigt, wie ihn die Natur mit vielfältigen Licht- und Schatten bietet (Naturarzt, 6/2013) – mit anderen Worten, dass je mehr Farben- und Schattenwechsel unser Auge empfängt, desto mehr trainieren wir unsere Augen und sorgen dafür, dass sie fit bleiben.
Eine Sonnenbrille dagegen dämpft bekanntlich das Wechselspiel des natürlichen Lichts so sehr, dass beim ständigen Tragen die Zäpfchen des Auges ihr Training einfach verlieren und verkümmern können – das Effekt ist mit dem Starren auf dem Computerbildschirm vergleichbar. Warum dann Sonnenbrille? Geht es uns hier vielleicht nur um „cool“ aussehen? Um das entsprechen eines willkürlich gesetzten Mode-Maßstabes? Oder hat vielleicht sogar jemand ein Interesse daran, dass unsere Augen schlechter werden? Wer soll das sein? Wer hat einen Vorteil davon?
Musik laut hören ist fürs Tanzen ganz gut und es macht Spaß im Gewirr einer Feier mit lauter Musik sich mal zu entspannen. Aber das stete laute Hören von Musik mit den Kopfhörern kann auf Zeit zu einer gravierenden Verschlechterung der Hörorgane führen, das unumkehrbar ist. Dabei ist die Hör-Wahrnehmung, neben dem Sehen, die wichtigste Informationsquelle über unsere Umwelt – wir basteln unser Weltbild zum größten Teil aus Bilder die wir „sehen und hören“, denn auch das was wir hören wird in unserem Gehirn zu einem Bild zusammengefügt, ein Bild aus Erinnerungen die mit dem jeweiligen Gehörtem zusammen gespeichert wurde. So ist auch zu erklären, warum wir lieber mit Kopfhörern auf den Ohren laufen, statt das wahrzunehmen, was „da draußen“ passiert – wir „sehen“ und „leben“ dadurch innerlich in einer Welt die aus Bilder zusammengesetzt wurde, die wir mit den jeweilig gehörten assoziieren.
Nun, diese Welt ist jedoch imaginär – eine Phantasiewelt in der die meisten dafür verwendeten Bilder nicht aus unsere unmittelbare Erfahrung stammen, sondern uns durch das Fernsehen und im Internet erreicht haben. Kann es sein, dass die Welt „da draußen“, die meist anders und weit entfernt von unserer imaginären Welt ist, uns so unangenehm geworden ist, dass wir ihr einfach nur entfliehen wollen? Dass wir deswegen uns von dem was wir tatsächlich erleben und selbst gestallten mit Sonnenbrillen und Kopfhörern versperren und es nicht mehr wahr haben wollen?
Wer, frage ich mich, hat ein Interesse daran, dass wir in Phantasiewelten entfliehen, statt das, was wir tatsächlich leben, bewusst wahrzunehmen, uns Fragen zu stellen und uns womöglich zu entscheiden das, was uns nicht genehm ist, zu verändern ?
07.07.2013 / Wie ein Wasserstrudel in einem Fluss …
Juli 7, 2013
In seinen Gedanken über das, was Ist, wählt David Bohm für das Dasein von allgemein als vermeintlich „selbständige“ Entitäten wahrgenommenen Energiefelder (Dinge und Lebewesen, ob sich bewusst oder unbewusst), das Bild eines Wasserstrudels in einem Fluss.
Der Wasserstrudel erscheint dem Beobachter wie eine vermeintlich „getrennte“ Struktur zu sein, die eine „eigene“ Bewegung nach einer „eigenen“ Ordnung ausführt und somit ein in dem Fluss „eigenes“ Dasein führt.
Jedoch, zwischen dem Wasserstrudel und dem Fluss gibt es keine erkennbare Trennung: der Wasserstrudel entsteht aus dem Wasser des Flusses, besteht nur aus dem Wasser des Flusses und löst sich letztendlich wieder ins Wasser des Flusses auf.
Dabei formiert sich der Wasserstrudel nicht aus „eigener Entscheidung“, sondern wird von den Umständen in dem jeweiligen Fluss-Kontext hervorgebracht: solange diese Umstände bestehen, solange existiert auch der Wasserstrudel. Verändert sich der Kontext, dann verändert sich auch der Wasserstrudel bis zu seiner vollständigen Auflösung.
Bemerkenswert an diesem Bild ist, dass der Wasserstrudel keinen Einfluss auf dem Kontext seiner Entstehung hat: er kann nicht alleine bestimmen ob, wann, wie und wie lange er existiert – die Ordnungsebene des Kontextes ist ein Rang höher als die seiner eigenen Existenz – das einzige was dem Wasserstrudel bleibt ist sich dem Fluss in Demut und Vertrauen hinzugeben … Nach seiner Auflösung bleiben im Fluss keine Spuren, die an das spezielle Dasein des vergangenen Wasserstrudels wahrnehmbar erinnern würden – doch, er hat während seiner Lebensspanne das Dasein des Flusses, aus dem er entstand, beeinflusst und dem Weiterfließen allen Wassers mit seinem Wirken maßgeblich geholfen.
David Joseph Bohm (1917-1992) war ein US-amerikanischer Quantenphysiker und Philosoph. Bohm hat eine Reihe signifikanter Beiträge zur Physik geliefert, insbesondere im Bereich der Vielteilchentheorie und der Grundlagen der Quantenmechanik. (Quelle: Wikipedia).
Eines der meist bekannten Bücher David Bohms ist „Der Dialog: Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen“ (Klett-Cotta, Deutsch, ISBN-10: 3608945539, ISBN-13: 978-3608945539).
01.06.2013 / Die Auflösung des Welt-Bildes und die Managementaufgaben
Juni 1, 2013
Ist es tatsächlich wahr, dass Menschen in sogenannten „höheren Leitungsfunktionen“ klügere und fähigere Menschen sind? Oder hängt dies damit zusammen, dass die Individuen in „Führungspositionen“ sich nur mit einer bestimmten Auflösung des Welt-Bildes wirklich auseinander setzen müssen (und vielleicht mit Absicht auch nur wollen)? Gibt es tatsächlich eine objektive Wichtigkeitsskala für die Aspekte die unser Leben beeinflussen, die besagt was „wichtig“ ist und was nicht? Und ist es tatsächlich so, dass das Treffen von Entscheidungen in als „wichtig“ erachteten Aspekte „besondere“ Fähigkeiten voraussetzen, die angeblich nur einer „Elite“ vorbehalten sind?
Ich nehme mal an, dass ein jeder Mensch nicht jede beliebige Menge, sondern nur eine relativ stark begrenzte Anzahl Informationen und Komplexitätsmustern wahrnehmen und verarbeiten kann. Folglich würde ein Mensch, der wirklich als einziger Entscheidungen treffen müsste, wovon das (Über)Leben und Wohlbefinden vielen anderen Menschen abhängig wäre, allein durch die Menge an Informationen die er alleine verarbeiten müsste (wenn er alle Aspekte berücksichtigen wollen würde), prinzipiell und faktisch vollkommen überfordert.
Im Umkehrschluss, kann der Komplexitätsgrad von Aufgaben jeglicher Art prinzipiell durch die Aufteilung in Teil-Aufgaben sinnvoll reduziert werden, sodass diese von mehreren Menschen „überblickt“ und „erfolgreich ausgeführt“ werden können – Bedingung dafür ist allerdings eine bewusst organisierte und gemeinsame Zusammenarbeit.
Zum Beispiel: Wenn (angenommen) jeder Mensch 5 Themenkomplexe (TK) bewältigen kann, dann wäre eine Aufgabe mit z. B. 20 Themenkomplexe von einem Team von 5 Menschen nach der Formel: 4 x 5TK + 1 x 4TK (siehe Abbildung) sinnvoll handelbar. Das bedeutet, dass für je 5 Themenkomplexe jeweils ein Mensch notwendig wäre – also 4 – und noch einen, der 5., der den Überblick über die 4 Themenkomplexe-Komplexe behalten muss. In diesem Zusammenhang wäre der 5. jedoch mit nichts „besser“ als die anderen 4, da die Auflösung des von ihm wahrgenommenen Welt-Bildes um ein Faktor schlechter wäre als die der anderen 4. Somit dürfte er auch nicht alleine Entscheidungen treffen, sondern nur zusammen und gemeinsam mit den anderen 4 Beteiligten – er wäre nicht „der Chef“, sondern der Manager der Ebene „2“, wobei seine Kollegen Manager der Ebene „1“ wären – dabei sind die Ebenen gleichwertig und gleich notwendig für die erfolgreiche Ausführung der Aufgabe.
Dieser Betrachtungsweise eröffnet Fragen bezüglich der aktuell verwendeten Führungsmodelle, in den je „höher“ die Managementebene, desto größer der Lohn/das Gehalt des Managers berechnet wird. Begründung dafür ist, dass je höher die Managementebene, desto größer die „übernommene Verantwortung“ und das „Risiko“ mit den Entscheidungen getroffen werden müssen.
Jedoch, je höher die Managementebene, desto unscharfer (grobkörniger) die Auflösung des Welt-Bildes aufgrund dessen der Manager seine Entscheidungen im Alleingang treffen muss – mit anderen Worte: der Alleinentscheidende hat gar nicht die Möglichkeit all das wahrzunehmen, das notwendig wäre, um bei den getroffenen Entscheidungen das Risiko wirklich zu minimieren. Er ist stets auf die Menschen angewiesen, die ihm die notwendige Detailinformationen in so einer Form liefern, die ihm eine Verarbeitung ermöglicht. Die einzige wirkliche Möglichkeit des Risikominimierens ist die Miteinbeziehung aller Beteiligten in die Entscheidungsfindung.
Daraus ergibt sich zwingend, dass ein höheres Gehalt auf einer höhere Managementebene grundsätzlich nicht durch die EntscheidungsFÄHIGKEIT des Managers gerechtfertigt sein kann und ist, sondern vielmehr ein künstlich erschaffenes Machtkonstrukt/-Instrument darstellt, um die Entscheidungsmacht an bestimmten, nicht dem Bedarf-Wirtschaften dienlichen Grundsätze, zu bedingen und somit einem engen elitären Kreis vorzubehalten.
In diesem Zusammenhang erscheint mir der Versuch, als einziger Mensch (oder elitäre Minderheit) im Alleingang Entscheidungen für andere/alle Menschen treffen zu wollen, als extremst hochmutig und die Behauptung dafür „berechtigt/befähigt“ zu sein und sogar es „schaffen“ zu können grenzt für mich, in Anbetracht des heutigen sozialen Entwicklungsstandes der Menschheit, an vorsätzliche Täuschung.
In meinem Empfinden können (und sollen), heute schon, aktuelle Organisationsstrukturen ohne große Schwierigkeiten unter Verwendung gemeinschaftlichen Prinzipien weiter betrieben werden – dabei darf jedoch die EntscheidungsMACHT nicht mehr von der jeweiligen „Managementebene“ abhängig unterschiedlich sein, sonder in partizipativer Form, durch einen innig gelebten Dialog ausgeübt werden. Ich empfinde das Management und die Führung als eine Team-Aufgabe, in der jede/r Beteiligte/r seinen Anteil an Input und Fähigkeiten hingeben und auch seinen Anteil an Verantwortung für das eingegangene Risiko übernehmen und tragen muss. Wer mit-entscheiden darf, der trägt gerne auch das Risiko und die Konsequenzen mit.
Ganz nebenbei, da jeder der Beteiligten seinen gleichen Anteil an Risikoübernahme trägt, besteht natürlich auch keine „Notwendigkeit“ mehr, die übernommene „alleinige Verantwortung“ durch ein ungleich hohes Einkommensniveau und ungerechtfertigte Privilegien zu „belohnen“. Durch eine gleich hohe wirtschaftliche und bedarfsgerechte Anerkennung werden die Menschen nicht „alle gleich“, sondern in ihre einzigartige Unterschiedlichkeit als gleichwertig anerkannt und wertgeschätzt.
Meiner persönlichen Ansicht nach, wenn die jeweils beteiligten Menschen zusammen und gemeinsam arbeiten, dann kann eine jede bestehende Organisation zu einer Gemeinschaft werden, in der jeder in Selbstverantwortlichkeit (s)eine Führungsrolle/Funktion übernimmt und zum Wohle Aller ausführt.
Dabei stelle ich mir als Zukunft auch eine Menschheit vor, in der alle Menschen sich gegenseitig als gleichwertig anerkennen und wertschätzen.
15.04.2013 / Anstrengung, Luxus und das Gemeinwohl …
April 15, 2013
Auf dem Wandel-Weg zum Gemeinwohl gibt es manche Aussagen, die mich nachdenklich stimmen und bei mir Fragen auftauchen lassen.
[Wer sich „mehr anstrengt“, der soll auch „belohnt“ werden …]
- Was bedeutet sich „mehr anstrengen“? Müssen Menschen, die leidenschaftlich das tun, was ihr Herz beflügelt, sich überhaupt anstrengen? Ist „Anstrengung“ nicht ein Zeichen, dass der Mensch gerade nicht das tut, was er am besten kann und, dass er vielleicht sich gerade am „falschen Ort“ befindet? Oder eher, dass der angestrengte Mensch sich von einer „unklare“ Absicht leiten lässt?
- Wenn ich ein „Belohnungssystem“ in einer Gemeinwohl-Gesellschaft integriere, riskiere ich nicht etwa, dass Menschen sich gerade für diese Belohnung „mehr engagieren“? Und nicht weil es ihnen bewusst ist wer sie sind und was für die Gemeinschaft lebensnotwendig ist? Kann es dann noch so eine „Anstrengung“ als bewusstes „Engagement“ für das Gemeinsame bezeichnet werden? Ich bedenke beispielhaft und zum Vergleich die Reinigungsaufgaben – die sicherlich nicht aus „Berufung“ erledigt würden, sondern weil es notwendig ist – als freiwilliger Zeit-Dienst an die Gemeinschaft, an das Gemeinwohl – wäre hier eine Belohnung notwendig (und gar förderlich), um die Menschen dazu zu bewegen diese Aufgaben zu erledigen? Oder den Dienst eines gewählten Gemeinschaftsrepräsentanten?
- Ist es nicht zu erwarten, dass in einem sozialen System, das das Gemeinwohl als Schwerpunkt hat, jeder Mensch sich bewusst ist, dass er nur das verbrauchen soll, was er tatsächlich braucht und dass die „Belohnung“ für sein Tun implizit im „der Gemeinwohl-Gemeinschaft-Zugehörig-sein“ beinhaltet ist? Fördert eine äußere „Belohnung wirklich den inneren spirituellen Wachstum des Menschen, das Bewusstwerden, das die Basis des Gemeinwohls bildet?
- Besteht bei einer „Belohnung“ nicht die Gefahr, dass Menschen in „Klassen“ und „Kasten“ unterteilt werden – allein deswegen, weil eine „Belohnung“ genaue Kriterien braucht, die definieren „wer“ und „wann“ belohnt werden soll? Und würden nicht allein durch diese Kriterien die Menschen von einer „Belohnung“ automatisch ausgeschlossen, die einfach die Fähigkeiten und Gaben nicht besitzen, die notwendig wären, um nach den Regeln „belohnt“ zu werden? Die Menschen deren „Makel“ wäre, dass sie anders sind und somit anders können und empfinden?
- Wer definiert letztendlich was für eine Anstrengung und wie viel Engagement zu einer „Belohnung“ berechtigen? Und wie soll diese Belohnung tatsächlich aussehen? Wie wird es sicher gestellt, dass die Mittel und Ressourcen, die als „Belohnung“ gewährt werden sollen, nicht irgendwo anderen Menschen fehlen werden oder einen ökologischen Ungleichgewicht auslösen?
oder [„Luxus soll nach wie vor möglich sein“]
- Wie ist „Luxus“ definiert? Wie steht das im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit, spiritueller Weiterentwicklung und Gleichwertigkeit der Menschen und aller Lebewesen?
- Wofür dient überhaupt „Luxus“ – für die Befriedigung welcher tatsächlichen Bedürfnisse?
- Wie steht das „Luxus“-Konzept zu der Tatsache, dass auf unserem Planeten die Ressourcen in der Tat begrenzt sind? Ist es nicht so, dass wenn sich ein Mensch erlaubt viel mehr zu verbrauchen, als er tatsächlich braucht, dieser Mehrverbrauch sich irgendwo anders auf dem Planeten in einem Mangel an Ressourcen und Mittel wiederfindet? Mit welcher Berechtigung soll das möglich sein?
- Würde ein Mensch, der sich freiwillig für eine nachhaltige, rücksichtsvolle und dem Gemeinwohl dienende Lebensweise entschieden hat, überhaupt noch an „Luxus“ im materiellen Sinne Interesse haben?
26.03.2013 / Wir alle sind vor allem Menschen …
März 26, 2013
Warum gibt es Bezeichnungen wie „Kunde“ und „Klient“? Und wenn sie als Rollen in der Marktwirtschaft entstanden sind, sind sie tatsächlich auch in unserem täglichen und persönlichen Sprachgebrauch notwendig? Können diese Bezeichnungen nicht nur dort bleiben, wo sie gebraucht werden? Was empfinden wir wirklich, wenn wir mit so viel Selbstverständlichkeit von „KundInen“ und „KlientInen“ reden und schreiben?
Warum nennen wir den Menschen, der unsere Fähigkeiten in Anspruch nimmt, nicht einfach Mensch ? Wie betrachten wir wirklich die Person, der wir unsere „Produkte“ und „Leistungen“ anbieten? Nehmen wir sie in der Tat und grundsätzlich immer als Mensch wahr? Oder ist es uns leichter mit dem abstrakten, aber „marktgerechten“ Gebilde des „Kunden“ zu interagieren? Und warum ist es leichter? Weil die einzige Dasein-Berechtigung eines „Kunden“ nur die ist, so viele „Produkte“ zu „kaufen“ wie nur möglich?
Welcher Art ist in der Tat die Beziehung, die zu dem Menschen entsteht, der unsere „Dienst-Leistung“ in Anspruch nimmt? Dem wir mit unseren „zertifizierten Fertigkeiten und Qualifikationen“ versprechen Etwas zu ermöglichen, ihm zu Etwas zu verhelfen, ihm einen Weg zu zeigen, den er alleine vielleicht nicht sehen oder begehen kann? Gehen wir mit diesem Menschen tatsächlich eine Verbindung ein? Oder schotten wir uns unbewusst von dem Menschsein ab, in dem wir uns gegenseitig „Klient“ und „Dienstleister“ nennen? Und warum tun wir das? Vielleicht weil wir mit einem Menschen unumgänglich eine persönliche Beziehung eingehen müssten, mit einem abstrakten „Klienten“ dagegen nicht … ? Vielleicht weil, würden wir uns gegenseitig stets als Menschen wahrnehmen, uns dann sehr schwer fallen würde, uns gegenüber rücksichtslos zu sein …?
Und dann wundern wir uns, dass die Welt in der wir leben so ist, wie sie ist?
Wann trauen wir es uns wieder zu, uns alle gegenseitig und immer einfach nur als Menschen zu begegnen? Wann wird uns endlich bewusst, dass die von uns gelebte Wirklichkeit von unseren Worten stets neu erschaffen werden kann … und wird?
10.03.2013 / Symptomen vs. Ursachen
März 10, 2013
Menschen streben unbewusst nach „Sicherheit“. Das hat, in meinem Empfinden, ihre Ursache in der Angst den äußeren Umständen und (wie sich in den letzten 5000 Jahren deutlich gezeigt hat) den anderen Menschen ausgeliefert zu sein. Ausgeliefert im Sinne einer „selbstverständlichen“ Unterdrückung und Ausbeutung der Schwächeren durch die Stärkeren, der „Verlierern“ durch die „Gewinner“.
Dieses Streben nach „Sicherheit“ wird vor allem auch von der panischen Furcht entfacht, in Zeiten der Not von den anderen Menschen im Stich und von der Gesellschaft „links liegen“ gelassen zu werden. Von einer Gesellschaft, in der das Lebewesen Mensch, die umgebende Natur und sogar das Leben selbst nur als „frei zur Verfügung stehenden Ressourcen“ angesehen werden.
Nun, die „Gesellschaft“, mit all ihren Regeln und Dogmen, wurde von Menschen erschaffen und besteht letztendlich nur aus Menschen – aus Menschen, die sich vor sich selbst fürchten – Menschen so wie ich es auch bin. Wir, die Menschen, haben uns Regel für die Funktionsweise unseres Tauschmittlers Geld erstellt und wir alle befolgen sie. Die Regel des Geldsystems unterstützen nur das, was wir die ganze Zeit unbewusst anstreben: das einzelne Individuum in einen Zustand der „Sicherheit“ zu bringen; in einem Zustand in dem das Individuum „unabhängig“ von den anderen, ihm umgebenden Individuen ist und in dem das Individuum „Macht“ zur Selbstbestimmung (wieder) erlangt.
Es gibt Konzepte für die „Verbesserung“ des Geldsystems, die das Streben nach Reichtum im Sinne vom Horten des Tauschmittlers Geld unterbinden und dafür sorgen sollen, dass das Geld stets in ausreichender Menge der Gesellschaft zur Verfügung steht. Das „verbesserte“ Geldsystem soll „alternativ“ und „regional“ eingesetzt werden und dadurch den (lokalen) Konsum anregen und die Ankurbelung der (unmittelbar regionalen) Wirtschaft erreichen. Ein gewünschter Hauptnebeneffekt ist unter anderen, dass eine Region, in der ein alternatives Geldsystem eingeführt ist, „autonomer“ wird, so sich als „unabhängiger“ von dem Rest der Welt betrachten kann und so unempfindlicher gegenüber Wirtschaftskrisen wird – so die Theorie. Und was ist mit den Nebeneffekten?
Mit anderen Worten, wir spüren das Symptom – wir haben Angst, dass „andere“ uns „das Böse“ wollen – und errichten zur Vermeidung einen hohen Zaun um „unseren“ Hof herum. Dabei vergessen wir, dass unser Hof sich auf einem winzigen, begrenzten Planeten befindet und dass, in diesem Zusammenhang, das „Unabhängig-sein“ nur eine, für alle Lebewesen auf diesem Planeten, sehr gefährliche Illusion darstellt.
Die Ursache dafür, warum die Menschen mit allen Mitteln nach „Unabhängigkeit“ streben, lassen wir dabei, finde ich, vollständig außer Acht. Die Ursache für das Streben nach „Sicherheit“ ist, nach meiner persönlichen Ansicht, dass wir Menschen, uns einfach gegenseitig nicht Vertrauen und, dass wir Menschen, uns nicht gemeinsam als eine Einheit sehen, wie eine Menschheit auf einem winzigen Planeten in einem unendlichen Universum. Stattdessen betrachten wir uns, als ob wir nur vereinzelte Individuen sein würden, die sich gegeneinander und gegen die Natur in einem unaufhörlichen Kampf ums Überleben befinden müssen.
Nach meinem Empfinden wäre es sinnvoll, wenn wir alle uns darauf besinnen würden, dass wir nur alle gemeinsam ein schönes und sicheres Leben genießen können und, dass das nur dann möglich sein wird, wenn wir Menschen anfangen uns wieder gegenseitig zu vertrauen.
Statt dessen beobachte ich, dass wir – unbewusst, wie ich es empfinde – sogar im „guten Streben nach einem Wandel unserer Gesellschaft“, noch mehr Trennung zwischen uns errichten wollen: Dörfer, Regionen, Staaten, sogar Kontinente sollen, „autonom“ und „unabhängig“ werden oder bleiben, sich abschotten und absichern, um so dem „Untergang“, der „natürlich“ nur von den „anderen“ provoziert wird, sich entziehen zu können.
Nicht mal unser winziger Planet ist „unabhängig“ und „autonom“ in unserem Sonnensystem, im Universum – und der ist so viel größer als wir, einzelne Individuen, und als wir, die Menschheit.
John Donne schrieb vor fast vier hundert Jahren: „Niemand ist eine Insel“ – Ich erlaube mir hier diese Aussage zu ergänzen: Auch wenn jeder von uns sprichwörtlich eine Insel wäre, dann würden wir uns trotzdem alle gemeinsam im Meer des Lebens befinden und durch dessen Wellen unzertrennlich verbunden sein …
03.03.2013 / Fehler oder Absicht?
März 3, 2013
Zu behaupten, dass das aktuelle Geldsystem einen „Fehler“ hat und „nur“ deswegen alles so schief läuft, ist es meiner Empfindung nach gleich der Behauptung, dass der erste Mensch, der Geld mit Zinsen verliehen und so seinen Einkommen gesichert hat, der Mensch der sich an der Not anderen Menschen erfreut und es für richtig erachtet hat andere Menschen und so „das Geld“ für sich arbeiten zu lassen, dass dieser Mensch sich der Tragweite seines Handelns nicht wirklich bewusst war.
Das mag vielleicht für diesen ersten Menschen stimmen. Stimmt das aber auch für alle anderen, die nach ihm bis zum heutigen Tage genau dasselbe und noch viel schlimmer betreiben? Sind auch die Menschen, die heute tagtäglich alles dafür tun um sich auf Kosten anderen und der Umwelt bis ins Bodenlose zu bereichern und damit stets dafür sorgen, dass dieser „Ur-Fehler“ Bestand hat, sind sie der Tragweite des eigenen Handelns auch völlig unbewusst? Oder tun sie es mit klarer Absicht, um genau das zu erreichen, wozu das aktuelle Geldsystem offensichtlich ausgerichtet ist?
Ich sehe das so: Das Geldsystem hat keinen „Knick“ und keinen „Fehler“ – es wurde vom Anfang an so konzipiert und funktioniert der Ur-Absicht entsprechend perfekt. Die Absicht war und ist immer noch: der Stärkere „gewinnt“ und „überlebt“. Es ist logisch, dieser Absicht entsprechend, Reichtum mit jedem Mittel anzuhäufen und sich so zu „behaupten“, denn Reichtum sorgt für „Sicherheit“ und „Macht“ und somit für das „Überleben“ – was auch immer in dieser Hinsicht darunter verstanden wird.
Meiner Empfindung nach nützt es nicht an das aktuelle Geldsystem „rumzudoktern“ und zu versuchen den „Fehler“ zu beseitigen, solange wir es nicht mal angefangen haben, uns mit der dahinter stehenden Absicht zu befassen. Unsere Gedanken und zwar die, die uns nicht mal bewusst sind, erschaffen unsere Wirklichkeit. Wir sind es, die darauf bestehen und dafür peinlich sorgen, dass unsere Welt so ist wie sie ist.
Wir können es jedoch auch anders – das bedeutet allerdings ein neues Denken, ein Denken in dem wir uns gemeinsam (statt jeder für sich) das Überleben sichern – unser und des Lebens auf diesem Planeten. Erst dann werden wir im Stande sein, das Geldsystem so zu gestalten, dass es uns eine Hilfe dabei ist und nicht mehr ein Hindernis.
20.02.2013 / Gewissheit
Das, was im Allgemeinen als „Gläubig sein“ bezeichnet und gelebt wird, fühlt sich für mich ungefähr so an: Ich lebe in Deutschland und ich möchte so gerne mir selbst in meinem Herzen begegnen. Dafür, weil es jemand, der behauptet zu wissen wie ich mir begegnen kann, mir es gesagt hat, „glaube“ ich daran, dass wenn ich von Deutschland nach Australien zu Fuß gehe, also wenn ich diese sehr lange und beschwerliche Reise unternehme und sie auch überstehe, dann habe ich eine gute Chance mir dort zu begegnen.
So mache ich mich auf den langen Weg und, da ich es nur daran „glaube“, dass es möglich wäre mir zu begegnen, lebe ich dabei stets mit der Angst, dass auch wenn ich dort, in Australien, ankommen werde, ich mich trotzdem womöglich auf eine Haaresbreite „verpassen“ könnte …
Ich persönlich glaube es nicht, dass es so was wie das Ganze und Unendliche gibt, wovon ich auch ein integraler Anteil bin – ich weiß, dass es so IST. Auch wenn ich nicht „verstehe“ was, wie und warum – ich weiß es, weil ich es stets in meinem Herzen „hören“ und es mit meinem ganzen Wesen wahrnehmen kann. Dafür brauche ich keinen Namen, keine Mantras, keine Rituale, keinen speziell dafür eingerichteten Raum – es ist für mich sehr einfach: es ist mir heilig in mir und um mich herum und dadurch jederzeit und überall …
11.02.2013 / Alleinstellungsmerkmal
Februar 11, 2013
Ich frage mich wovon unser Leben als Menschen am meisten geprägt ist? Was uns auf lokaler wie auf globaler Ebene so wichtig ist, dass es unser tägliches Verhalten bis hin zu den intimsten Details beeinflusst? Sind eher die Qualitäten die uns allen eigen sind, Fähigkeiten die wir alle haben? Oder vielleicht ist es eher das, was uns von einander unterscheidet, das uns einzigartig und unvergleichbar macht? Ist es uns wichtig der/die zu sein, die wir in unserem Inneren spüren, dass wir es bereits sind ? Oder ist es uns wichtiger zu dem zu werden, was die „Außenwelt“ von uns fordert? Nach welchen Maßstäben werden unsere angeborenen Gaben, Qualitäten und Fähigkeiten wahrgenommen und bemessen und welche Rolle spielen sie für unsere Entwicklung im Leben?
Es scheint mir so zu sein, dass wir Menschen pflegen in einer Welt der Kontradiktionen zu leben: auf der einer Seite behaupten wir das Leben zu achten und bemühen uns, dass jedes geborene Kind überlebt; auf der anderen Seite pflegen und hegen ein Erziehungssystem, das dem Kind beibringt, dass es alleine, so wie es geboren wurde, eigentlich nicht viel Wert ist. Wir trichtern dann dem Kind ein, dass das, was er bereits IST, nicht wirklich genügt um zu überleben. Wir bringen dem Kind bei, dass das Leben ein gefährlicher Wettkampf ist, bei dem nur „die Besten“ gewinnen können und, dass „einer der Besten“ zu sein, die Meisterschaft über ein Regelwerk bedeutet, das vorschreibt, dass jeder Mensch auf sich „allein gestellt“ ist. Wir zeigen dem Kind in aller Frühe einen trostlosen Pfad, der sich in einer von Angst und Unsicherheit geplagten Umgebung von einer „Prüfung der Regeln“ zur nächsten „Prüfung der Regeln“ schlängelt und mit Titeln, Diplomen und Zertifikate bepflastert ist – und wir nennen diesen Weg „im Leben etwas aus sich machen“.
Dabei sieht es meist so aus, dass der junge Mensch, der vor uns voller Neugierde steht, uns nicht wirklich interessiert. Wir nehmen ihn nicht wirklich so wahr, wie er ist, sondern nur so, wie es uns „das Regelwerk“, dem wir alle uns unbewusst verpflichtet haben, vorgibt. Wir wollen es gar nicht wahr haben, dass das Kind vor uns bereits vollständig ist und, dass es ein neues, noch unerkanntes Potential mit sich bringt, das nur darauf wartet sich selbst zu entfalten und uns allen etwas neues und unbekanntes zu verschenken. Wir wollen nicht mehr wissen „wer“ der neue Mensch IST – wir wollen ihn nur nach dem Muster formen, nach dem wir selbst in unserer Kindheit auch geformt wurden. Denn das meinen wir zu „kennen“ und, von dem was wir zu „kennen“ meinen, haben wir weniger Angst, dass es „besser“ als wir werden könnte und uns dann so „unseren Platz“ streitig machen würde. Denn auch wir haben es sehr früh gelernt, dass wir auf uns „allein gestellt“ sind, dass wir uns gegen alle anderen „behaupten müssen“, dass wir es nur dann „gut“ haben, wenn wir „die Besten sind“ und dass es allein „das Regelwerk“ bestimmt was „der Beste zu sein“ bedeutet …
Ich habe das Gefühl, dass wir in einer Welt leben, in der wir für das, was „wir aus uns gemacht haben“, so gut wie nur möglich werben müssen. Und wir zwingen uns das zu tun, weil wir uns davon abhängig gemacht haben, dass nur wenn viele andere Menschen „unsere Leistung“ kaufen, nur dann wir mit unserem „Lebensunterhalt“ belohnt werden. Eine Welt in der wir stets die „Gewinner“ eines Spiels um unser Leben sein müssen, wenn wir nicht als „Verlierer“ um unser Leben bangen wollen.
Unser Leben wird, heute wie vor Tausenden vor Jahren, von einem Regelwerk gelenkt, das unsere Lebensberechtigung als bewusste Wesen grundsätzlich in Frage stellt – denn in einem Spiel „jeder gegen jeden“ gewinnt am Ende keiner. Anscheinend haben wir uns entschieden unser Geburtsrecht selbst zu verspielen – denn laut unser „Regelwerk für Menschen“ dürfen wir nicht einfach leben, sondern wir bestehen darauf, dass wir es, trotz angeblicher Zivilisation, uns dieses Recht erst „verdienen“ müssen. Das hat uns die Natur so nicht vorgelebt. Das haben wir uns in der Tat alleine zu verdanken.
Ich frage mich jedoch: Muss das heute wirklich noch so sein?
05.02.2013 / Verantwortung …?
Februar 5, 2013
Ich nehme wahr, dass Menschen die es erkannt haben, dass sie nur ihre eigene Wahrheit verkünden können, keinen Wert darauf legen, dass andere Menschen ihnen folgen.
Und doch passiert es trotzdem, weil es so viele sind, die es immer noch vorziehen sich lieber im Schatten eines Anderen zu verstecken, als selbstverantwortlich im Lichte des eigenen Herzens gerade zu stehen.
04.02.2013 / Vertrauen …?
Februar 4, 2013
Ich schaue mir die „Nachrichten“ an und bekomme vor allem Kriege, Katastrophen, Verbrechen, Mord und Totschlag, politische Krisensituationen, Skandale von „Promis“ und „VIPs“ und die Börsenkurse zu sehen.
Ist das alles, was uns Menschen ausmacht?
Gibt es nichts anderes in unserer Gesellschaft, das erwähnenswert wäre? Ist es alles nur eine große Intrige im Bezug auf Geld, ein Kampf auf Leben und Tod um das vermeintlich „richtige Glauben“ und zwischendurch eine große Tratschküche?
Gibt es keine schöne, ermutigende Neuigkeiten die wir uns gegenseitig mitteilen können? Zum Beispiel über Menschen die ehrlich zu einander sind und sich gerne haben, die zufrieden sind, die zusammen erfolgreich Projekte für die Menschlichkeit stemmen? Ist das nicht auch interessant und informativ?
Wollen wir überhaupt über die Menschen, die nicht in unserer Nähe leben, wirklich etwas _erfahren_ und so fähig werden sie wahrnehmen zu können? Oder wollen wir uns nur das eigene Weltbild immer wieder bestätigen lassen? … uns ist das Bild, das ich von der Welt habe, tatsächlich „mein eigenes“ Bild? …
Ich habe das Gefühl, dass ein Großteil der Informationen mit den ich, ob ich es möchte oder nicht, „versorgt“ werde , nur einem einzigen Zweck dient: der Verbreitung von Unsicherheit und Angst – die implizite Nachricht soll sein, dass die Welt unsicher ist und mich jederzeit irgendetwas böses und hinterlistiges ereilen kann. Aber, ist die Welt wirklich so? Oder ist das vielleicht nur eine Täuschung? Und wenn ja, warum? Wer hat welches Interesse daran, dass ich mich nicht sicher fühle, dass ich Angst um mein Wohlbefinden habe, dass ich mich sogar manchmal ausgeliefert fühle, dass ich letztendlich auf ein gutes Weiterleben „einfach so“ nicht vertrauen kann?
Hängt es eigentlich _mein_ Vertrauen, ob ich es habe oder nicht, von den Nachrichten ab? Oder sind die Nachrichten nur ein Spiegel dessen geworden, wie unsere Gesellschaft ist und wie letztendlich auch ich es bin? Ist vielleicht in unserer schnelllebigen Gesellschaft das Grund-Vertrauen flüchtig geworden? Gibt es in meinem tagtäglichen Leben Vertrauen?
Mögliche Momentaufnahme: Ich schliesse meine Tür mit einem Schloss ab, meine EC-Karte und mein Mobiltelefon sind durch PINs und TANs, mein Computer durch Passwörter und Firewalls „geschützt“, ich bin mindestens kranken, unfall, haftpflicht, hausrat und lebens „versichert“, ich „spare“ für „schlechte Zeiten“, ich „sorge vor“ für meine Rente, ich verfasse schliesslich einen Testament. Darüber hinaus „identifiziere“, „zertifiziere“ und „akkreditiere“ ich mich, um „anderen“ zeigen und beweisen zu können „wer“ ich bin und welche „Rechte und Privilegien“ ich mir „verdient“ habe. Ich habe einen SPAM-Filter in meinem eMail-Konto und verwende die online Aktualisierung für Antivirus-Programme. Ich schliesse Verträge nur im Beisein von Zeugen ab, kontrolliere meine Kontoauszüge, Kassenbons und die Inhalte von gekauften Waren regelmäßig auf „Unstimmigkeiten“, spreche meine „Meinung“ vorsichtig in Gegenwart von „Fremden“ aus, schliesse mein Auto und Fahrad ab, halte meine Handtasche „sicher“ vor mir und die Jackentaschen zugeknöpft, baue Zäune auf und Panzerschränke ein um meine „Urkunden“ und mein „Vermögen“ vor „Neugierigen“ und „Neider“ „sicher zu stellen“ und lasse mich schliesslich „beraten“ um „sicher zu gehen“, dass ich auch nichts übersehen habe, was ich für meine „Sicherheit“ noch tun könnte oder sogar „müsste“ …
Warum tue ich das alles? Wer will mir „das Böse“ und warum? Denn, wenn ich einen Moment inne halte und mich beobachte, es sind nicht „Naturkatastrophen“ wovor ich mich absichere, sondern fast ausschließlich die Menschen um mich herum … Ich fürchte mich vor ihnen, dass sie da sind, wo ich sie nicht haben möchte, und dass sie nicht da sein werden, wenn ich sie mal brauche …
Das muss so nicht sein, finde ich, und ich möchte nicht, dass es für immer so bleibt.